Fußball-Regionalliga Fußball auf dem Flickenteppich

Die Verordnungslage in den Fußball-Regionalligen ist von Region zu Region verschieden: Während für den FC Oberneuland nichts geht, darf Werders U 23 trainieren – und im Westen darf sogar gespielt werden.
08.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye

Bremen. Nun läuft wieder alles mit dieser App – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn seitdem der Sportbetrieb in Bremen zum Wochenbeginn eingestellt wurde, halten sich die Regionalliga-Fußballer des FC Oberneuland individuell mittels einer Lauf-App fit. Mehr geht im Moment nicht. „Aber mit Fußball hat das nichts zu tun“, sagt ihr Trainer Kristian Arambasic. Intensives Laufen zählt ohnehin nicht zu den Kernkompetenzen der meisten Fußballer, und wenn der Ball dann noch fehlt, haben sie erst recht keine Lust.

„Es ist eine schwierige Situation“, so Arambasic. Er findet ja schon, dass sein Sport angesichts der steigenden Infektionszahlen eine untergeordnete Rolle spielen sollte: „Der Fußball ist in dieser Konstellation sicher nicht das Wichtigste.“ Andererseits ist die Lust am Rasensport doch vorhanden, bei den Spielern und auch beim Verantwortlichen. „Als Trainer wünsche ich mir, dass wir trainieren und spielen“, sagt Kristian Arambasic.

Es würde ihm sicher auch leichter fallen, die zunächst bis Ende dieses Monats datierte Auszeit zu akzeptieren, gäbe es da nicht diese Ausnahmen. Etwa die U 23 des SV Werder, die wie der FC Oberneuland in der Regionalliga Nord beheimatet ist. Werder trainiert ganz normal weiter – mit einer Ausnahmegenehmigung, weil die U 23 vom Bremer Gesundheitsamt als Profiteam eingestuft wurde. Sollte der Spielbetrieb im Dezember tatsächlich fortgesetzt werden, dann sind die Werderaner also gut vorbereitet. Ebenso wie der VfL Wolfsburg II, der auch trainieren darf. „Wir haben nicht die gleichen Voraussetzungen“, sagt Arambasic, der in ersten Spiel am 9. Dezember auf die Grün-Weißen treffen würde. Er findet allerdings, dass das Gesundheitsamt die Ausnahme-Genehmigung zurecht erteilt habe: „Sie haben ja mit der sportlichen Seite nichts zu tun, sondern prüfen nach der Verfügungslage.“

Mit der sportlichen Seite zu tun hat dagegen der Norddeutsche Fußball-Verband. Die Erlaubnis zum Training kann er den Vereinen allerdings nicht erteilen. Die Möglichkeiten des NFV beschränken sich auf den Versuch einer Einflussnahme. Man werde prüfen, „ob in den einzelnen Landesverbänden zumindest der Trainingsbetrieb ermöglicht werden könnte“, hatte NFV-Präsident Günter Distelrath vor einigen Tagen versprochen – allerdings nicht ohne den Hinweis auf die „Verordnungslage in den einzelnen Bundesländern“. Will man in der Gesamtheit trainieren, gilt es die Behörden in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen zu überzeugen. Das könnte problematisch werden.

„Aber der Flickenteppich trägt uns ja durch die ganze Pandemie-Situation“, sagt Uwe Piehl, Vizepräsident des FC Oberneuland. Er bezieht sich damit auch auf die Regionalliga West. Dort wird nämlich gespielt, nachdem das Land Nordrhein-Westfalen die gesamte Spielklasse als Profi-Liga eingestuft hatte – und ganz nebenbei eine Hilfe von 15 Millionen Euro für die beteiligten Vereine versprach. Der Blick in die anderen vierten Ligen verstärkt den Eindruck eines nicht einheitlichen Bildes: Im Südwesten soll die Regionalliga am 1. Dezember wieder den Spielbetrieb aufnehmen, sofern die vier beteiligten Bundesländer (Baden-Württemberg, Hessen, Saarland und Rheinland-Pfalz) ab dem 17. November ein Mannschaftstraining erlauben. In Bayern sprach sich dagegen eine Mehrheit der Vereine für eine Unterbrechung bis zum Jahresende aus, und in der Regionalliga Nordost votiert man für eine „zeitnahe Aufnahme des Trainings- und Spielbetriebes“.

Im Vergleich zu den anderen Ligen hat man im Norden aber ein Problem weniger: Angesichts der Einteilung der 22 Mannschaften in zwei Staffel gibt es deutlich weniger Zeitdruck. Es besteht nämlich die Möglichkeit, die nun unterbrochene Qualifikation als einfache Runde zu spielen. Dafür müssten im Dezember nur noch wenige Nachhol-Partien absolviert werden – und dann hätte man viel Luft für die kommenden Monate und den Start von Meister- und Abstiegsrunde. „Dafür hätte ich absolut Verständnis, wir wissen ja alle nicht, was noch passiert“, sagt Kristian Arambasic. Ihm geht es gleichwohl um die „Fairness“ und die gemeinsamen Voraussetzungen. Und weil sie beim FCO eben nicht wissen, ob der NFV auf offene Ohren bei den Behörden stoßen wird und schon bald wieder trainiert werden darf, haben die Verantwortlichen einen Plan entworfen.

„Unsere Idee ist, mit Zweierteams auf den verschiedenen Plätzen unserer Anlage zu trainieren“, erklärt der FCO-Coach. Dann würde jeweils ein Mitglied des Trainerteams mit einem Spieler arbeiten. In mehreren Schichten, aber ohne Kabinennutzung. „Wir prüfen, ob das verordnungskonform ist“, sagt Uwe Piehl. Er sieht gute Chancen für das Modell – wo doch gleich nebenan beim Golfclub Oberneuland auch in Zweiergruppen gespielt werden darf. Der Vizepräsident betont allerdings, dass der FCO dieses Modell nicht für sich allein beanspruchen würde: „Das sollte dann für alle Vereine gelten.“

Vielleicht bekommen sie das hin. Vielleicht hat aber auch der NFV Erfolg mit seinem Vorstoß bei den Behörden der Bundesländer. Dann bliebe für Piehl immer noch die Frage, in wie weit sich der Spielbetrieb im Dezember überhaupt vermitteln ließe: „Da muss man sich sportpolitisch Gedanken machen, ob es sinnvoll ist.“ Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs dürfte insofern auch von der Entwicklung der Corona-Zahlen abhängig sein – und natürlich von der behördlichen Verfügungslage. „Wir reden gerade über ungelegte Eier, denn vielleicht dürfen wir im Dezember auch nicht spielen“, sagt Kristian Arambasic.

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