Fußball

Diedrichs' Geniestreich

Kurz nach Beginn der zweiten Hälfte scheint das Duell mit dem zweiten Tor des Spitzenreiters bereits entschieden. Doch Heiligenfelde steckt nicht auf, gleicht aus - und hat auch danach noch nicht genug.
25.10.2020, 19:22
Lesedauer: 2 Min
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Von Thorin Mentrup
Diedrichs' Geniestreich

Das Küsschen des Siegtorschützen: Lars Diedrichs nach seinem Traumtor zum 3:2. Kurz darauf brachen alle Dämme.

Thorin Mentrup

Heiligenfelde. Torben Budelmann und Mustafa Cali grinsten regelrecht um die Wette: „Wir sind wieder im Rennen“, strahlten die beiden Trainer des SV Heiligenfelde. Im Rennen um die Meisterrunde nämlich – und das dank einer furiosen Aufholjagd gegen die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst. Aus einem 0:2 machten die Gastgeber einen 3:2-Erfolg. Fünf Spieltage vor dem Ende der Qualifikationsrunde fehlen nur noch vier Zähler auf Rang zwei.

Für die TSG wird die Luft an der Spitze derweil dünner nach der zweiten Niederlage in Folge. Das Polster auf Rang drei ist auf drei Zähler geschrumpft. „Wir stehen immer noch sehr gut da und werden jetzt nicht in ein Loch fallen“, ließ sich Trainer Iman Bi-Ria nicht aus der Ruhe bringen und schon gar nicht eine Mini-Krise einreden. Angefressen war er dennoch, sprach von „der bittersten und unnötigsten Niederlage, seit ich Trainer bin“. Als Coach war es zwar erst seine zweite Pleite, doch die schmerzte den 36-Jährigen, hatte er doch von seiner Elf „guten Fußball gesehen. Wir waren griffig in den Zweikämpfen und hatten alles in der Hand. Wir haben ein ganz anderes Gesicht gezeigt als gegen Stuhr.“

Die Analyse der Heiligenfelder fiel komplett anders aus. „Am Ende war es auch verdient. Wir waren schon in der ersten Halbzeit spielbestimmend“, fand Budelmann. Dennoch schien der SVH „eigentlich schon mausetot“, wie Cali feststellte. Das 0:2 durch einen Doppelpack von Howard Barbosa Ferreira, einmal nach tollem Konter und Vorlage von Marcel Dörgeloh (40.) und einmal nach einem missglückten Klärungsversuch der Gastgeber (48.), schien die Partie komplett in die Bahnen des Spitzenreiters zu lenken.

Doch Heiligenfelde kam durch Björn Isensee (61.), der ansonsten die Kreise Dörgelohs eindämmte, und Nick Plate (70.) zum Ausgleich. „Zwei Standards. Das darf uns nicht passieren“, schimpfte Bi-Ria. Danach habe seine Elf das Geschehen wieder im Griff gehabt. „Wir hatten sogar Chancen zum Sieg.“ Auf der anderen Seite hatten aber auch die Gastgeber Blut geleckt. „Nach dem 2:2 haben wir gespürt, dass wir das Ding komplett drehen werden. Die Jungs wollten es einfach und haben sich belohnt“, sagte Cali. Ähnlich fühlte Budelmann nach dem 2:2: „Es gibt diese Momente wie heute, in denen man weiß, dass man so ein Spiel noch gewinnt. Die Jungs waren einfach dran, das Spiel zu drehen.“

Beinahe wäre den Heiligenfeldern die Wende sogar bereits kurz nach dem Ausgleich gelungen, als Janek Pionteks Flanke genau auf Maximilian Wirths rechtem Fuß landete. Doch der Außenverteidiger traf nur das Außennetz (74.). Seckenhausen gewann in der Folge etwas an Sicherheit zurück, die Partie war nun höchst spannend. Bis Lars Diedrichs auf den Plan trat: Gerade erst für den verletzten Joshua Brandhoff ins Spiel gekommen, bekam er den Ball am linken Strafraumeck und zirkelte ihn mit rechts und ganz viel Gefühl ins lange Eck. Maurice Lutterklas streckte sich vergeblich (90.+1). „Für Lars hat es uns riesig gefreut“, sagte Budelmann. Dass sein 33-jähriger Flügelspieler nach dem von Piontek noch abgefälschten Zuspiel sofort abgezogen hatte, wunderte ihn selbst ein bisschen: „Normalerweise macht 'Dieds' immer noch einen Haken.“ Dieses Mal aber nicht – und es war aus Heiligenfelder Sicht genau die richtige Entscheidung.

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