WM-Tagebuch vom 9. Juni Als Wiese noch die Sixpacks holte

In seinem WM-Tagebuch berichtet WESER-KURIER-Sportchef Marc Hagedorn täglich von der Endrunde in Brasilien. Heute geht's um eine Anekdote aus der Werder-Zeit, als Tim Wiese noch das Bier brachte.
10.06.2014, 11:21
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Als Wiese noch die Sixpacks holte
Von Marc Hagedorn

Ja, ich bin mit der deutschen Nationalmannschaft in derselben Maschine nach Brasilien geflogen. Aber nein, ich habe keinen der Spieler zu Gesicht bekommen. Dafür waren Poldi, Schweini und der Per in der geschätzt 800 Meter langen Boeing einfach zu gut abgeschirmt.

Aber das ist mir doch egal, ich habe mir einfach vorgestellt, was im vorderen Teil der Maschine passiert ist. Jeder Spieler, so nehme ich mal an, hatte seine eigene Stewardess, die ihm alle 60 Minuten den Nacken massiert hat. Es wurden gesunde Häppchen verzehrt und handgeschöpftes Mineralwasser (ohne Prickel!) gereicht. Jeder Spieler studierte auf seinem Smartphone, Laptop oder Tablet die aktuelle Gegneranalyse. Bisschen langweilig, ja, aber högscht professionell.

Meine bisher weiteste Reise war da schon geselliger. Sie ging vor ein paar Jahren mit Werder nach Kasachstan zu einem Qualifikationsspiel in der Europa League. Damals flogen Mannschaft und Journalisten auch in einer Maschine – wie heute, fein getrennt. Die vorne, wir hinten. Irgendwann auf dem Rückflug, Werder hatte mannhaft 2:0 gewonnen, kam Tim Wiese zu uns. Dazu muss man wissen, dass Tim Wiese damals noch Fußballtorwart war, bevor ihm sein Berufsberater bei der Agentur für Arbeit vor einiger Zeit empfohlen hat, auf Bodybuilder umzuschulen.

Na jedenfalls: Tim Wiese kam also nach hinten, hatte einen Sechserträger Dosenbier dabei und verteilte den edlen Tropfen an uns. Als die erste Rutsche weggetrunken war, holte Tim Wiese Nachschub. Der Flug, das kann man sich vielleicht denken, ging ziemlich schnell vorbei. Anders als der Trip mit dem DFB. Aber das ist ja auch kein Wunder: ohne Tim „Sixpack“ Wiese.

Jogi Löw hat auf Tim Wiese nämlich verzichtet. Tim Wiese wiegt inzwischen cirka 450 Kilo und hat Oberarme, die dicker sind als Baumstämme. Er allein hätte im Flieger vermutlich eine ganze Sitzreihe für sich und seinen Körper gebraucht. Das ging natürlich nicht. Man stelle sich nur mal vor, Löw hätte am Ende, um den nötigen Platz zu schaffen, noch alle Stürmer zu Hause gelassen. Nicht auszudenken.

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