Berlin Abstiegs-Gruft: Hertha grübelt über Heimfluch

Berlin. Die Heimschwäche treibt Fans und Profis von Hertha BSC fast in den Wahnsinn - und den Club in die Tiefen der 2. Liga. Das Olympiastadion wird zur Abstiegs-Gruft.
11.04.2010, 14:11
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Berlin. Die Heimschwäche treibt Fans und Profis von Hertha BSC fast in den Wahnsinn - und den Club in die Tiefen der 2. Liga. Das Olympiastadion wird zur Abstiegs-Gruft.

Während Stuttgarts Nationalstürmer Cacau seinen neunten Saisontreffer und damit das 1:0 (0:0) seines VfB in Berlin bejubeln durfte, grübelten alle Berliner nach der 30. Runde der Fußball-Bundesliga wieder einmal über die Gründe des Heimfluchs. «Natürlich haben wir gehofft, endlich den Sprung weg vom Tabellenende zu machen. Jetzt stehen wir mit leeren Händen da», musste Hertha-Manager Michael Preetz nach zuvor sieben Punkten aus drei Partien den herben Hoffnungs-Dämpfer eingestehen.

Auch nach 245 Tagen gelang dem Tabellen-Schlusslicht, der jetzt wieder fünf Punkte weg ist vom Relegationsplatz 16 als letztem Rettungsstrohhalm, auf heimischem Rasen nicht die Erlösung. Dabei hatten Arne Friedrich und Co. im «Strafspiel» - nach den Ausschreitungen gegen Nürnberg durften nur 25 000 Berliner Fans ins Olympiastadion; 8000 Ausgesperrte verfolgten auf einer Leinwand in der angrenzenden Waldbühne friedlich die nächste Heim-Pleite - gegen das beste Rückrunden-Team der Liga viel versucht. An der breiten Stuttgarter Brust aber prallten alle Bemühungen ab.

Mit einem aufmerksamen Torwart-Fastrentner Jens Lehmann, einer Abwehr um den starken Franzosen Matthieu Delpierre, dem die Statistik 100 Prozent gewonnene Zweikämpfe (!) attestierte, und dem hochmotivierten Cacau sicherte Stuttgart schon den zehnten Liga-Sieg in der Frühjahrsrunde. «Das gibt uns die Möglichkeit, weiter nach vor zu schauen», erklärte VfB-Trainer Christian Gross.

Während es der Schweizer in eindrucksvoller Manier schaffte, nach einem ähnlich desaströsen Saisonstart wie ihn Hertha erlebte, den VfB auf Europa-League-Kurs zu bringen, fruchteten die Anstrengungen seinen Kollegen Friedhelm Funkel nur in Ansätzen und mit hoher Wahrscheinlichkeit zu spät. So spät, dass sogar der beispiellose Negativrekord von Tasmania Berlin in greifbare Nähe rückt.

Tasmania hatte es als schlechtester Bundesliga-Club aller Zeiten geschafft, lediglich das erste und letzte Heimspiel der Saison 1965/66 zu gewinnen. Hertha brachte es nach dem «Dreier» gegen Hannover am 8. August des Vorjahres nun auch schon auf 14 vergebliche Heim-Versuche - nur noch zwei Anläufe gegen Schalke und Bayern bleiben. Die Berliner wurden vom Überraschungssieg von Hannover über Schalke und der erneuten Verletzung von Florian Kringe zusätzlich geschockt. Dortmund Leihgabe Kringe brach sich kurz nach seiner Einwechslung wieder den rechten Mittelfuß und muss wie schon vor einem halben Jahr operiert werden.

Die Durchhalte-Parolen des glücklosen Trainers Funkel wirken längst wie das Rufen im dunklen Wald. Natürlich weiß auch der erfahrene Fußball-Lehrer, dass angesichts des Restprogramms gegen Frankfurt und die Top-Drei der Liga der Absturz kaum noch zu vermeiden ist. Doch Funkel bleibt bei seinem Optimismus: «Wir haben das nüchtern analysiert, es geht weiter mit erhobenem Kopf. Es sind noch zwölf Punkte zu vergeben, von denen wir einige holen werden.»

Dass ausgerechnet ein abgefälschter Schuss des zunächst auf der Bank schmorenden Cacau (74. Minute) Hertha den K.o. versetzte, «ist symptomatisch für unsere Situation», bemerkte Unglücksrabe Steve von Bergen. Dem gebürtigen Brasilianer Cacau war das egal. Der um einen WM-Platz im Team von Bundestrainer Joachim Löw kämpfende Stürmer wollte seinen Treffer vor allem als Signal verstanden wissen. «Dem Trainer und der Mannschaft habe ich gesagt, dass ich bis zum Schluss für das Team da bin, alles gebe und versuche, Tore zu schießen. Das hat heute gut geklappt», erklärte der 29-Jährige, der den VfB zum Saisonende verlassen wird. (dpa)

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