Fußball

Taktische Umstellungen leitet den Umschwung ein

SV Heiligenfelde beendet die abgebrochene Bezirksliga-Saison auf Platz fünf, während Bassum auf dem sechsten Rang landet.
27.04.2021, 13:08
Lesedauer: 6 Min
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Von Sven Hermann
Taktische Umstellungen leitet den Umschwung ein

Der SV Heiligenfelde (r. Joshua Brandhoff) enttäuschte auf ganzer Linie in der abgelaufenen Saison.

Thorin Mentrup

Es waren schon unterschiedliche Voraussetzungen und Erwartungen, unter denen die Fußballer des SV Heiligenfelde und des TSV Bassum in die Bezirksliga-Saison starteten. Während der SVH als einer der Top-Favoriten auf die Teilnahme an der Meisterschaftsrunde eingestuft wurde, traute man dem TSV allenfalls die Rolle des Geheimfavoriten zu, wenn es um die Vergabe der ersten beiden Plätze ging. Neun Spieltage konnten in der Achterstaffel lediglich absolviert werden, ehe die Serie aufgrund der Corona-Pandemie Ende Oktober des vergangenen Jahres zunächst unterbrochen und Ende März endgültig abgebrochen wurde. Die Ergebnisse werden annulliert, Auf- und Absteiger wird es nicht geben. Sowohl die Heiligenfelder, die die Mini-Serie auf dem fünften Rang abschlossen, als auch die auf Rang sechs platzierten Bassumer bleiben also Bezirksligisten.

„Es war sicherlich die schlaueste Variante, die Saison abzubrechen. Eine Vernunftentscheidung, die getroffen werden musste, denn irgendwann musste der NFV (Anm. der Redaktion: Niedersächsische Fußball-Verband) entscheiden“, so der Kommentar des Heiligenfelder Coaches Torben Budelmann, der gemeinsam mit Mustafa Cali der Geschicke an der Seitenlinie beim SVH leitet. Bis Ende November wurde beim ambitionierten Bezirksligisten weiter trainiert, seitdem gar nicht mehr. Darauf haben sich das Trainerteam und der Mannschaftsrat aufgrund der ständigen Verschiebungen früh verständigt. „Für die Spieler ist es eine Leidenszeit, wenn du auf etwas hin trainierst, was gar nicht stattfindet. Ich bin froh, dass ich nur Trainer bin. Als Spieler würde ich, wenn ich an meinen früheren Ehrgeiz denke, heutzutage kaputt gehen. Doch auch als Trainer tut es weh. Wenn ich auf Trainingspläne schaue, macht mich das traurig“, beschreibt Budelmann seine Gemütslage. „Doch sobald wir ein 'Go' von behördlicher Seite erhalten und die Inzidenzzahlen runtergehen, werden wir wieder ein Training anbieten“, ergänzt der Übungsleiter kämpferisch.

Bei Saisonabbruch belegte seine Mannschaft den fünften Platz. Der Start in die neue Spielzeit ließ zu wünschen übrig, viermal gingen die Heiligenfelder in den ersten fünf Begegnungen als Verlierer vom Platz, siegten lediglich beim TSV Okel (5:0). „Den Start haben wir nicht gut gemacht. Auch ich habe die Jungs nicht gut mitgenommen“, gibt sich Budelmann eine Mitschuld am misslungen Auftakt. Vor dem fünften Spieltag nahm er Veränderungen in seiner taktischen Marschroute vor, indem er von seiner offensiven Grundidee abgewichen ist und dem Team eine defensivere Ordnung verpasst hat. „Wir ließen uns tiefer fallen, liefen fortan nicht mehr so hoch an, wurden so wesentlich kompakter in der defensiven Arbeit“, beschreibt Budelmann, dessen Elf zwar zunächst noch dem SC Twistringen mit 1:3 unterlag, dann jedoch zu Siegen gegen den TV Stuhr, erneut gegen Okel und schließlich zum Abschluss gegen die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst kam und zudem beim hoch gehandelten TuS Sudweyhe ein Remis erreichte.

„Im zweiten Teil der Serie haben wir vieles besser gemacht als im ersten. Die Nordstaffel war ohnehin sehr stark, für mich mit Sicherheit eine der stärksten der zehn Bezirksligen im Bezirk Hannover. Jeder konnte jeden schlagen. Dennoch hätten wir mehr Punkte auf dem Konto haben können“, analysiert Budelmann. Im richtungsweisenden Spiel gegen Seckenhausen wandelten die Grün-Weißen einen 0:2-Rückstand in ein 3:2 um. Erst in der Nachspielzeit gelang Lars Diedrichs dabei der Siegtreffer. „Das 3:2 war ein schönes Ende in 2020. Ich bin überzeugt, dass wir danach noch tolle Spiele gemacht hätten. Ob es allerdings noch für die Meisterrunde gereicht hätte, weiß ich nicht. Ich hoffe jedenfalls, dass wir irgendwann, wenn es wieder losgeht, daran anknüpfen können“, ergänzt Budelmann.

Wirth zieht es zum TuS Sudweyhe

Maximilian Wirth wird seinem Team dann allerdings nicht mehr zur Verfügung stehen. Der Rechtsverteidiger, der auch Mittelfeld zum Einsatz kam, schließt sich dem Ligarivalen TuS Sudweyhe an. „Maxi ist ein cooler Typ und guter Fußballer. Es ist schon ein herber Verlust, da er super flexibel und auf vielen Positionen einsetzbar ist. Er wohnt in der Nähe vom Sudweyher Platz, kann dort zu Fuß hingehen. Wir können seine Entscheidung absolut akzeptieren. Ich bin guter Hoffnung, dass ein anderer Maxis Position für sich gewinnen will und ihn auch ersetzen wird“, sagt Budelmann. „Mit dem restlichen Kader ist alles fix. In Sachen Neuzugängen haben wir keinen Druck und Handlungsbedarf. Im letzten Sommer sind schließlich acht neue Leute gekommen, die lediglich neun Spiele absolviert haben und von denen uns mit Maximilian Wirth nun ein Neuer wieder verlässt. Somit haben wir ja eigentlich immer noch sieben Neuzugänge“, fügt der Übungsleiter hinzu. Budelmann hofft inständig auf einen Start in eine neue Serie spätestens im Oktober. „Wir brauchen bestimmt sechs bis acht Wochen Vorbereitungszeit, denn nach solch einer langen Auszeit müssen sich die Gelenke gerade bei den älteren Spielern erst wieder an die Belastungen gewöhnen“, weiß der Coach.

Sein Trainerkollege Torsten Klein vom sechstplatzierten TSV Bassum wird dann ein neues Betätigungsfeld gefunden haben. Er schließt sich ab Juli dem Bezirksliga-Rivalen SV Bruchhausen-Vilsen an, dessen Coach Patrick Tolle dort aus beruflichen Gründen aufhören wird. Kleins Nachfolger in Bassum wird der ehemalige Nordwohlder Trainer Martin Werner. Bis auf Stürmer Ole Scharf, der sich dem TuS Sudweyhe anschließen wird, bleibt der Bassumer Kader aller Voraussicht nach zusammen. „Das ist ein guter Kader, der groß genug ist und sich vor keiner Mannschaft der Bezirksliga verstecken muss“, lobt der scheidende Klein, der sich vor seinem Abschied sehnlichst wünscht, eventuell in Form von Trainingseinheiten oder sogar einem Freundschaftsspiel noch mal bei den Lindenstädtern aufs Feld zurückkehren zu können. „Ich bin froh, dass der NFV jetzt auf Abbruch entschieden hat. Die Saison mit Gewalt durchzudrücken, wäre nicht in Ordnung gewesen. Daher ist es die vollkommen richtige Entscheidung, zumal jetzt alle Vereine Planungssicherheit haben. Für mich persönlich ist das natürlich ein bitteres Ende. Ich hatte eine sehr schöne Zeit in Bassum, die ich gerne auf sportliche Weise zu Ende gebracht hätte. Ich nehme es jetzt so, wie es ist. Es geht ja vielen anderen auch so und einen Abschied können wir sicherlich noch in irgendwann und in irgendeiner Form nachholen“, resümiert Klein, der in dem kurzen, nur neun Spieltage andauernden Saisonverlauf, die fehlende Konstanz seines Teams bemängelte.

„Wir sind einmal mehr nur schleppend in die Saison gekommen“, so der in Wietzen heimische Coach. Einem 0:0 zum Saisonauftakt daheim gegen den TV Stuhr folgte eine 1:3-Heimniederlage gegen den SC Twistringen. „Die erste Niederlage gegen diesen Gegner seit geraumer Zeit“, bemängelte Klein, für den dann das Highlight der Serie erfolgte, bei dem seine Elf nach einem Rückstand mit 4:1 beim ambitionierten SV Heiligenfelde triumphierte. Mit einem souveränen 3:0-Heimerfolg gegen Okel legten die Bassumer nach. Es folgte die größte Enttäuschung aus Sicht von Klein.

Mit Corona infiziert

Aufgrund von Corona-Verdachtsfällen beim Gegner TSG Seckenhausen-Fahrenhorst traten die Lindenstädter dort nicht zur Auswärtspartie an, die schließlich mit 5:0 für die Gastgeber gewertet wurde. „Dieser Spieltag hatte einen bitteren Beigeschmack. Die Gesundheit sollte auf unserem Niveau an erster Stelle stehen. Leider stimmte der Gegner einer Verlegung nicht zu und vom Verband erhielten wir zudem noch eine Geldstrafe. Das war schon sehr merkwürdig, zumal in anderen Fällen eine Verlegung kein Problem darstellte“, so die Kritik Kleins, der sich kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres selbst mit Corona infizierte und auch heute noch mit einigen Spätfolgen zu kämpfen hat. „Durch einen Erfolg hätten wir noch mal zur TSG aufschließen können. Nach der 0:5-Wertung war die Saison für uns quasi gelaufen. Die Plätze zur Meisterschafts- und Aufstiegsrunde waren in weite Ferne gerutscht“, beschreibt Klein den negativen Höhepunkt.

Zwar erreichten die Lindenstädter danach ein beachtliches 1:1 beim TuS Sudweyhe, bei dem die Elf eine Top-Leistung zeigte und nach Ansicht Kleins das klar bessere Team war und siegten zudem im Rückspiel beim formstarken SC Twistringen (2:1). Doch die Spiele gegen Vilsen (2:4) und in Stuhr (0:5) gingen klar verloren. „Das 0:5 in Stuhr war ein gebrauchter Tag. Morgens ereilten uns noch Absagen wichtiger Leistungsträger, darüber hinaus leisteten wir uns viele individuelle Fehler. Die Stuhrer bewiesen zudem, dass sie besser waren, als es deren bisheriger Saisonverlauf gezeigt hatte. Uns hat in dieser Serie die Konstanz gefehlt. Ich würde uns als Wundertüte bezeichnen“, analysiert Klein, dem ein Akteur besondere Freude bereitete. Torhüter Leonard Schäfer empfahl sich, als Stammkeeper Dominik Overmeyer aufgrund seiner Verletzung und zeitlichen Einschränkungen nicht zur Verfügung stand. „Leonard stand jahrelang im zweiten Glied. Wenn man ihn brauchte, war er immer da. Dieses Mal war er auf den Punkt da, war sehr fleißig beim Training und hat seine Chance genutzt“, lobt Klein.

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