Fußball

Aufsteiger überragen in der Bezirksliga

Die beiden Liga-Neulinge TSG Seckenhausen-Fahrenhorst und SV Bruchhausen-Vilsen überraschten in der abgebrochenen Saison 2020/21 die Konkurrenz.
29.04.2021, 15:30
Lesedauer: 4 Min
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Von Lars Lucke
Aufsteiger überragen in der Bezirksliga

Die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst durfte in der annullierten Spielzeit 2020/21 oftmals jubeln.

Thorin Mentrup

Seckenhausen/Bruchhausen-Vilsen. Die Plätze eins und zwei einer Abschlusstabelle sind der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst und dem SV Bruchhausen-Vilsen nicht fremd. Doch dass die beiden Aufsteiger aus der Fußball-Kreisliga Diepholz in exakt gleicher Reihenfolge das Tableau der Bezirksliga Hannover beim coronabedingten Abbruch nach neun Spieltagen schmücken, ist zumindest für Außenstehende überraschend. Inzwischen hat der niedersächsische Fußballverband zwar die Annullierung der kompletten Spielzeit beschlossen, „die Leistung der Jungs“, betont Vilsens zum 30. Juni ausscheidender Trainer Patrick Tolle, „schmälert das aber in keiner Weise.“ Ähnlich sieht es auch TSG-Trainer Iman Bi-Ria, der das Team zu Saisonbeginn übernommen hat: „Wir wussten zwar um unsere Stärke, aber dass wir souverän ganz vorne stehen, ist schon überraschend und macht uns natürlich stolz.“

Kontaktos in Zweiergruppen

Klar, man hätte sich als Tabellenerster durchaus ein Einfrieren und eine spätere Fortsetzung der Saison vorstellen können, „aber wir kennen ja alle die Umstände“, erklärt Iman Bi-Ria, „und wer weiß, wann wir denn wirklich wieder wettkampfmäßig Fußball spielen können.“ Immerhin darf er mit seinem Trainer-Team um Co-Trainer Serkan Savran und Torwarttrainer Marco Schwanz nach Monaten des Online-Trainings mit Laufplänen und ähnlichem wieder Spieler in Kleinstgruppen trainieren. „Kontaktloses Training in Zweiergruppen mit maximal fünf Personen, wobei das Spielfeld in fünf Sektoren aufgeteilt wird“, beschreibt der Trainer die immens aufwendige Rückkehr auf den Rasen. „Übungseinheiten für verschiedene Gruppen zu verschiedenen Uhrzeiten ohne Berührungspunkte oder gar Zweikämpfe, da muss man sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen.“

Trotzdem ist die Gefahr groß, Spieler zu verlieren, die sich in der trainingsfreien Zeit schlicht umorientieren und ein Leben ohne Ball als echte Alternative wahrnehmen. Nicht zuletzt deswegen hielt das Trainerteam durchweg Kontakt zur Mannschaft, die zu diesem Zeitpunkt kaum Abgänge, dafür aber hochkarätige Neuzugänge vermelden kann. Vom Kreisliga-Spitzenteam TSV Weyhe-Lahausen kommen im Sommer Torjäger Christian Wiesner und Dominik Lindenborn, vom Liga-Konkurrenten TuS Sudweyhe stößt mit Timon Wolff ein technisch versierter Mittelfeldspieler dazu. Bi-Ria hält sogar weitere Verstärkungen für möglich: „Wir haben hier etwas aufgebaut, spielen guten Fußball, die Entwicklung des ganzen Vereins geht in die richtige Richtung, das ist in der Region durchaus bemerkt worden.“

Auf Chancen in der Startelf musste Benjamin Pinzer (weißes Trikot, hier gegen Twistringens Lüder Uhlhorn) eine Zeit lang warten. Über gute Trainingsleistungen empfahl er sich.

Benjamin Pinzer (hinten) spielte eine überragende Saison mit Bruchhausen-Vilsen.

Foto: Thorin Mentrup

Das Bezirksligateam der TSG darf dabei als Paradebeispiel gelten, spielte es doch nach dem Wiederaufstieg von Beginn an eine bärenstarke Saison, schlug gleich in der ersten Partie den ambitionierten SV Heiligenfelde mit 4:0 und demonstrierte dabei auch taktische Raffinesse. Um die Defensive zu stabilisieren, hatte der Trainer den Kapitän und offensiv ausgerichteten Sechser Philip Kleingärtner zum Innenverteidiger umgeschult, Stürmer Nico Kiesewetter dafür auf die Sechs zurückgezogen. Ausgangspunkt der neuen Stabilitätsachse war Torwart Maurice Lutterklas, der seinen Kasten in fünf von neun Spielen sauber hielt, während in der Spitze Sidarta Barbosa Ferreira und Marcel Dörgeloh für reichlich Torgefahr sorgten. Wohin die Reise bei regulärem Saisonverlauf geführt hätte, lässt sich nur ahnen, doch auch vor der nächsten Spielzeit ist dem Trainer nicht bange. „Wir erklären jetzt nicht den Aufstieg zur Pflicht“, sagt Iman Bi-Ria, „aber wenn es gelingt, uns noch etwas breiter aufzustellen, werden wir zumindest schwer zu schlagen zu sein.“ Mit solchen fußballerischen Vorausschauen beschäftigt sich Vilsens Noch-Trainer Patrick Tolle nicht mehr, seitdem er seinen berufsbedingten Rückzug ins fußballfreie Privatleben zum Saisonende bekannt gegeben hat. Dabei war das vorläufige Trainer-Ende zweifellos anders geplant. Ganz anders jedenfalls, als mit dem 3:3 gegen den SC Twistringen am 24. Oktober, seinem letzten Spiel, als seine Elf charakterstark ein 0:3 aufholte, den zweiten Tabellenplatz sicherte, dann jedoch vom 1. November an bis heute komplett abgeschaltet wurde. Pandemiekonforme Trainingsmöglichkeiten blieben aus, auf Online-Übungseinheiten wurde verzichtet. Keine leichte Situation für Nachfolger Torsten Klein, der das Traineramt zum 30. Juni übernimmt, aber auch nicht für Patrick Tolle, der wenigstens noch auf einen gemeinsamen Abschied hofft.

„Das war eine perfekte Vorbereitung und eine überragende Saison bis zum Abbruch“, schwärmt Tolle, „dazu konnte ich mit einem großen Teil der von mir früher betreuten A-Jugend zusammenarbeiten. Nur das Ende hatte ich mir anders vorgestellt.“ Tatsächlich gab es für den SV Bruchhausen-Vilsen nur einen echten Aussetzer in den neun Saisonspielen und den gleich am zweiten Spieltag beim 3:8 gegen den TuS Sudweyhe.

Leistungsfördernder Weckruf

Ein Ergebnis, das im Nachhinein als Weckruf diente, die Mannschaft noch mehr zusammenschweißte und zu bemerkenswerten Leistungen beflügelte. Das bereits in der Saisonvorbereitung außerordentlich gut funktionierende Kollektiv der Jungen wurde durch die Erfahrung von Chedli Belkhir, Dennis Böschen, Jan-Christoph Kornau oder Moritz Warnke ideal ergänzt und zu fußballerischen Höhepunkten wie dem 2:0 über den favorisierten SV Heiligenfelde oder den souveränen 4:2-Erfolg über den TSV Bassum geführt.

Wann es für die Spieler des SV Bruchhausen-Vilsen nach der langen Corona-Pause wieder auf den Trainingsplatz geht, ist aktuell noch unklar. „Hoffentlich kann die alte A-Jugend zusammengehalten werden“, hofft Tolle und hat immerhin aus Telefonaten herausgehört, „dass die meisten wohl nach der Pause weitermachen wollen.“

Neuzugänge sind freilich ohne laufenden Trainingsbetrieb derzeit kaum in Sicht. Darum aber wird sich zukünftig Nachfolger Torsten Klein kümmern, hinter dem Patrick Tolle dann vielleicht bei dem einen oder anderen Heimspiel nicht ohne Wehmut als Zuschauer sitzen wird.

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