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Reaktionen auf NFV-Entscheidung: Große Zustimmung, aber auch Kritik

Die hiesigen Vereine begrüßen größtenteils die Aussetzung des Spielbetriebs bis Jahresende. Dennoch kommt auch Kritik in Richtung des Niedersächsischen Fußballverbands.
17.11.2020, 16:05
Lesedauer: 4 Min
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Von Maurice Reding und Nastassja Nadolska
Reaktionen auf NFV-Entscheidung: Große Zustimmung, aber auch Kritik

Der Amateurfußball liegt aktuell, wie in dieser Szene mit Uphusens Miguel Mendoza, am Boden. Bis zum Jahresende finden keine Spiele statt.

Björn Hake

Rassige Zweikämpfe, umjubelte Siege oder bittere Niederlagen – all das wird es im Amateurfußball in diesem Jahr nicht mehr geben. Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) hat am Montagabend auf einer virtuellen Sitzung beschlossen, den im November wegen des Teil-Lockdowns ohnehin pausierenden Spielbetrieb bis zum Jahresende auszusetzen (wir berichteten). Zuvor hatten Bund und Länder bei ihren Beratungen keine Lockerungen für den Amateursport in Aussicht gestellt. Der NFV will den Vereinen mit diesem Entschluss frühzeitig Planungssicherheit für den Rest des Jahres geben. Der Verband strebt an, den Spielbetrieb mit Beginn des neuen Jahres wieder aufzunehmen. Doch wie beurteilen die hiesigen Vereine die Entscheidung? Ein Überblick.

Für Florian Warmer, Sportlicher Leiter des TB Uphusen, ist es eine logische Entscheidung, den Spielbetrieb bis Jahresende ruhen zu lassen. „Es hätte keinen Sinn gehabt, alles wieder hochzufahren. So ist es für die Vereine planbar“, begrüßt er den Entschluss des Verbandes. Faktoren wie das schlechte Wetter hätten die Spielaustragungen im Dezember ohnehin erschwert, meint Warmer. Normalerweise stände für den Fußball-Oberligisten noch eine Auswärtspartie beim TuS Bersenbrück (6. Dezember) und ein Heimspiel gegen den MTV Eintracht Celle (13. Dezember) an. Neben dem normalen Ligabetrieb kommt für den Klub aus dem Achimer Westen noch der Niedersachsenpokal hinzu. Die Achtelfinalpartie gegen den FC Hagen/Uthlede fiel bereits dem Teil-Lockdown zum Opfer. Ob der Spielbetrieb im Januar – wie vom NFV gewünscht – fortgesetzt werden kann, vermag der Sportliche Leiter nicht zu sagen. „Wir müssen das weitere Geschehen abwarten. Die Jungs kriegen einen Vorbereitungsplan für Januar. Ich glaube aber nicht daran, dass es dann weitergeht. Uns steht wieder ein verkorkstes Jahr bevor“, äußert sich Warmer deutlich.

Zu hoher Trainingsrückstand

Auch Andre Koopmann, Sportlicher Leiter des TSV Etelsen, begrüßt die Entscheidung des Verbandes. „Sie ist absolut richtig. Die Corona-Zahlen sprechen eine klare Sprache“, sagt er. Für Koopmann hätte es keinen Sinn ergeben, ab Dezember wieder Spiele auszutragen. „Selbst wenn die Zahlen besser wären, könnten wir im Dezember nicht spielen. Wir bräuchten zehn bis 14 Tage Training und bis zum 30. November darf kein Training stattfinden“, verdeutlicht der Sportliche Leiter des Landesligisten. Deshalb sei er froh, nun Planungssicherheit zu haben. Den Plan des NFV, mit Beginn des neuen Jahres wieder loszulegen, hält Koopmann für einen frommen Wunsch. „Ich spiele seit 30 Jahren Fußball und weiß daher aus eigener Erfahrung, dass im Januar und Februar nicht die Zeit ist, in der man gut Fußball spielen kann“, sagt der Sportliche Leiter, der nicht daran glaubt, dass sich die Infektionszahlen bis dahin gravierend verbessern. „Ich würde mir das natürlich wünschen, aber sehen tue ich das nicht“, hat Koopmann nicht viel Hoffnung.

Für Emrah Tavan, Trainer des FSV Langwedel-Völkersen, ist die Entscheidung des Verbandes keine Überraschung. „Ich habe damit fest geplant. Die Entscheidung ist okay, wir müssen sie akzeptieren“, sagt der Coach des Bezirksligisten. Eine Fortsetzung des Spielbetriebs im Dezember hätte Tavan nicht für realistisch gehalten. „Wir trainieren dreimal in der Woche und haben dann noch ein Spiel am Wochenende. Wenn man mehrere Wochen raus ist, merkst du die Pause“, sagt er. Dass seine Mannschaft im Januar wieder spielen darf, bezweifelt der Langwedeler Trainer. „Ich gehe nicht davon aus, dass es im Januar weitergeht“, ist Tavan nicht optimistisch, auch wenn der Coach gerne wieder auf den Fußballplatz zurückkehren würde. „Ich bin einer, der immer Bock auf Fußball hat. Die Jungs sind alle heiß und wollen Fußball spielen. Deshalb ist es schade, aber nicht zu ändern“, sagt der Coach. Tavan hofft aber, dass sich alles schnell zum Besseren verändert.

Ein weiterer Befürworter dieser Entscheidung ist auch Frank Lindenberg, Fußball-Spartenleiter des MTV Riede. Aufgrund der aktuellen Zahlen hält er die Pause bis zum Jahresende für „absolut sinnvoll.“ Eine Wiederaufnahme des Betriebs im Dezember hätte den MTV Riede aus sportlicher Sicht vor Probleme gestellt. „Der Trainingsrückstand wäre zu groß gewesen. Vor Anfang Dezember hätten wir so oder so nicht starten können. Zudem wäre aufgrund des Wetters kaum ein vernünftiges Training möglich gewesen, da unsere Plätze nicht so viel Wasser abkönnen. Diese Entscheidung tragen wir alle im Verein mit“, betont Lindenberg. Eine mögliche Fortsetzung der Saison im Januar hält der Spartenleiter des MTV Riede für unwahrscheinlich. „Auch hier spielt der Trainingsfaktor eine Rolle. Wir hätten zwei Monate kein Training gehabt und müssten quasi von null auf 100 wieder starten. Das kann nicht funktionieren. Man braucht ja auch eine gewisse Vorlaufzeit“, erklärt er.

Eine ähnliche Meinung hat auch Dariusz Sztorc, Trainer des TV Sottrum. „Es war klar, dass das passiert und man muss das auch realistisch sehen. Außerdem geht es bei uns nicht ums Geld. Wir sind alle Hobbysportler und die Gesundheit geht nun mal vor“, sagt der TVS-Coach. Grundsätzlich hält er sich bei diesem Thema eher zurück. „Ich passe mich einfach an und warte ab, was da noch kommt. Mir ist es wichtig, meine Spieler zu motivieren und dass sie weiterhin gesund bleiben.“ Eine mögliche Fortsetzung im Januar hält er für in Ordnung, „man muss aber abwägen, wie die Situation bis dahin ist“, blickt Sztorc vorsichtig voraus.

Deutliche Worte Richtung Verband

Eine ganz andere und vor allem klare Meinung dazu hat der Coach des TV Oyten Axel Sammrey. „Aus meiner Sicht war dieser Schritt zwangsläufig und bestätigt das, was wir schon vor langer Zeit gesagt haben. Mit einem Abbruch der letzten Saison hätte man das alles verhindern können. Nun stehen wir wieder da, wo wir im Frühjahr standen und wir müssen das nun ausbaden. Es wurden falsche Entscheidungen getroffen“, lautet die deutliche Aussage von Sammrey, der vor allem seine Spieler als Verlierer sieht. „Vom Kopf her muss es vor allem für die jungen Spieler schrecklich sein. Sie tun mir einfach leid“, bedauert er. Einen Start im Januar hält Sammrey für „absolut unrealistisch“. Aufgrund des Wetters sei die Gefahr zu groß, dass Spiele ausfallen und der Flickenteppich dadurch noch größer werde. „Meiner Meinung nach müsste die Saison komplett abgebrochen werden. Aktuell hat das mit einem normalen Fußballbetrieb nichts mehr zu tun“, stellt Axel Sammrey klar.

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