Fußball Mike Gabel strahlt: Marvin Osei wird Brinkumer

Nach der Vertragsauflösung beim SV Atlas Delmenhorst konnte sich Marvin Osei vor Angeboten kaum retten. Entschieden hat er sich für den Brinkumer SV. So erfüllt sich eine Prophezeiung von Mike Gabel.
20.01.2021, 15:28
Lesedauer: 4 Min
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Von Thorin Mentrup und Michael Kerzel

Brinkum/Delmenhorst. Ihre gemeinsame Zeit beim TB Uphusen war kurz. „Vielleicht zwei Wochen“, erinnert sich Mike Gabel. Dennoch hat sich Marvin Osei nachhaltig in das Gedächtnis des 39-Jährigen gespielt, der damals gerade als Co-Trainer beim TBU eingestiegen war. Ein Erlebnis hat sich sowohl bei dem Coach als auch bei dem Angreifer festgebrannt: „Wir haben ein Hallenturnier in Delmenhorst gespielt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir nebeneinander saßen und ein bisschen gequatscht haben. Ich habe ihm gesagt: Es ist schade, dass du gehst. Aber ich habe ihm auch mit auf den Weg gegeben, dass wir beide irgendwann noch einmal zusammenarbeiten werden“, erzählt Gabel. Einige Jahre später haben sich seine Worte bewahrheitet. Denn Osei, der vor Kurzem seinen Vertrag beim Regionalligsten SV Atlas Delmenhorst aufgelöst hat, läuft ab sofort für den Brinkumer SV auf. Den Klub also, den Gabel trainiert und den er nun gemeinsam mit dem Angreifer zur Meisterschaft in der Bremen-Liga führen will.

Mit Oseis Zusage finden zwei Fußballbegeisterte zusammen, die sich sehr schätzen. „Marvin ist ein absoluter Topspieler, der wirklich in jedem Training und in jedem Spiel sein Herzblut für die Mannschaft lässt. Er arbeitet und zerreißt sich für das Team. Von der Mentalität her passt er zu einhundert Prozent in die Mannschaft.“ Und auch menschlich sollte es keinerlei Probleme geben: „Marvin war nicht umsonst Publikumsliebling in Delmenhorst. Er hat einen super Charakter, kann eine echte Spaßkanone sein.“

Flexibel und erfahren

Bleibt die sportliche Komponente. Für Gabel besteht kein Zweifel, dass Osei eine Bereicherung sein wird. In der Offensive hatte der Klub ohnehin Bedarf, nachdem Herman Mulweme nicht mehr zum Kader zählt. Diese Lücke im Sturmzentrum könne der Neuzugang füllen, er könne aber auch auf anderen Positionen ein wichtiger Faktor werden, glaubt der Coach. „Marvin ist unglaublich flexibel. Er kann vorne alle Positionen spielen. Ich kann mir ihn auch im Zentrum sehr, sehr gut vorstellen.“ Osei sei zwar nicht der Größte, „aber er hat trotzdem ein überragendes Kopfballspiel, weil er ein sehr gutes Timing hat“, schwärmt Gabel. Über Oseis Qualitäten mit dem Ball am Fuß gebe es ohnehin keine Zweifel. Dazu kommt die Erfahrung, die der Offensivmann nicht nur in der Regionalliga und im NFV-Pokal gesammelt hat, sondern unter anderem auch in der Oberliga. „Das wird uns helfen“, ist Gabel überzeugt. Das Tempo des ehemaligen Atlasspielers sei eine weitere Waffe. „Das ist für unser laufintensives Spiel sehr wichtig. Die Art und Weise, wie wir spielen, passt perfekt zu Marvin.“ Das sieht der Neuzugang genauso. „Das Offensivspiel unter Mike ist mit viel Freiheit verbunden. Das macht das Team variabel und ist eine Stärke. Ob ich außen oder zentral spiele, wird man sehen. Mal schauen, was am besten für die Mannschaft ist“, gefällt ihm Gabels Philosophie.

Seinen neuen Klub konnte sich Osei aussuchen. Viele Teams wollten ihn. „Ich habe mit einigen Vereinen gesprochen und habe ganz offen gesagt, dass ich keinen Druck von außen und mich in Ruhe entscheiden möchte. Daran haben sich alle Vereine auch gehalten. Ich habe täglich mit meinem Freund und Berater Dorian Willms und auch mit Bastian Fuhrken gesprochen. Basti hat mir als Freund geholfen, den richtigen Verein zu finden. Edgar Kary vom FC Oberneuland hat mir einen guten Tipp gegeben: Schreibe dir deine drei wichtigsten Punkte auf. Und wenn da ein Punkt nicht passt, ist es nicht dein Verein. Was genau ich auf der Liste haben, behalte ich aber für mich.“ Das Brinkumer Engagement, unter anderem hat sich auch sein ehemaliger Mitspieler Ali Hazimeh bei ihm gemeldet, trug letztlich Früchte: „Mike und der Verein Brinkum haben sich jetzt viel Mühe gegeben, um mich zu überzeugen. Brinkum passt gut zu mir: Es kommt zeitlich hin, es haut menschlich hin und der Verein hat Ziele. Mike nimmt mich so, wie ich bin – egal, was andere über mich reden.“

Titel sind der gemeinsame Ansporn

Unbekannt ist die Brinkumer Mannschaft Osei nicht. Er kennt nicht nur Hazimeh. „Mit insgesamt sechs oder sieben Mann aus der Truppe hatte ich schon Kontakt als Mit- oder auch Gegenspieler“, sagt er. Mit Julius Rahmig etwa spielte er in Oldenburg zusammen, unter anderem sind ihm auch Mert Bicakci, der ebenfalls in Delmenhorst wohnt, und Kevin Artmann bekannt. Er dürfte keine Probleme bekommen, sich am Brunnenweg einzuleben.

Das liegt auch daran, dass die Ziele sich gleichen: Titel sind der gemeinsame, der große Ansporn. „Natürlich wollen wir das jetzt gemeinsam packen. Marvin hat schon einiges gewonnen. Er bringt eine Siegermentalität mit“, glaubt Gabel, dass der Ex-Delmenhorster ein wichtiges Puzzleteil sein kann, um die hohen Ziele in Meisterschaft und Pokal zu erreichen. Auch Osei selbst hat hohe Ansprüche an sich und sein Team: „Ich habe schon Mal im DFB-Pokal gespielt, es wäre toll, würde das nochmal klappen. Mit meinen letzten Vereinen bin ich jeweils aufgestiegen, das ist auch das Ziel mit Brinkum. Es gibt im Verein aber nicht den riesigen Druck, dass man aufsteigen muss.“ Ob es zeitlich für ihn mit Brinkum in der Regionalliga passen würde, wisse er noch nicht. Klar sei: „Irgendwann will ich auch nochmal in Delmenhorst spielen, aber jetzt konzentriere ich mich auf Brinkum.“

Für seinen Neustart macht er sich nun fit. „Mike appelliert an alle Spieler, dass man privat was machen muss, um sich fitzuhalten. Ich weiß, dass ich selber eine Schippe drauflegen muss. Brinkum steht an der Spitze der Bremen-Liga. Wenn man da bleiben will, muss man viel machen“, sagt Osei. Seine Hilfe hat auch der Coach in Aussicht gestellt. „Wenn es wieder erlaubt ist, hat mir Mike Einzeltraining angeboten.“ Auch so drückt sich Wertschätzung aus.

Eine besondere Idee hat sich Gabel bereits für die Atlas-Fans einfallen lassen, um sie auf die Brinkumer Anlage und damit auch zu Osei zu locken. Reisen sie mit Fanutensilien ihres SVA an, sollen bei einem Brinkumer Heimspiel freien Eintritt erhalten. So können sie den 30-Jährigen noch einmal gebührend verabschieden.

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