Fußball

Entscheidung des NFV findet Anklang

Die hiesigen Fußballtrainer begrüßen die Aussetzung des Spielbetriebs bis zum Jahresende, rätseln aber über das weitere Vorgehen.
17.11.2020, 17:26
Lesedauer: 5 Min
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Von Thorin Mentrup und Jannis Klimburg
Entscheidung des NFV findet Anklang

Rassige Zweikämpfe, wie hier beim Duell TuS Sudweyhe II (l. Michael Pfafenrot) gegen den TSV Weyhe-Lahausen (Kevin Gibek), wird es erst einmal nicht geben.

Thorin Mentrup

Landkreis Diepholz. Wirklich überraschend kam diese Entscheidung nicht: Der Fußballspielbetrieb in Niedersachsen ruht bis zum Jahresende (wir berichteten). Die Vereine und ihre Aktiven haben nun Planungssicherheit. Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) strebt darüber hinaus an, den Spielbetrieb bereits im Januar wieder aufzunehmen. Wie denken die Vertreter der Klubs und des Fußballkreises über diese Entscheidung?

Andreas Henze, Vorsitzender des Fußballkreises Diepholz, ist noch recht entspannt. Bei der Videokonferenz des NFV-Präsidiums am Montagabend habe es keine großen Diskussionen gegeben, verrät er. Letztlich sind die Fußballer ohnehin von der Verfügungslage auf Landes- und Bundesebene abhängig. Für Henze steht wie für den NFV-Präsidenten Günter Distelrath fest: „Wenn es die Lage erlaubt, können die Vereine das Training aufnehmen.“ Er hoffe, dass es nach einigen weiteren Wochen des Abwartens dann auch relativ schnell gehe, will er einen recht frühen Neustart im neuen Jahr nicht ausschließen. Alles hänge aber von den Infektionszahlen ab.

Doch wie soll dieser Neustart dann aussehen? Einen konkreten Beschluss auf Kreisebene gibt es noch nicht. „Unsere Spielausschüsse haben genügend Zeit, sich Gedanken zu machen und Szenarien zu entwickeln. Wir werden erst einmal abwarten, was die Politik beschließt, und das Ganze dann gemeinsam in einer Vorstandskonferenz zusammentragen und analysieren“, gibt Henze die Richtung für die kommenden Wochen vor. Innerhalb weniger Tage wird es also keinen Beschluss geben. Diesen Zeitdruck habe man auch nicht, betont der Bassumer. In vielen Staffeln sei die Situation so, dass es Grundlagen für eine Wertung gebe, selbst wenn die Hinrunden nicht mehr beendet werden könnten. Henze lässt durchblicken, dass es, wenn es recht früh im neuen Jahr weitergehe, erst einmal darauf ankomme, die Mannschaften auf einen einheitlichen Stand zu bringen. Sprich: Zunächst einmal sollen die Nachholspiele ausgetragen werden, um ein möglichst unverzerrtes Tabellenbild zu bekommen. „Zu 90 Prozent wird es fair für alle Beteiligten sein“, ist der Kreisvorsitzende überzeugt eine gute Lösung zu finden. Die fairste, das liegt auf der Hand, ist die, alle Spiele über die Bühne zu bringen. „Zeit genug haben wir dafür eingeplant“, unterstreicht Henze. Noch ist für diese Saison nichts verloren.

SCT wünscht sich sportliche Lösung

Das finden auch Trainer Uwe Küpler und sein „Co“ Michael Schultalbers vom Bezirksligisten SC Twistringen. „Es spricht aus meiner Sicht auch nichts dagegen, den kompletten Juni zu spielen“, wirft Küpker ein. Erst einmal ist er genau wie Schultalbers froh darüber, Planungssicherheit zu haben. „Das ist ein klare Aussage des Verbands.“ Für den SCT ist durchaus spannend, was passiert, wenn die Qualirunde nicht fortgesetzt werden kann, sondern es direkt in der Meister- und Abstiegsrunde weitergeht. Wird die Hinrunde gewertet, sind die Blaumeisen in der Meisterrunde, geht es nach dem Quotienten, sind sie knapp draußen. „Eine sportliche Lösung ist immer die beste und die fairste“, findet Schultalbers. Die fünf verbliebenen Spiele der Qualifikationsrunde könne man mit Partien unter der Woche in zweieinhalb bis drei Wochen nachholen.

Kaum Probleme mit einem Frühstart ins Jahr hätte der Twistringer Ligarivale TV Stuhr. „Wir haben ja einen Kunstrasen“, sagt Stephan Stindt, der das Team gemeinsam mit Christian Meyer trainiert. Andere Teams im Kreis und im Bezirk könnten dagegen mit ihren Naturrasenplätzen mehr Probleme bekommen. Ein Frühstart könnte also durchaus holprig sein. Mit Spielen im Dezember hatten die Stuhrer nicht mehr gerechnet: „Uns war tendenziell klar, dass dieses Jahr nichts mehr passieren wird. Man braucht ja auch eine gewisse Vorbereitungszeit. Wenn man vier Wochen nicht mehr trainieren konnte, kann man nicht nach ein oder zwei Einheiten wieder zu den Punktspielen übergehen. Dann wäre die Verletzungsgefahr zu groß.“ Deshalb hätten er und Meyer ihre Spieler in den vergangenen Wochen in Ruhe gelassen. Ende des Monats, wenn die politischen Entscheidungen für die kommende Zeit gefallen sind, werde man sich aber sicherlich mit der Mannschaft per Videokonferenz treffen und die weiteren Schritte diskutieren.

Auch Friedhelm Famulla, Chefcoach des Kreisligisten SV Mörsen-Scharrendorf, hatte mit der Entscheidung des NFV gerechnet. „Das war zu erwarten. Deshalb bin ich auch schon länger gedanklich in der Winterpause“, sagt er. Einen Kaltstart im Januar hält er für eher unwahrscheinlich und bedenklich: „Die meisten Plätze werden das nicht mitmachen. Außerdem bräuchten wir auch eine gewisse Zeit, so um die drei Wochen, um uns auf die ersten Spiele vorzubereiten. Ansonsten wäre die Verletzungsgefahr viel zu hoch.“ Seiner Meinung nach gehe es jetzt darum, eine Lösung zu finden, wie genau die Saison im neuen Jahr fortgesetzt wird. „Man sollte sich wohl Gedanken machen, wie man die Spielzeit verkürzen kann. Denn ich glaube nicht daran, dass wir alle Spiele durchbringen können. Wir werden wahrscheinlich frühestens Anfang Februar die ersten Partien wieder ausgetragen“, ist sich Famulla sicher. „Vorher wird da nichts passieren.“

In die gleiche Kerbe schlägt auch Weyhe-Lahausens Trainer Thorsten Eppler. „Die Entscheidung ist sehr in unserem Sinne. Schließlich haben sich die Zahlen zuletzt nicht großartig verändert, die Problematik besteht weiterhin. Doch ich finde, dass man das auch hätte früher entscheiden können, dass in diesem Jahr nicht mehr gespielt werden kann.“ Auch bezüglich einer Fortsetzung der Saison wünscht sich Eppler vom Verband eine klare Ansage. „Es wäre vor allem für uns Trainer sinnvoll, wenn ein mögliches Startdatum fallen würde. Dass das nicht zu 100 Prozent einhaltbar ist, steht außer Frage. Aber wenigstens einen Zeitraum nennen, worauf man hinarbeiten kann“, betont Eppler. „Mir ist es auch noch schleierhaft, wie wir die ganzen Spiele noch austragen sollen. Wenn es geht, sollte man dann die Saison vielleicht auch noch verlängern.“

Weber rechnet mit Start im Februar

Der gleiche Gedanke tauchte auch bei Ben Weber, Trainer des SV Bruchhausen-Vilsen II, auf. „Dann sollten wir weiter in den Sommer hineinspielen“, meint er. Er glaube nicht daran, dass im Januar aufgrund der Witterung gespielt werden kann. „In Bruchhausen-Vilsen fallen zwar meistens keine Spiele aus, weil der Platz einiges aushält. Aber nicht bei jedem Verein ist das möglich. Wir kennen es aus der Vergangenheit, dass Testspiele im Januar meistens ausgefallen sind.“ Daher rechnet er frühestens mit einem Neustart im Februar. „Und wir bräuchten dann ein wenig Vorlaufzeit. Die Fitness können die Spieler in der Pause einigermaßen aufrecht erhalten, aber das Ballgefühl nicht. Vor dem ersten Spiel müssten wir schon einige Einheiten absolvieren.“ Doch nun gelte es erst einmal abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt und wie lange der Lockdown noch anhält. „Wenn die Regierung beschließt, dass weiterhin kein Amateursport ausgeübt werden darf, brauchen wir uns sowieso keine Gedanken um ein weiteres Vorgehen zu machen“, sagt Weber.

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