Japan Alarmstimmung in Kamerun: Le Guen unter Druck

Bloemfontein. Der meistgehasste Mann Kameruns heißt seit Montag wohl Paul Le Guen. Der Fußball-Nationaltrainer steht nach der überraschenden 0:1-Niederlage im ersten WM-Spiel gegen Japan schwer in der Kritik.
15.06.2010, 12:20
Lesedauer: 2 Min
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Bloemfontein. Der meistgehasste Mann Kameruns heißt seit Montag wohl Paul Le Guen. Der Fußball-Nationaltrainer steht nach der überraschenden 0:1-Niederlage im ersten WM-Spiel gegen Japan schwer in der Kritik.

Schon in der Pressekonferenz in Bloemfontein muss sich der Franzose vorgekommen sein wie vor einem Tribunal. Ein Journalist stellte ihm «für das kamerunische Volk» drei Fragen, unter anderem warum er eine so miserable Taktik gewählt habe. Ein anderer rechnete ihm vor, viel Geld, einen Flugservice und ein tolles Teamquartier von dem westafrikanischen Land bezahlt bekommen zu haben. «Aber was muss man Ihnen noch geben, damit Sie mal gewinnen?»

Le Guen behielt in dieser Situation die Ruhe. Er kritisierte seine Spieler («Sie haben nicht gezeigt, was sie können»), aber er fiel nicht über sie her. «Wir müssen jetzt gegen Dänemark gewinnen, das wissen wir», meinte er. «Aber wir werden unser Bestes geben.»

Um ihn herum sind Fans und Medien in Kamerun dagegen von einem Extrem ins andere gefallen. Die neue Alarmstimmung ist an die Stelle einer überbordenden Erwartungshaltung getreten: Eine Mannschaft mit Starspielern wie Samuel Eto'o (Inter Mailand) oder Alexandre Song (FC Arsenal) muss doch bei einer WM auf dem eigenen Kontinent etwas reißen, lautete die gängige Meinung. Gegen Japan spielten die «Löwen» dann so arrogant, satt und antriebslos, als hätten auch sie das für selbstverständlich gehalten. Bezeichnend dafür war der Kommentar von Eto'o: «Wir haben vom Anfang bis zum Ende ein gutes Spiel gemacht und dominiert. Wir müssen jetzt am 19. rausgehen und gewinnen, das Spiel heute hat gezeigt, dass wir dazu einige Möglichkeiten haben.»

Eto'o ist Le Guens größte Hoffnung und größtes Problem zugleich. Er ist sein mit Abstand bester Spieler, lieferte Kritikern wie Altstar Roger Milla mit seiner Leistung gegen Japan aber neue Munition. Der Champions-League-Sieger von Inter Mailand spielte im Nationalteam schon wieder deutlich schwächer als im Verein.

Die Medien werfen Le Guen vor, Eto'o auf der Rechtsaußen-Position zu verschenken. Neben der Nicht-Berücksichtigung von Alexandre Song ist das die Hauptkritik am Trainer. Nach einem Bericht der Zeitung «Le Messager» hat Le Guen Song übelgenommen, dass der sich mit seinem Onkel Rigobert solidarisierte. Den setzte der Trainer als Kapitän der «Löwen» ab. Jetzt sitzen beide Songs nur auf der Bank.

Mit einer zentraleren Position für Eto'o und dem Einbau des dynamischen Alexandre Song bleiben Le Guen so einige Optionen, um das vorzeitige Ausscheiden in den Spielen gegen Dänemark und die Niederlande noch abzuwenden. Beides könnte Kameruns Spiel genau die Impulse geben, die ihm gegen Japan so offenkundig fehlten. Mit den jungen Bundesliga-Profis Eric Maxim Choupo-Moting (1. FC Nürnberg) und Joel Matip (Schalke 04) hat der Trainer dazu noch zwei weitere Hoffnungsträger ausgemacht. «Ich glaube an sie. Sie sind für die Zukunft und Gegenwart von Kamerun sehr wichtig», meinte Le Guen. Auch wenn das über ihn selbst zurzeit wohl niemand sagt im Land. (dpa)

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