Fußball

„Wir haben ein gutes Wir-Gefühl im Verein“

Seit etwas mehr als einem Jahr ist Hauke Janssen Leiter der Fußballsparte der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst. Über diese Zeit, aber auch seine Ziele für die Zukunft hat er im Interview gesprochen.
25.05.2020, 08:38
Lesedauer: 13 Min
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Von Thorin Mentrup
„Wir haben ein gutes Wir-Gefühl im Verein“

Ein Leben für den Fußball: Hauke Janssen ist seit etwas mehr als einem Jahr Fußballspartenleiter bei der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst.

Thorin Mentrup

Herr Janssen, wie oft sind Sie in diesen Tagen eigentlich auf den drei Sportanlagen der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst unterwegs?

Hauke Janssen: Momentan natürlich weniger. Wir haben in Brinkum eine kleine Baustelle eröffnet, daher war ich dort in der ersten Zeit ziemlich viel. Quasi jeden zweiten Tag. Wir pflastern ein paar Gehwege und rüsten unsere Container ein bisschen weiter aus. Generell sehe ich aktuell überall nach dem Rechten. Am Platz bei Fahrenhorst bin ich häufiger, da ich dort auch mit meinen Hunden spazieren gehe. Auch hier in Seckenhausen fahre ich eigentlich jeden Tag mit dem Fahrrad vorbei und schaue nach, ob alles in Ordnung ist. Aber wirklich betreten tue ich die Plätze seltener als vorher.

Also recht wenig, vor allem wenn man bedenkt, dass jetzt eigentlich die spannendsten Wochen der Saison laufen sollten. Wie halten Sie das als selbst ernannter Fußballverrückter aus?

Schwer. In den ersten Wochen hatte ich ganz schön damit zu kämpfen, mit meiner Zeit etwas anzufangen. Aber mittlerweile fühle ich mich halbwegs gut beschäftigt, weil der Betrieb langsam wieder losgeht und wir auch unsere Challenges (unter anderem die Team-Fitness-Challenge und die Scavenger Hunt, Anm. der Redaktion) machen. Aber mir fehlt das persönliche Treffen mit den Mitgliedern und der eigenen Mannschaft und etwas zu organisieren. Die Challenges sind ein guter Zeitvertreib, aber sie ersetzen nicht das Vereinsleben.

Inwiefern hat sich die Aufgabe des Spartenleiters in der Corona-Zeit verändert?

Momentan heißt es, alle bei Laune zu halten. Es ist nicht viel zu organisieren. Im Hintergrund plant man natürlich eine neue Saison, aber so lange wir nicht wissen, wann sie anfängt, ist das auch schwierig. Wobei wir unsere Hausaufgaben gemacht haben bis zur Unterbrechung der Saison. Im Prinzip geht es momentan darum, den Ist-Zustand weiterzugeben, den man von den Verbänden, vom Vorstand und von der Gemeinde bekommt. Vor Corona konnten wir mehr gestalten. Das ist jetzt nicht möglich.

Vor etwas mehr als einem Jahr hat ein Team um Sie herum die Spartenleitung übernommen. Wie fällt Ihr Fazit nach dieser Zeit aus?

Mein Fazit ist zu 100 Prozent positiv. Wir haben uns zuvor viele Dinge aufgeschrieben, die wir in die Wege leiten wollten. Wir haben davon einen großen Teil umgesetzt. Mit der Entwicklung sind wir total zufrieden. Aber ich sage auch: In einem Jahr kann man noch nicht viel erreichen. Die Frage ist, ob man diesen Status halten und ausbauen kann. Aber mit Blick auf die jetzige Situation sind wir absolut zufrieden, aber ohne uns ausruhen zu wollen. Wir haben ein gutes Wir-Gefühl im Verein. Auch unsere erste Herren ist wieder gefragt. Das stimmt uns positiv.

Das Wir-Gefühl war einer der Kernpunkte Ihres Programms. Was waren die Schlüssel, um die Identifikation mit der TSG zu stärken?

Es ist gar nicht so einfach, das in ein, zwei Punkten zu benennen. Wir haben eigentlich nur an kleinen Stellschrauben gedreht. Wir haben zum Beispiel dafür gesorgt, dass alle Teams hintereinander weg oder gleichzeitig spielen, dass sich alle Mannschaften über den Weg laufen, dass sie da bleiben, wenn nach ihrem Spiel noch ein weiteres stattfindet. Wir haben drei Sportstätten. Manche Sportler von uns haben noch nie in Seckenhausen trainiert. Sie wissen eigentlich gar nicht, wo ihr Heimatspielort ist. Wir haben dafür gesorgt, dass alle Mannschaften wieder geballt in Seckenhausen trainieren, obwohl alle Plätze und auch die Kabinen voll ausgelastet sind. Aber wir wollten, dass alle Leute wieder auf einen Haufen kommen. Solange das Wetter es zugelassen hat, haben deshalb alle Mannschaften in Seckenhausen trainiert und ihre Heimspiele möglichst hier ausgetragen. Natürlich mussten ein paar Spiele in Fahrenhorst stattfinden. Aber wir haben zugesehen, dass alles wieder mehr an einem Ort stattfindet. Der Kunstrasenplatz in Brinkum hat alles zu sehr entzerrt, würde ich sagen. Er ist kein Laster, auf keinen Fall, aber wir wollten, dass alles geballter stattfindet.

Was noch?

Unser Ziel war es, die Trainer mitzunehmen. Das sehen wir als unsere Aufgabe an. Das gilt auch für alle anderen Ehrenamtlichen vom Passwart über den Platzwart bis hin zum Organisationsteam und Eventteam, das wir gegründet haben. Wir wollen alle Meinungen hören. Wir haben hier Montagsrunden gehabt mit bis zu 45 Ehrenamtlichen und haben Dinge zusammen diskutiert und erörtert. Manchmal haben wir auch einfach nur gemeinsam gegessen. Wenn man alle mitnimmt, überträgt sich das von den Ehrenamtlichen auf die Mannschaften. Dieser Schritt ist uns gut gelungen. Das wollen wir jetzt weiterentwickeln.

Drückt sich dieses gestärkte Wir-Gefühl auch an den Mitgliederzahlen der Sparte aus?

Wir haben seit Beginn unserer Amtszeit mehr als 100 neue Mitglieder in der Fußballsparte gewonnen.

Auffällig ist, dass die TSG nicht nur auf dem Sportplatz aktiv ist. Ihre Sparte berichtet quasi auf allen Kanälen vom Vereinsleben, sei es auf Facebook, Instagram oder Youtube. Haben Sie eine ganz neue Präsenz für die Sparte geschaffen?

Diese Präsenz war schon vorher da. Unseren Facebookkanal gibt es schon seit 2013, da gehörten wir mit den zu den Ersten, würde ich sagen. Aber Instagram kam erst vor zwei, drei Jahren dazu und Youtube dann vor einem Jahr. Ich finde, dass diese Kanäle für einen Breitensportverein absolut notwendig sind. Vor allem, diese vernünftig zu pflegen. Deshalb halte ich Personal, das sich ausschließlich darum kümmert, für genauso wichtig wie einen Trainer oder Spartenleiter, weil es unsere Werte vermittelt und den Mitgliedern zuträgt. Auch wenn diese bei uns schon Fußball spielen, erfahren sie dadurch Neues. Auch die Events, die wir gemacht haben, sind für das Wir-Gefühl und das Dorfleben wichtig. Wir wollen, dass das Dorfleben auf unserem Fußballplatz stattfindet. Und durch diese Kanäle generieren sich auch neue Ehrenamtliche. Das ist ein weiterer Pluspunkt.

Hat sich für Sie durch diese breite Öffentlichkeitsarbeit auch das Image der TSG verändert?

Wie sich das Image gewandelt hat, mag ich nicht so recht beurteilen. Das sollten vielleicht andere tun, die von außen auf uns schauen.

Die Frage anders aufgezäumt: Wie will die TSG-Fußballabteilung wahrgenommen werden? Was will sie mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit transportieren?

Wir möchten transportieren, dass wir jeden willkommen heißen, sei er ein guter Fußballer, sei er ein nicht so talentierter Fußballer oder wenn er einfach nur mithelfen möchte ohne Fußball zu spielen. Wir wollen, dass sich jeder wertgeschätzt fühlt in unserer Abteilung, ganz egal in welcher Rolle.

Verändert hat sich seit Beginn Ihrer Amtszeit die Jugendarbeit: Die Spielgemeinschaft mit dem TV Stuhr ist aufgelöst, die TSG startet ausschließlich unter eigener Flagge im Punktspielbereich. Hat sich dieser Schritt aus Ihrer Sicht ausgezahlt?

Das ist erst etwas mehr als ein halbes Jahr her und daher noch nicht zu 100 Prozent zu bewerten. Für uns war die Identifikation mit dem Verein wichtig. Wir haben das Gefühl, dass unsere Jugendspieler aus den JSG-Jahrgängen aktuell eine höhere Identifikation mit dem Verein haben. Aus dieser Sichtweise heraus würde ich sagen: Ja, das hat sich bezahlt gemacht. Aber ob das auf Dauer der richtige Weg war, das kann man aktuell nicht beurteilen. Es kann sein, dass man das erst in fünf Jahren wirklich sagen kann. Das hängt von so vielen Faktoren ab. Aktuell würde ich sagen, dass es der richtige Schritt war.

Neuer Fußballvorstand der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst um Hauke Janssen ( links vorne)

Die neue Spartenleitung im vergangenen Jahr: Damals stellten Marco Pahl (Ansprechpartner U7 bis U13, von links), Spartenleiter Hauke Janssen, stellvertretender Jugendleiter Philip Kleingärtner, stellvertretender Spartenleiter Jermaine Green und Jugendleiter Hergen Corßen-Katenkamp ihre Pläne vor.

Foto: Janina Rahn
Wer auf Ihrer Homepage die Seite der Spartenleitung besucht, findet dort deutlich mehr als 20 Helfer. Wie koordiniert man so eine große Truppe?

Jeder kennt seine Aufgabe. Ich versuche, alle darin zu unterstützen. Jeder kann zu mir kommen. Unser Ziel war es, dass die Leute, die wir für ein Ehrenamt gewinnen konnten, Spaß haben an ihrer Aufgabe. Und Spaß haben sie, wenn sie sich wertgeschätzt fühlen. Deswegen sind auch alle auf der Seite niedergeschrieben, obwohl dort tatsächlich noch zwei, drei Leute fehlen. Wir haben zum Beispiel ein Bauteam, das da noch gar nicht notiert ist. Neben den Trainern haben wir bestimmt 20, 25 zusätzliche Ehrenamtliche. Für mich ist wichtig, ihnen ihre Aufgabe leicht zu machen und ihnen zu helfen, damit sie es gern machen. Jeder von ihnen kennt meine Nummer und kann mich direkt erreichen. Außerdem haben wir einmal im Monat eine Sitzung, bei der auch sie gehört werden und sie sich einbringen dürfen.

Steht Ihr Telefon bei dieser Masse an Ehrenamtlichen und Mitgliedern denn überhaupt noch still?

Als Spartenleiter steht dein Telefon nie still, aber das ist in jedem Verein so, denke ich. Ich versuche aber, viele Aufgaben zu delegieren. Wir haben einen Jugendleiter, der sich um die Jugend kümmert, wir haben einen Sportlichen Leiter, der sich um die kleinen Kinder kümmert, wir haben einen Kassenwart, der sich um die finanziellen Dinge kümmert. Jeder weiß eigentlich, an wen er sich wenden muss, sodass ich da gar nicht unbedingt involviert sein muss. Darüber hinaus habe ich meine Spartenleitergruppe, auf die ich nie verzichten möchte. Wenn dann Fragen kommen, stelle ich das da zur Diskussion. Da finden wir zusammen gute Entscheidungen. Ich möchte eigentlich gar keine Entscheidung allein treffen und tue das auch nicht. Natürlich gibt es auch mal Dinge, bei denen wir unterschiedlicher Meinung sind. Dann reden wir darüber. Ich füge mich auch gern einer anderen Meinung. Jeder in der Sparte hat mein vollstes Vertrauen. Es wäre ein 40-Stunden-Job, wenn man das alles allein machen würde bei 25 Mannschaften. Und wir tun ja mehr als nur Training anzubieten. Wir wollen etwas gestalten.

Das schlägt sich unter anderem in den Arbeiten rund um den Kunstrasenplatz in Brinkum nieder. Wer dort vorbeifährt, sieht zahlreiche Banner, die dort angebracht sind, und die herausgeputzten Container. Ist das, was rund um die Sportanlage dort geschieht, ein Symbol dafür, dass sich etwas tut in der Seckenhauser Fußballsparte?

Der Kunstrasenplatz ist aktuell tatsächlich das größte Symbol dafür, dass sich etwas tut. Das geht mit dem Verkaufscontainer los, auch ein Aufenthaltscontainer entsteht dort. Dazu kommen die Banner, darunter das große TSG-Banner. Dass sich etwas entwickelt, sieht man auch, ohne dass man bei uns Fußball spielt.

Wie wichtig ist es für Mitglieder, zu spüren, dass sich ein Verein entwickelt?

Mitglieder sind immer dann zufrieden, wenn positive Stimmung herrscht. Und wenn sich etwas tut in einem Verein, ist es meist positiv. Ein Mitglied erkennt das, ohne groß darüber nachzudenken. Die Spieler kommen auf den Platz und denken: Was ist das für ein cooles Banner? Man sieht von der Autobahn aus: Hier passiert was. Das kommt der ganzen Abteilung zugute.

Sie selbst sind nicht nur Spartenleiter, sondern auch weiterhin Trainer. Sie haben die dritte Herren und die alten Herren unter Ihren Fittichen. Zwei Teams sind für Sie wenig, denn zwischenzeitlich haben sie fünf zeitgleich betreut. Ist die Aufgabe als Spartenleiter also so anstrengend wie zwei bis drei Trainerjobs?

Man muss dazu sagen, dass ich, als ich das Amt übernommen habe, nur noch drei Mannschaften trainiert und daraufhin auch zwei Teams abgegeben habe. Das Spartenleiteramt in Mannschaften zu zählen, ist nicht möglich. Man kann Spartenleiter sein und Dinge verwalten und man kann Spartenleiter sein und Dinge gestalten. Wenn man gestaltet, gibt es beim Aufwand kein Limit. Dann kann man tatsächlich einen Hauptberuf daraus machen. Ich habe auch deshalb zwei Mannschaften abgegeben, weil ich das Amt des Spartenleiters vernünftig machen wollte und nicht nebenbei. Wenn ich mehr Zeit auf dem Sportplatz verbringe, habe ich weniger Zeit am Schreibtisch und am Handy. Aber genau das ist unter anderem das Amt des Spartenleiters. Deshalb habe ich Mannschaften abgegeben, auch wenn ich mittlerweile wieder zwei Mannschaften trainiere. Auf die 90 Minuten an der Seitenlinie kann ich einfach nicht verzichten.

An die von Ihnen angesprochene Zeit am Schreibtisch und am Handy haben Sie sich aber mittlerweile gewöhnt?

Total. Ich habe das vorher schon viel gemacht, weil ich schon viel gestaltet habe bei meinen eigenen Mannschaften. Ich habe mich komplett mit eingebracht in die Vereinsarbeit. Eine so große Umstellung war es für mich also nicht. Die größte Umstellung ist sicherlich, dass man jetzt verantwortlich ist.

Ein Gewinn für die TSG: Erste-Herren-Trainer André Schmitz.

Ein Gewinn für die TSG: Erste-Herren-Trainer André Schmitz.

Foto: Thorin Mentrup
Als Ihr Team die Spartenleitung übernommen hat, war daran gekoppelt, dass André Schmitz den Trainerposten bei der ersten Herrenmannschaft übernehmen wird. Wie bewerten Sie diese Entscheidung, die Mitglieder mit großer Mehrheit mitgetragen haben, einerseits mit Blick auf die erste Herrenmannschaft, aber auch mit Blick auf die gesamte Abteilung?

André ist ein fußballverrückter Typ. Da passen wir gut zusammen. Er bringt natürlich von seiner Arbeit bei Vereinen wie Uphusen teilweise das Oberliga-Denken mit. Da musste ich ihn hier manchmal bremsen. Die finanziellen Möglichkeiten sind bei uns natürlich ganz andere als bei einem Oberligisten. Aber er kannte den Verein und wusste, worauf er sich einlässt. Mit André die erste Herren anzugehen, war eine absolut richtige Entscheidung. Die Jungs sind Feuer und Flamme von seinem Training, von seiner Taktik und seinem Fachwissen. André hat da wieder ein richtig stabiles Team geschaffen, das auch in der Bezirksliga bestehen wird. Er tut der Mannschaft gut.

Und mit Blick auf die gesamte Abteilung?

André hat unsere Diskussionen in den Trainerrunden sehr gut angeheizt. Er hat auch kritische Fragen gestellt, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Das ist gut für unsere gesamte Entwicklung. André hat einen anderen Blickwinkel, weil er schon so viele Vereine erlebt und auch in anderen Klassen Erfahrungen gesammelt hat. Gerade kümmert er sich besonders um das Thema Sponsoring. Das hat er enorm angeschoben. Wir mussten oft überlegen, ob wir noch 20 Bälle bestellen oder nicht oder ob wir noch einen Satz Hütchen oder Stangen anschaffen können oder doch noch ein halbes Jahr warten müssen. André hat dafür gesorgt, dass wir in diesem Bereich in Zukunft wesentlich besser aufgestellt sein können als vorher. Von daher profitieren wir alle von André.

Die erste Herrenmannschaft ist das Aushängeschild der Abteilung, doch Sie betonen auch, dass die TSG jeden Fußballer abholen will, egal auf welchem Leistungslevel er sich bewegt. Wie ist die Fußballsparte an der Basis aufgestellt?

Wenn man wirklich in jedem Alter jedem den richtigen Fußball anbieten möchte, bräuchte man in jeder Altersklasse zwei Teams. Das ist nicht immer möglich. Wir haben in der A- und in der C-Jugend jeweils zwei Mannschaften. Da haben wir tatsächlich ein Leistungsteam und eins für den Breitensportbereich. In der U 17 war das leider nicht möglich. Da müssen die Trainer den richtigen Spagat finden. Aber wenn jetzt ein Erwachsener anruft und sagt, er möchte gern Fußball spielen, dann frage ich ihn: Was hast du für Ansprüche an dich? Möchtest du zweimal pro Woche trainieren und leistungsorientiert spielen? Möchtest du leistungsorientiert spielen, aber hast nicht so viel Talent? Oder möchtest du einfach nur ein bisschen kicken? Da haben wir für jeden, der zu uns kommen will, die geeignete Mannschaft. Da weiß ich sofort, welche Telefonnummer ich ihm gebe, und dann kann er sich dort melden oder beim Training vorbeischauen und direkt anfangen, Fußball zu spielen. Aktuell ist es leider sogar so, dass es sogar schwierig ist, noch Neue unterzubringen, und wir überlegen, eine sechste Herrenmannschaft zu gründen. Alle Mannschaften sind bis ans Limit voll. Wir haben eigentlich gar keinen Kader unter 25 Spielern.

Es gibt also weitere Entwicklungsmöglichkeiten für die TSG. Welche Ziele sind denn die nächsten, die Sie in der Sparte angehen wollen?

Wir würden uns wünschen, dass die zweite Herren leistungsmäßig noch etwas näher an die erste Herren heranrückt. Wir wollen die erste Herren natürlich in der Bezirksliga etablieren, und dafür wünschen wir uns, dass wir einen Unterbau haben, der zwei Ligen darunter spielt, also in der 1. Kreisklasse. Da wollen wir auf Dauer hin, ohne uns jetzt ein Zeitziel zu setzen. Wir wollen Spieler in der zweiten Herren, deren Ziel es ist, in der ersten Herren zu spielen. Eine weitere Sache, die auf unserer Agenda steht, ist die Kooperation mit der Schule und dem Kindergarten. Da sind wir leider noch nicht weiter als vor einem Jahr. Daran arbeiten wir noch. Die Basis ist uns wichtig. Wir haben in der U 9 aktuell 24 Kinder in einem einzigen Jahrgang. Es wäre schön, wenn wir das annähernd in jedem Jahrgang schaffen. Aber das muss von unten aufgezogen werden. Wenn du in der G-Jugend die Spieler an die umliegenden Vereine verlierst, werden sie in der E-Jugend nicht wiederkommen. Auch beim Thema der eigenen Schiedsrichter haben wir noch Nachholbedarf. Und was wir auch noch entwickeln wollten, aber noch nicht umgesetzt haben, ist ein eigener Fanshop. Das ist eine Sache, die mir sehr am Herzen liegt und die ich am liebsten schon morgen umsetzen würde. Das gestaltet sich noch schwierig.

Wo sind der TSG denn Grenzen gesetzt?

Mit Grenzen habe ich mich eigentlich noch nie beschäftigt. Wenn Grenzen irgendwo sind, dann hätte ich gar keine Aufgaben mehr. Denn den Ist-Zustand möchte ich eigentlich gar nicht verwalten.

Also sehen wir die erste Herrenmannschaft der TSG in wenigen Jahren in der Landesliga?

Das wäre natürlich reizvoll, aber das ist definitiv aktuell nicht unser Anspruch. Unser Anspruch ist, dass wir schönen Fußball spielen, unseren Zuschauern etwas bieten und in der Bezirksliga wieder eine gute Rolle spielen. Wenn es irgendwann möglich sein sollte aufzusteigen, werden wir uns nicht dagegen wehren, ohne das jetzt als Ziel auszusprechen. Das wäre verwerflich, wenn man noch nicht einmal in der Bezirksliga spielt. Zumindest aktuell noch nicht. Wir gehen davon aus, dass wir als Aufsteiger hoch dürfen. Dann gehe ich auch davon aus, dass wir eine gute Rolle spielen werden.

Wie sieht es mit Ihrer persönlichen Rolle aus? Wie sind Ihre Zukunftspläne?

Ich stehe im Januar zur Wiederwahl. Ich habe mich nicht wählen lassen, um das nur zwei Jahre zu machen. Wenn die Mitglieder wollen, mache ich das gerne länger. Ich werde im Sommer Vater, für mich ändert sich also auch etwas, aber von mir aus mache ich das gern noch viele Jahre. Aber das entscheide ich nicht alleine. Aber ich kann vieles dafür tun, dass es noch ein bisschen so weitergeht. Ich möchte betonen, dass ich das Amt nie ohne Jermaine (Greene, Anm. d. Red.) als Stellvertreter angetreten hätte. Das ist mir äußerst wichtig, weil er mir in allen Belangen seine Meinung unersetzlich ist. Das gilt auch für meine Mitstreiter in der Spartenleitung, Fabian Martens und Jan Tappert, mit denen ich mich eigentlich täglich austausche. Ich bin auch sehr froh über Hergen Corßen-Katenkamp und sein Team. Dass sie dabei sind, war eines der Kriterien, weshalb ich überhaupt gesagt habe, ich würde das Amt antreten. Deshalb habe ich mich gefreut, dass Jermaine und Hergen bereits im Januar wiedergewählt worden sind. Spartenleitung ist und bleibt keine One-Man-Show für mich.

Das Interview führte Thorin Mentrup.

Info

Zur Person

Hauke Janssen (34)

ist seit etwas mehr als einem Jahr Fußballspartenleiter der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst. Dem Sport ist er dagegen schon weitaus länger verbunden, fast sein gesamtes Leben lang bereits. Und das in sämtlichen Rollen: als Spieler, Trainer im Jugend- und Herrenbereich und nun als Chef der Fußballabteilung. Der Ex-Bundesliga-Trainer Peter Neururer adelte ihn im Rahmen der TV-Sendung „Hans Sarpei – das T steht für Coach“, die im Jahr 2017 bei der TSG zu Gast war, als Idealisten, der Einzigartiges für den Fußball leiste. Und auch in der Gemeinde Stuhr ist die unermüdliche Arbeit des im positiven Sinne Fußballverrückten nicht verborgen geblieben: Vor drei Jahren erhielt Janssen den Stuhrer Wolf.

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