Fußball

„Es ist der Situation angemessen“

Erich Meenken, Vorsitzender des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst, spricht im Interview über die coronabedingten Spielabsagen und den weiteren Saisonverlauf.
14.10.2020, 18:51
Lesedauer: 4 Min
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„Es ist der Situation angemessen“
Von Justus Seebade
„Es ist der Situation angemessen“

In der Fußball-Kreisliga – hier eine Szene aus dem Duell zwischen dem TV Falkenburg (weiß) und Rot-Weiß Hürriyet – rollt auch am kommenden Wochenende kein Ball.

INGO MÖLLERS
Die Corona-Infektionszahlen in Delmenhorst und umzu steigen aktuell stark an. Wie besorgt sind Sie persönlich angesichts dieser Situation?

Erich Meenken: Man muss natürlich schon den Gegebenheiten Rechnung tragen und die nötigen Maßnahmen walten lassen. Was für mich zumindest schon seit Wochen den Alltag prägt, ist, die sogenannten AHA-Regeln zu beachten. Letztendlich muss man überdenken, ob wirklich alles weiter seinen geregelten Gang gehen kann und soll oder ob eventuell Verzichtbares tatsächlich verzichtbar gemacht wird. So haben wir es für das zurückliegende Wochenende und auch aktuell bei der Bewertung der Spielansetzungen und des Spielbetriebes gemacht.

Sie sprechen es an: Der Fußballkreis Oldenburg-Land/Delmenhorst hatte bereits alle für das vergangene Wochenende geplanten Partien abgesagt und gab nun bekannt, für das kommende Wochenende genauso zu verfahren.

Was die momentane Phase angeht, kann man vielleicht ein bisschen von Glück im Unglück sprechen, weil die Witterungsverhältnisse ja nun auch nicht so berauschend sind. Auf der einen oder anderen Sportanlage wäre am zurückliegenden Wochenende sicherlich das eine oder andere Spiel den Witterungsverhältnissen zum Opfer gefallen. Somit haben wir den Vereinen insofern einen Dienst getan, dass wir ihnen die Absage erspart haben. Zum anderen ist es zumindest aus unserer Sicht der Situation angemessen. Es ist eine Vorsichtsmaßnahme zum Schutz der Fußballspielerinnen und Fußballspieler. Im Jugendspielbetrieb ist die Anzahl der Spiele bedingt durch die Ferien zudem so weit reduziert oder eigentlich gar nicht gegeben, dass das jetzt nicht ganz so wehtut, in den 14 Tagen kein Spiel auszutragen.

Zusätzlich zur Corona-Pandemie kommt nun die Jahreszeit, in der Fußballpartien normalerweise regelmäßig aufgrund des schlechten Wetters ausfallen. Das macht die Situation nicht gerade einfacher.

Das ist klar. Aber es ist ein Szenario, das uns im Vorfeld beim Einstieg in die Planung für diese Saison zumindest gedanklich begleitet hat. Wir haben, wo es ging, die Spielpläne nicht so eng getaktet und Freiräume gelassen. Wir haben Klassen in Staffeln unterteilt, wie in der Kreisliga, und haben dadurch einen gewissen Puffer mit einkalkuliert, der sicherlich jetzt zum Tragen kommt, weil die Situation da ist. Und wer weiß, wie lange sie uns noch begleitet.

Die defensive Variante mit der Teilung der Kreisliga scheint sich in der Tat bereits jetzt bezahlt zu machen.

Es ist klar, dass die Vereine natürlich schon in gewisser Weise das Problem haben, dass sie aus dem Rhythmus kommen und die Kontinuität fehlt, ob jetzt im Training oder im Spielbetrieb. Das ist natürlich nicht förderlich, das wissen wir. Aber die meisten Aktiven sind froh, wenn sie, auch wenn es nur im 14-tägigen Rhythmus ist, auf den Rasen dürfen.

Die Hauptsache ist ja, dass der Betrieb nicht schon wieder komplett zum Erliegen kommt.

Das ist ja der Versuch der gesamtgesellschaftlichen Bewertung, es nicht noch mal zu einem Lockdown kommen zu lassen, dass nicht wieder alles brachliegt und dann möglicherweise unabsehbar lange. Dann geht man lieber den Weg des geringeren Widerstandes: dass man mal eine Zeit lang aussetzt, wie wir es jetzt machen, und der Situation angemessen reagiert, um dann auch wieder einen Spielbetrieb zuzulassen.

Ein kurzer Blick in die Glaskugel: Glauben Sie, dass die Saison regulär zu Ende gespielt werden kann?

Wir haben ja zumindest in den meisten Staffeln diesen zeitlichen Puffer, um bis in den März hinein die Vorrunde abzuschließen. Ich hoffe natürlich, dass sich eine ähnliche Entwicklung wie dieses Jahr zeigt und bei besser werdenden Witterungsverhältnissen das Virus zurückgedrängt werden kann. Vielleicht ist die Medizin ja auch schneller, als es momentan aussieht, und ein Impfstoff ist im ersten oder zweiten Quartal verfügbar. Es mag ja sein, dass das dazu beiträgt, dass wir es mit viel Mühe und Not schaffen, die Saison zu Ende zu bringen. Wobei wir natürlich, wo es geht, die nötige Flexibilität einbringen, um gegebenenfalls noch mal in eine Ausschreibung einzugreifen, um etwa die Rückrunde in den Kreisklassen in anderer Form zu gestalten. Wir wollen eine sportliche Lösung finden, die allen und der Situation gerecht wird.

Es gilt, im Zweifelsfall eben wieder zu improvisieren.

Es wird einem dann wahrscheinlich auch gar nichts anderes übrig bleiben, als der Situation angemessen zu reagieren und Flexibilität zu zeigen, um den Vereinen einen Spielbetrieb zu ermöglichen. Aber man muss eben auch sehen, was zeitlich möglich ist. Die Saison muss bis zum 30. Juni abgeschlossen sein, weil dann auch Auf- und Absteiger feststehen müssen. Insofern werden wir das Nötigste tun, um flexibel zu sein und zu bleiben und zumindest zu versuchen, eine sportliche Lösung zu finden, was den Abschluss der Saison angeht.

Das Interview führte Justus Seebade.

Info

Zur Sache

Generalabsage fürs Wochenende

Aufgrund der ansteigenden Corona-Zahlen in der Region hat der Fußballkreis Oldenburg-Land/Delmenhorst entschieden, auch für das kommende Wochenende alle Pflicht- und Freundschaftsspiele im Senioren- und Jugendbereich abzusagen, an denen Mannschaften aus dem Kreisgebiet beteiligt wären. Dies geschehe auch auf Wunsch der Vereine, teilte der Spielausschuss-Vorsitzende Thomas Luthardt mit. Ausgenommen von der Regelung ist die Regionalliga. Das erste Frauenteam des TV Jahn Delmenhorst ist demnach nicht betroffen. Training ist in Eigenverantwortung der Vereine weiterhin erlaubt. „Wir hoffen, dass sich die momentane Lage in den nächsten Tagen wieder verbessert und normalisiert, damit an den nächsten Wochenenden wieder Fußball gespielt werden kann“, erklärte Luthardt.

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