St. Pauli Abschied für Paulis "Stani" und "Truller"

Hamburg. In Hamburg sagt man tschüs - beim FC St. Pauli sogar gleich doppelt. Der Abschied von Trainer-Held Holger Stanislawski und der Abstieg der Kiez-Kicker aus der Fußball-Bundesliga drohen auf einen Tag zu fallen.
06.05.2011, 14:40
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Hamburg. In Hamburg sagt man tschüs - beim FC St. Pauli sogar gleich doppelt. Der Abschied von Trainer-Held Holger Stanislawski und der Abstieg der Kiez-Kicker aus der Fußball-Bundesliga drohen auf einen Tag zu fallen.

Auf jeden Fall werden am Samstag am Millerntor viele Packungen Taschentücher benötigt. "Ich habe schon etwas Angst vor diesem Tag", gab der scheidende St. Pauli-Coach Stanislawski vor dem letzten Saison-Heimspiel des Aufsteigers am Samstag gegen Bayern München voller Wehmut zu. "Es wird schwer werden, aber ich möchte versuchen, diese spezielle Atmosphäre und das St. Pauli-Flair noch einmal zu genießen."

Für ihn wird es auf jeden Fall das vorerst letzte Mal sein, denn nach 18 Jahren als Spieler, Sportdirektor und Coach geht die Ära Stanislawski am Millerntor zu Ende. Zur neuen Saison hat er die Herausforderung bei 1899 Hoffenheim angenommen. Seinen alten Kumpel, den einstigen Mitspieler und heutigen Co-Trainer André Trulsen, der mit Unterbrechungen gar seit 1986 ein St. Paulianer ist, wird er zu den Kraichgauern mitnehmen. "Wenn 'Truller' Brüste hätte, hätte ich ihn geheiratet", gab "Stani" mal im Spaß einen legendär gewordenen Spruch zum Besten, der das Vertrauensverhältnis perfekt beschreibt.

Doch auch wenn er nicht allein geht, wird es für Stanislawski ein trauriger Tag werden. Denn schon bei Bekanntgabe des Wechsels liefen die Tränen bei dem mitunter etwas nah am Wasser gebauten Ur-Hamburger und einigen seiner Mitstreiter. Ununterbrochen seit 1993 war er für den Club tätig. Jetzt aber sieht der 41-Jährige, der St. Pauli in gut dreieinhalb Jahren von der 3. in die 1. Liga geführt und nebenher 2008/2009 den Trainer-Lehrgang beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Jahrgangsbester abgeschlossen hat, den passenden Zeitpunkt gekommen.

Sein Entschluss sei unabhängig vom sportlich zuletzt nicht gerade befriedigenden Abschneiden mit St. Pauli gereift, so der Coach immer wieder. Die Perspektive in Hoffenheim ist für den Trainer-Aufsteiger weitaus besser, und nach so vielen Jahren bei ein- und demselben Verein sei der Zeitpunkt nun "einfach da" für einen Tapetenwechsel.

Dass seine seit zehn Spielen sieglosen Braun-Weißen Gefahr laufen, nach dem letzten Heimauftritt vorzeitig als erster Absteiger aus Liga 1 festzustehen, ärgert ihn. Nicht mal ein Sieg - der letzte gelang St. Pauli im Stadtderby beim HSV (1:0) am 16. Februar - über Rekordchampion Bayern würde die sportliche Rettung garantieren. Man will aber dennoch alles tun, um die letzte Chance zu wahren. "Robben, Ribéry, Müller - wir wissen, was uns erwartet. Das wird alles andere als einfach, aber wir wollen noch einmal alles in die Waagschale werfen", kündigte Stanislawski "voller Vorfreude" an.

"St. Pauli ist zwar so gut wie abgestiegen, wird aber sicherlich versuchen, sich mit Anstand aus der Bundesliga zu verabschieden. Das sollte Warnung genug sein für uns", mahnte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. "Die werden das Spiel nicht abschenken."

Danach wartet für St. Pauli noch die Partie in Mainz und bald darauf erfolgt für "Stani" und "Truller" der Umzug weg aus Hamburg. Zunächst werden beide ohne ihre Familien in die neue Heimat gehen. Und Trulsen weiß schon jetzt, was ihm fern von der Hansestadt am meisten fehlen wird: "Der Guten-Morgen-Kuss meiner Frau." (dpa)

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