Fußball

Gedämpfte Gefühle

Vieles deutet darauf hin, dass der TSV Thedinghausen in die Bezirksliga aufsteigen darf. Nach der NFV-Entscheidung, wie die Saison gewertet werden soll, sind an der Eyter aber keine Jubelstürme ausgebrochen.
22.05.2020, 16:15
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Gedämpfte Gefühle
Von Florian Cordes
Gedämpfte Gefühle

Vieles deutet darauf hin, dass Merlin Sassenburg (links) der TSV Thedinghausen die Möglichkeit erhalten, in der neuen Saison in der Bezirksliga anzutreten.

Björn Hake

Landkreis Verden. Im Juni 2017 verfolgten viele Menschen in Thedinghausen die Relegation zur Fußball-Bezirksliga mit großer Aufmerksamkeit. Denn der TSV Thedinghausen trat in jener Relegation an und spielte um ein Ticket für die nächsthöhere Liga. Der Traum vom Aufstieg sollte aber platzen: Nachdem der TSV die TSG Wörpedorf im Halbfinale deutlich mit 4:1 besiegt hatte, unterlag der Klub von der linken Weserseite dem TuS Bothel im Endspiel mit 0:3. Bothel hielt sich über den Umweg in der Bezirksliga, Thedinghausen blieb in der Kreisliga. Nun deutet aber sehr viel daraufhin, dass sich der Bezirksliga-Traum drei Jahre später für den TSV Thedinghausen erfüllt.

Denn der Niedersächsische Fußballverband (NFV) hat sich am Mittwoch festgelegt (wir berichteten): Er will beim außerordentlichen Verbandstag am 27. Juni darüber abstimmen lassen, dass die Saison 2019/2020 aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochen wird. Zudem soll die Spielzeit gewertet werden – und zwar anhand der Quotientenregel. Es soll Aufsteiger, jedoch keine Absteiger geben. Darüber hinaus dürften auch die Teams in die nächsthöhere Liga gehen, die auf einem Relegationsplatz stehen. Und das trifft auf den TSV Thedinghausen zu, der in der Kreisliga Verden hinter dem unangefochtenen Spitzenreiter TSV Fischerhude-Quelkhorn den zweiten Rang einnimmt.

Die großen Jubelstürme gab es an der Eyter allerdings nicht: TSV-Trainer Jens Stührmann nahm den Entschluss des NFV, lediglich über die Variante abstimmen zu lassen, die seinem Verein den Aufstieg bringen könnte, ziemlich nüchtern auf. „Ich warte lieber noch ab. Derzeit weiß ich noch nicht, wie ich damit umgehen soll“, sagt Stührmann. Freude hört sich definitiv anders an. Der Coach des TSV hält sich aus zwei Gründen zurück: Zum einen will er die Entscheidung, die auf dem außerordentlichen Verbandstag getroffen werden muss, noch abwarten. Andererseits sind Stührmanns Gefühle gedämpft, weil derzeit noch gar nicht absehbar ist, wann der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann. „Warum soll ich mich jetzt über etwas freuen, von dem ich noch gar nicht weiß, wann es passiert?“, fragt sich der Trainer.

Trainer sieht Ligagröße kritisch

Erhält seine Mannschaft jedoch die Möglichkeit, künftig in der Bezirksliga anzutreten, müssten im Verein Gespräche geführt werden. „Natürlich müssten wir uns dann erst mit dem Vorstand, den Trainern und der Mannschaft zusammensetzen. Das ist der normale Gang“, schildert Stührmann. Kritisch sieht der Coach zudem die Größe, die die Bezirksliga Lüneburg 3 in der neuen Saison hätte, wenn es keine Absteiger gibt, dafür aber insgesamt sechs Teams aus den Kreisligen Verden, Osterholz und Rotenburg nach oben dürften. Die Klasse bestünde aus 21 Mannschaften. „Man muss sich im Klaren darüber sein, dass das Folgen hat. Es könnte durchaus sein, dass man unter der Woche weiter fahren muss. Bei 40 Saisonspielen muss man eigentlich nicht mehr trainieren“, sagt Stührmann. Sein Kader sei jedoch groß genug für solch eine Mammutliga, die durchaus auch in einem anderen Modus gespielt werden könnte, als in dem klassischen mit Hin- und Rückspielen. NFV-Präsident Günter Distelrath erklärte bereits, dass es hinsichtlich der Saisonplanung keine Denkverbote geben dürfe.

Ganz anders sieht die Gemütslage in der Nachbarschaft des TSV Thedinghausen aus. Frank Lindenberg, Fußball-Chef beim MTV Riede, war die Freude am Freitagvormittag deutlich anzuhören. Er gehe fest davon aus, dass die Teilnehmer des Verbandstages den NFV-Vorschlag nun auch durchwinken. Wobei die Vereine in Niedersachsen im Rahmen der Antragsfrist noch Anträge für eine andere Lösung stellen dürfen. Lindenberg rechnet damit aber nicht: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nun noch anders kommt.“ Wird für die Variante ohne Absteiger am 27. Juni votiert – wovon auszugehen ist –, bliebe der MTV Riede der Bezirksliga erhalten, in der er zum Zeitpunkt der Unterbrechung des Spielbetriebs den letzten Platz belegte. Ebenso wäre Rot-Weiß Achim gerettet. Unabhängig davon, dass sein Verein ein großer Nutznießer wäre, begrüßt Lindenberg den Entschluss der NFV-Oberen. „Ich halte die Lösung, die jetzt zur Abstimmung kommt, für die fairste“, beurteilt er die Lage. „Zudem finde ich es gut, wenn auch die Kreisliga-Zweiten aufsteigen. Die Derbys gegen Thedinghausen wären natürlich absolute Highlights.“

Dass die Liga eine stattliche Größe hätte, sieht Lindenberg nicht ganz so kritisch. „Die Liga wird natürlich riesig und man weiß noch nicht, wann wir beginnen können. Aber notfalls spielt man nur eine einfache Runde. Dann hätten wir immer noch 20 Spiele“, sagt der MTV-Spartenleiter. „Außerdem wird vom NFV ja auch schon in Aussicht gestellt, die Saison im kommenden Jahr bis zum Beginn der Sommerferien zu verlängern. Wir befinden uns jedoch weiterhin in einer Situation, die uns noch sehr lange begleiten wird.“

Während Riede und Thedinghausen auf Derbys in der Bezirksliga hoffen dürfen, verlässt der TSV Etelsen – vorbehaltlich der Verbandstag stimmt dem NFV-Entschluss zu – die Klasse. Für die Schlossparkkicker ginge es zurück in die Landesliga. Zweifel am Aufstieg hat Andre Koopmann, Sportlicher Leiter des TSV, keine mehr. „Wir planen jetzt für die Landesliga. Wir sind natürlich zufrieden, da unser Ziel der Aufstieg war. Allerdings gibt es immer noch so viele Fragezeichen.“ Daher hätten es die Etelser auch begrüßt, dass die Saison 2019/2020 fortgesetzt und alle Entscheidungen sportlich ausgetragen worden wären. So hatte es der NFV ursprünglich vorgeschlagen. Diese Idee wurde von den Vereinen aber mehrheitlich abgelehnt. „Wir leben in einer Demokratie. Daher ist es in Ordnung, dass jetzt anders entschieden werden soll“, meint Koopmann. „Ich sehe aber Probleme auf uns zukommen. Die Ligen werden nun aufgebläht. Dadurch stehen wohl viele Spiele unter der Woche an und zudem weiß niemand, wann wir loslegen können.“

Aufgestockte Oberliga

Mit künftig mehr Saisonspielen müssen auch die Vereine aus dem niedersächsischen Oberhaus rechnen – und somit auch der TB Uphusen. Die Arenkampkicker würden einmal mehr den Klassenerhalt in der Oberliga Niedersachsen innehaben. Die fünfte Liga besteht in diesem Jahr aus 18 Teams, in der neuen Saison müsste sie wohl 20 Mannschaften aufnehmen. Der Grund: Der VfV Borussia Hildesheim und der SV Atlas Delmenhorst dürfen mehr denn je auf den Regionalliga-Aufstieg hoffen, aus den Landesligen kämen vier Teams in die Oberliga. „20 Mannschaften sind natürlich ein ziemliches Brett. Wir hätten die Saison auch gerne sportlich zu Ende gespielt. Ich finde es aber gut, dass sich der NFV nun zu einer Entscheidung durchgerungen hat. Wobei ja das große Rätselraten bleibt, wann wieder gespielt werden kann“, meint Uphusens Sportlicher Leiter Florian Warmer.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+