Fußball-Bezirksliga Heißer Kampf um die vorderen Plätze

Die sieben Teams aus unserem Verbreitungsgebiet, die in der Bezirksliga in Staffel 1 auflaufen, befinden sich derzeit in einer Zwangspause. Es ist daher Zeit, eine Bestandsaufnahme vorzunehmen.
17.11.2020, 05:00
Lesedauer: 7 Min
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Von Dennis Glock

Die Fußballer der Bezirksliga Lüneburg 3 pausieren derzeit ungewollt. Weil die Corona-Infektionszahlen hoch sind, ist der Freizeit- und Amateursport im November untersagt. Insgesamt liegen hinter den 21 Teams, die in zwei Staffeln aufgeteilt sind, ereignisreiche Monate. Spielausfälle, die des Öfteren den Corona-Infektionen geschuldet waren, bestimmten den bisherigen Saisonverlauf. Während einige Teams nur vier Ligaspiele absolvierten, kamen andere auf die doppelte Anzahl. Trotzdem ist genug Aussagekraft gegeben, um eine Zwischenbilanz zu ziehen. Wie die sieben Mannschaften aus unserem Verbreitungsgebiet in Staffel 1 bisher abgeschnitten haben, zeigt unser Rückblick.

Geballte Offensivpower

Die Elf von Dariusz Sztorc sorgte schon für einige Höhepunkte. Dabei präsentierte sich der TV Sottrum stets torhungrig. Bereits das erste TVS-Spiel wurde zu einem Spektakel: Sottrum überrollte den 1. FC Rot-Weiß Achim mit 7:2. Auch in den folgenden Spielen gegen Ippensen (4:0) und Thedinghausen (3:0) ließ der TVS dem Gegner keine Chance. Die bis dato einzige Saisonniederlage leistete sich Sottrum am fünften Spieltag im Heimspiel gegen den FSV Langwedel-Völkersen. Dabei gaben die Sottrumer besonders im Defensivverbund ein ungewohnt schwaches Bild ab und kassierten gegen aggressive Gäste drei vermeidbare Tore. Die anschließenden Treffer von Matthias Michaelis und Louis Jaugstetter reichten allerdings nicht, um die 2:3-Niederlage noch zu verhindern. Nach der herben Pleite gab sich Trainer Dariusz Sztorc frustriert und kritisierte vor allem das fahrlässige Abwehrverhalten seines Teams.

In den die darauffolgenden Partien knüpfte der Wiesteklub aber an den fulminanten Saisonstart an und holte sieben Zähler. Dabei glänzte der TVS erneut mit seiner Offensivpower und fegte den TSV Achim (4:0) und den MTSV Selsingen (5:0) auswärts deutlich vom eigenen Platz. Insgesamt präsentierten sich die Sottrumer sehr konstant und erzielten in acht Partien 26 Tore – neun davon steuerte Sinan Reiter bei. Nur der FC Hambergen war mit 28 Toren treffsicherer. Dem gegenüber stehen lediglich sechs Gegentreffer, was für eine gute Defensivleistung der Sztorc-Elf spricht. Deshalb steht das Team aktuell auf Rang eins der Staffel. Aufgrund der Leistungen hat sich der TV Sottrum diese Platzierung verdient.

Von Souveränität geprägt

Direkt hinter dem Spitzenreiter reiht sich aktuell der TSV Bassen ein. Aus sieben Spielen holte das eingespielte Team von der Dohmstraße 14 Punkte. Platz zwei hat sich die Elf von Trainer Uwe Bischoff nach dem verpatzten Saisonstart gegen den SV Ippensen (0:1) in den nachfolgenden Wochen redlich verdient. Seitdem Bischoff in der Saison 2016/2017 das Amt des Cheftrainers beim TSV übernahm, ist ein klarer Trend zu erkennen: Dreimal landete sein Team am Saisonende unter den ersten vier Plätzen. In der vergangenen Saison verpasste Bassen hinter dem TSV Etelsen nur knapp den Aufstieg in die Landesliga. Dass es in dieser Saison mit dem Gang in die nächsthöhere Liga klappen kann, hat der bisherige Saisonverlauf eindrucksvoll gezeigt.

Wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird, bleibt allerdings abzuwarten, ob es den Dohmspatzen gelingt, die Souveränität mit in die nächsten Spiele zu nehmen und wie der Ertrag gegen stärkere Teams in einer möglichen Aufstiegsrunde aussieht. Die vergangenen Saisons haben aber gezeigt, dass die Bischoff-Elf ein ganz heißer Titelkandidat ist.

Nicht komplett zufrieden

Was der FSV Langwedel-Völkersen in seinen ersten sieben Saisonspielen geleistet hat, kann sich sehen lassen. Mit zwölf Punkten befindet sich die Mannschaft von Coach Emrah Tavan aktuell auf Rang vier und hat die vorderen Plätze fest im Blick. Beinahe wäre sogar noch mehr drin gewesen. Vor dem bis dato letzten Spiel gegen den 1. FC Rot-Weiß Achim nahm der Trainer zum ersten Mal das Wort Aufstieg in den Mund und wollte mit einem erneuten „Dreier“ noch näher an die Tabellenspitze heranrücken. Daraus wurde allerdings nichts. Langwedel verlor mit 2:4. Es war die erste Saisonniederlage für den FSV.

Abgesehen von diesem Ausrutscher, präsentiert sich die Tavan-Elf bislang sehr ordentlich. Dies liegt vor allem an zwei Eckpfeilern. Zum einen besitzt Langwedel mit Moritz Nientkewitz im Tor einen herausragenden Rückhalt. So rettete er im Heimspiel gegen den TSV Bassen seinem Team ein Unentschieden. Gegen Sottrum sicherte er dem FSV mit seinen Paraden einen knappen 3:2-Sieg. Die zweite Stütze ist Vollblutstürmer und Kapitän Daniel Throl. Dem 26-Jährigen gelangen in den sieben Ligaspielen bereits neun Treffer. Alles in allem spielt der FSV Langwedel-Völkersen eine gute Runde. Wer aber Trainer Emrah Tavan kennt, weiß, dass er sich nicht so schnell zufriedengibt und weiter punkten will.

Voll im Soll

Vor der Spielzeit gab der TSV Achim das Ziel aus, eine sorgenfreie Saison spielen zu wollen und sah sich in der Lage, in der oberen Tabellenhälfte mitzuspielen. Als Wunschplatzierung nannte Trainer Sven Zavelberg den fünften Platz. Allem Anschein nach werden die Achimer diesem eigenen Anspruch auch gerecht. Nach sieben Partien findet sich der TSV tatsächlich auf Platz fünf wieder und hatte dabei eigentlich noch keinen großen Ausreißer – nicht nach oben, vor allem aber auch nicht nach unten. Die Spiele gegen die vermeintlich schwächeren Teams wie der TSV Thedinghausen und der MTSV Selsingen gewann die Zavelberg-Elf allesamt souverän. Zudem gelang beim 3:2-Sieg gegen den MTV Riede die bis dato beste Saisonleistung, als der TSV den Gegner in der ersten Hälfte phasenweise an die Wand spielte.

In den Spielen gegen die Topteams gab es allerdings nichts zu holen. Hierbei verloren die Achimer stets deutlich und kamen nur selten zu eindeutigen Chancen. Wenn alles normal läuft, wird der Zwölfte der Vorsaison seinen Zielen am Ende gerecht werden und die Staffel 1 mit einer Platzierung um den fünften Platz beenden. Damit käme der TSV Achim in seiner Entwicklung voran.

Im Mittelfeld der Tabelle

Die Bilanz des MTV Riede liest sich auf den ersten Blick relativ ausgeglichen. Von insgesamt sechs Partien gewann die Mannschaft des Trainerduos Nils Krüger/Uwe Gräser nur die Duelle mit den beiden Aufsteigern TSV Thedinghausen (3:0) und MTSV Selsingen (2:1). Gegen die spielstarken Teams FSV Langwedel-Völkersen und TSV Bassen reichte es jeweils zu einem 1:1. Die Aufeinandertreffen mit dem TSV Achim (2:3) und dem 1. FC Rot-Weiß Achim (1:3) gingen verloren. Alles in allem ordnet sich der MTV Riede mit acht Punkten auf dem sechsten Platz ein – also im Mittelfeld.

Nach der Vorsaison, die der MTV als Tabellen-16. beendete, sieht die aktuelle Ausbeute recht gut aus. Wäre da nicht die schwere Knieverletzung, die sich Stürmer Lennart Schröder am dritten Spieltag zugezogen hat. Der Offensivmann wird Riede viele Monate fehlen und hinterlässt im Angriffszentrum eine riesige Lücke. Es wird spannend zu beobachten sein, wer bei den Segelhorstkickern nach der Pause in die Rolle des Torjägers schlüpft.

Systemänderung bringt Erfolg

Die Elf von Trainer Costa Efeoglou hatte speziell zu Beginn der Saison wenig zu lachen. So startete der 1. FC Rot-Weiß Achim im ersten Saisonspiel gegen den FC Worpswede direkt mit einer klaren 0:3-Niederlage in die neue Spielzeit. Es folgte eine deutliche 2:7-Pleite beim TV Sottrum und ein schmeichelhaftes 3:3 gegen den Aufsteiger MTSV Selsingen. Auch das Auswärtsspiel gegen den SV Ippensen ging mit 0:1 verloren. Somit fanden sich die Rot-Weißen nach vier Spieltagen tief im Tabellenkeller wieder. Coach Efeoglou betitelte die gezeigten Leistungen als Frechheit und ließ nach den Spielen regelmäßig seinen Frust freien Lauf. Als größtes Manko sah der erfahrene Trainer die fehlende Einstellung seines Teams, die gepaart mit einem niedrigen Selbstvertrauen zum Misserfolg führten. Zudem hatte sich die im Sommer neu zusammengewürfelte Mannschaft auf dem Platz noch nicht richtig gefunden.

In der Trainingswoche vor dem Kellerduell mit dem TSV Thedinghausen zeigte Efeoglou seinem Team noch mal ganz klar die aktuelle Misere auf und kam zu dem Entschluss, personell umzustellen und das Spielsystem gravierend zu ändern. Dies schien zu fruchten. Aus den folgenden drei Partien holten die Achimer sieben Zähler und katapultierten sich ins Mittelfeld der Tabelle. Da dem kleinen Verein in der Bezirksliga nichts geschenkt wird, müssen diese Leistungssteigerungen als Maßstab gelten, wenn am Ende der Saison der Klassenerhalt fixiert werden soll.

Überforderter Aufsteiger

Der bisherige Saisonverlauf des TSV Thedinghausen stand ganz klar unter dem Motto „Jugend forscht“. Mit einem Durchschnittsalter zwischen 21 und 23 Jahren ging der Bezirksliga-Aufsteiger in nahezu jede Partie und zahlte aufgrund dessen häufig Lehrgeld. Insgesamt belegt die Elf von Coach Lars Gudegast nach sieben Spieltagen den letzten Tabellenplatz in der ersten Staffel. Den einzigen Zähler holten die Thedinghäuser im Krisenduell gegen den 1. FC Rot-Weiß Achim, das 3:3 endete. Dabei sah es lange so aus, als hätte die Gudegast-Elf aus ihrer mangelnden Chancenverwertung gelernt und präsentierte sich vor dem gegnerischen Tor eiskalt. Doch insgesamt leistete sich Thedinghausen erneut zu viele Fehler und kam nicht über das Unentschieden hinaus. Sinnbildlich hierfür waren die ersten beiden Gegentore, die – wie so oft in dieser Saison – nach ruhenden Bällen fielen.

Die Schwäche nach Standardsituationen zieht sich bei den Blau-Gelben in vielerlei Hinsicht durch die Saison. Schon sieben Gegentore musste der TSV auf diese Weise bereits schlucken – also im Schnitt ein Standard-Gegentor pro Spiel. Der Coach begründet diese Schwäche mit der Unerfahrenheit seines jungen Teams. Trotz dessen will Gudegast weiter auf seine Youngster setzen und ihnen in der neuen Liga Zeit geben, um aus den Fehlern zu lernen. Aufgrund der angespannten Personallage bleibt dem erfahrenen Trainer allerdings auch nicht viel übrig. Gelingt es dem TSV Thedinghausen auch im weiteren Saisonverlauf nicht, die Fehler in der Defensive abzustellen und vor dem gegnerischen Tor eine zielstrebigere Figur abzugeben, so deutet vieles darauf hin, dass nach nur einem Jahr in der Bezirksliga wieder der Abstieg in die Kreisliga folgt.

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