Fußball-Bezirksliga

Fischerhudes Trainerduo Yannick Becker/Matthias Warnke im Interview: „Wir sprechen die gleiche Sprache“

Yannick Becker und Matthias Warnke sind seit 2018 Coaches des TSV Fischerhude-Quelkhorn. Im Interview spricht das Trainerduo über die aktuelle Saison und langfristige Ziele mit dem Verein.
02.12.2020, 18:30
Lesedauer: 6 Min
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Fischerhudes Trainerduo Yannick Becker/Matthias Warnke im Interview: „Wir sprechen die gleiche Sprache“
Von Maurice Reding
Herr Becker, Herr Warnke, Sie stehen mit dem TSV Fischerhude-Quelkhorn in der Fußball-Bezirksliga seit der coronabedingten Unterbrechung auf Platz sechs der Tabelle. Wenn Ihnen das jemand vor der Saison gesagt hätte, dass Ihre Mannschaft so weit oben steht, was hätten Sie ihm entgegnet?

Yannick Becker: Zu Beginn der Vorbereitung, also nach dem Kreispokalsieg und dem Aufstieg, hätten wir das nicht unterschrieben. Dann kamen die Momente, als es wieder losging, wir aber eine Verletzung nach der anderen hatten. Nachdem es mehr in Richtung Pflichtspielauftakt gegen Hambergen ging, hätten wir es glaube ich auf jeden Fall unterschrieben.

Matthias Warnke: Die Verletzungsmisere mit Lukas Klapp, Jona Oesterling und Michel Wülbers-Mindermann kam Mitte der Vorbereitung. Wir hatten ein Testspiel gegen den TSV Etelsen, in dem wir mit der vollen Kapelle auf dem Platz waren. Da stand es zur Halbzeit nur 0:1. Wir haben gemerkt, dass mit dieser Truppe etwas geht. Wenn wir Lukas Klapp gegen Osterholz oder Ritterhude dabei gehabt hätten, hätten wir diese Spiele glaube ich gewonnen und andere sogar noch deutlicher gestaltet. Das Spiel gegen Hülsen wäre vielleicht auch anders ausgegangen. Dann wäre die Aufstiegsrunde das klare Ziel gewesen. Vor dem Hambergen-Spiel haben wir echt die Erbsen zusammengezählt und konnten dann nur den Klassenerhalt, egal wie, als Ziel ausrufen.

Angesichts der Verletzungsmisere können Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf ja zufrieden sein.

Becker: Definitiv. Man muss auch wirklich klar sagen, dass das die Chance für viele junge Spieler war, Verantwortung zu übernehmen. Da haben sich einige in der Zeit wirklich toll entwickelt. Man konnte von Spiel zu Spiel beobachten, wie sich die Mannschaft gefunden hat, sicherer wurde und bessere Leistungen gezeigt hat. Mit Ausnahme des Hambergen-Spiels (0:7-Niederlage; Anm. d. Red.) waren wir eigentlich in jedem Spiel mindestens konkurrenzfähig und in vielen Spielen auch die bessere Mannschaft. Es war schön zu sehen, wie Spieler wie Elvedin Bibic und Aaron Connemann ihre Chance genutzt haben.

War die 0:7-Klatsche in Hambergen am ersten Spieltag ein Weckruf zur richtigen Zeit?

Warnke: Würde ich nicht sagen. Jan Schröder und Niclas Masuch waren nicht dabei. Eine Woche später gegen Pennigbüttel war Schröder wieder dabei, das war ein ganz anderes Spiel. Wir haben in der Woche nach der Partie gegen Hambergen nicht irgendwas umgestellt, sondern mit demselben System und derselben Herangehensweise gespielt. Die ersten 15 Minuten gegen Hambergen waren stabil, es war einfach kein guter Tag.

Becker: Jan Schröder ist der Motor unseres Spiels und ein Fixpunkt. Es kam an dem Tag alles zusammen, als er dann auch nicht mit dabei war. Einige, die das in den Wochen danach viel besser gemacht haben, hatten einen rabenschwarzen Tag. Hambergen hat natürlich Qualität. Wenn die erst mal ins Rollen kommen ...

Was setzt die Mannschaft bereits gut um?

Warnke: Was in der kurzen Zeit sehr stark war, war die Defensive, allen voran wegen Kevin Sammann. Ich glaube, dadurch stehen wir überwiegend auch so stabil. Gegen den Ball arbeiten aber alle sehr gut, inklusive der Offensivabteilung. Was darunter gelitten hat, ist die Torquote. Defensiv sind wir aber auf einem guten Weg.

Becker: Ja, definitiv. Es war der Schwerpunkt, den wir mit der Mannschaft gegen Ende der Vorbereitung gesetzt haben, auch natürlich aufgrund der vielen Verletzten. Wir wollten eine defensive Stabilität haben. Da haben wir taktisch einiges gemacht, das hat relativ schnell Früchte getragen. Die Jungs haben das gut umgesetzt. Das Meisterstück war so ein bisschen das 0:0 gegen Ritterhude, wo wir defensiv super gut und auch zu Null gespielt haben.

Warnke: Wir haben unheimlich viele intelligente Spieler, wie unseren Kapitän Dennis Klee, die eine sehr gute Selbstreflexion haben. Wir sind eine Mannschaft, die – wenn es mal nicht läuft wie gegen Hambergen – sich auf dem Platz nicht selbst auseinandernimmt. Es ist an der Tagesordnung, dass wir Einzelgespräche ohne Ende führen.

Becker: Dieser Austausch ist für uns super wichtig. Wir haben mit jedem Spieler sehr viel Kontakt. Wir sind beide jung und bauen auf Erfahrungswerte von Kevin Sammann, Dennis Klee, Lukas Klapp oder auch Jan Schröder aus Oberliga-Zeiten. Das nehmen wir an, da hören wir zu. Diesen Weg gehen wir seit Tag eins hier, das ist unser Weg in Fischerhude. Wir sind nicht Trainer, die sagen, dass es so gemacht wird und keine Alternativen in Frage kommen. Wir suchen den kommunikativen Weg und versuchen dann, unsere Meinung mit einzubringen.

Wo gibt es Ihrer Meinung nach noch Verbesserungspotenzial?

Warnke: Wir haben viele Umschaltsituationen, weil die Gegner gegen uns sehr hoch stehen. Dadurch haben wir viel Raum hinter der Kette und laufen in Überzahl auf das gegnerische Tor zu, spielen die Situationen aber einfach schlecht aus. Das war ein Inhalt in einer unserer letzten Trainingseinheiten. Wenn wir vor dem Tor sind, vergeben wir einfach noch zu viele Chancen. Die Überzahl ausspielen muss noch viel besser werden, wobei wir eigentlich ein gutes Umschaltverhalten haben.

Becker: Wir haben durch Jan Schröder und Niclas Masuch im Zentrum Ballgewinne ohne Ende. Die sind brutal stark im Zweikampfverhalten. Wir haben immer wieder Situationen, in denen wir in Überzahl auf die Kette zulaufen und dann nicht in die Tiefe kommen. Das zweite Thema ist die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Wenn ich an das Spiel gegen Löhnhorst denke, da hatten wir Chancen ohne Ende, die wir vergeben haben.

Warnke: Uns ist das so aber auch lieber. Wir wissen, wir haben wenigstens die Chancen. Viel schlimmer wäre es, wenn man Spiele hat, wo man 90 Minuten nicht vor die gegnerische Kiste kommt.

Sie waren zwölf Jahre Trainer bei der JSG Backsberg. Als Sie 2018 in Fischerhude übernahmen, hatten Sie keinerlei Trainererfahrung im Herrenbereich. Warum haben Sie sich trotzdem zu diesem Schritt entschlossen?

Becker: Das ist eine lange Geschichte. Wir sind erst mal sehr dankbar gewesen, dass wir überhaupt die Möglichkeit hatten, diesen Schritt zu gehen. Es gab ein paar Optionen im Jugendbereich, das war eigentlich auch unser Plan. Wir haben viele Jungs, die wir von der G-Jugend seinerzeit mal bis in die A-Jugend begleitet haben. Wir hatten dann die Option, die hier weiter zu begleiten. Bereut haben wir es bis heute keinen Tag.

Warnke: Der TV Oyten hat mit uns im Herrenbereich nicht als Trainer geplant. Im Jugendbereich hat sich dort keine Möglichkeit aufgetan. Daher war es zwangsläufig, dass es in Oyten nicht weitergeht. Wir haben danach nicht nach einer Aufgabe im Herrenbereich gesucht, sondern haben von der U14 bis U19 alles geprüft. Wir standen kurz davor, eine Entscheidung zu treffen. An einem Freitagnachmittag kam dann Julian Kallhardt (Fischerhudes Fußballchef; Anm. d. Red.), der zu der Zeit mein Arbeitskollege war, auf mich zu und meinte: Lass uns Samstag mal schnacken. Wir saßen einen Tag später zusammen und es hat sich gut angefühlt. Unser Dank gilt Julian, dass er gesagt hat: Wir machen das mit euch. Dass es sich so gut entwickelt, hätten wir auch nicht erwartet.

Wie haben Sie sich eigentlich kennengelernt?

Becker: Mit drei Jahren im Kindergarten (lacht).

Warnke: Wir haben ziemlich nah zusammengewohnt und hatten eine klassische Dorfwiese, wo wir nach dem Kindergarten oder der Schule gespielt haben. Wir haben auch bis zur C-Jugend weitestgehend zusammen Fußball gespielt, haben aber früh aufgehört. Von dem Tag an, als wir mit 14 Jahren die U6 in Oyten übernommen haben, gab es fast keinen Tag, an dem wir keinen Kontakt haben. Wir haben die ähnliche Auffassung von Fußball und dadurch funktioniert das mittlerweile blind.

Becker: Dass wir es zu zweit machen, ist unsere größte Stärke. Wir sprechen die gleiche Sprache. Wir sind zwar ein bisschen unterschiedlich, aber wir können uns immer gut austauschen. Wir sind Freunde und können uns blind auf den anderen verlassen. Ich könnte es mir in irgendeiner anderen Konstellation nicht vorstellen.

Warnke: Ich auch nicht.

Wenn die Spielzeit fortgesetzt wird: Was nehmen Sie sich für den weiteren Saisonverlauf vor?

Warnke: Jetzt haben wir Blut geleckt und wollen in die Aufstiegsrunde. Wir wissen, dass selbst mit ein paar verletzten Spielern sehr viel drin ist und wir jedes Spiel gewinnen können.

Becker: Die Jungs haben auf jeden Fall die Qualität für die Aufstiegsrunde. Egal, wen man fragt, jeder ist überzeugt von unseren Spielern. Sie haben das Zeug dazu, jeden Gegner zu schlagen. Deshalb wollen wir in die Aufstiegsrunde.

Was sind die langfristigen Ziele mit dem TSV Fischerhude-Quelkhorn?

Warnke: Das ist schwer zu sagen. Jedes Frühjahr geht das Hauen und Stechen los, wie dein Kader für die neue Saison aussieht. Wir wissen, dass wir hier ein paar begehrte Spieler haben. Unser Ziel muss es sein, sich in dieser Liga zu etablieren – und zwar eher mit dem Blick nach oben als nach unten. Wir wollen auf keinen Fall wieder in der Kreisliga spielen. Das reizt dich auf Dauer nicht.

Becker: Wir wollen die Dinge langfristig so gut machen, dass die begehrten Spieler hier bleiben. Wenn sich abzeichnet, dass von der Landesliga nicht viele Teams nach unten kommen und wir den Kader noch ein bisschen verstärken, dann wird es auch den Moment geben, in dem wir sagen: Wir wollen oben angreifen. Das kann man aber nicht vorher absehen, sondern muss sich ergeben.

Das Interview führte Maurice Reding.

Info

Zur Person

Yannick Becker (28) und Matthias Warnke (27)

sind seit 2018 Trainer der ersten Herren des TSV Fischerhude-Quelkhorn. Das Duo war vorher zwölf Jahre lang bei der JSG Backsberg aktiv. Die erste Saison im Herrenbereich schlossen die jungen Coaches mit ihrer Mannschaft in der Kreisliga auf Platz acht ab. Eine Saison später stand der Aufstieg in die Bezirksliga, der den Fischerhudern mit 14 Siegen und einem Remis ungeschlagen gelang. Der Klub von der Wümme hält auch in der siebthöchsten Spielklasse mehr als ordentlich mit.

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