Beginn der deutschen WM-Mission in Brasilien Ankunft im Nichts

Santo Andre. Hier also soll der neue Weltmeister in Form gebracht werden. Der Trainingsplatz der deutschen Nationalmannschaft liegt mitten im Nichts. Mit Kleinbussen werden die Profis von ihrer Appartement-Anlage hierher gefahren.
10.06.2014, 00:00
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Ankunft im Nichts
Von Marc Hagedorn

Hier also soll der neue Weltmeister in Form gebracht werden. Der Trainingsplatz der deutschen Nationalmannschaft liegt mitten im Nichts. Mit Kleinbussen werden die Profis von ihrer Appartement-Anlage hierher gefahren. Es geht über staubige Wege und bucklige Pisten durch viel verbranntes Land.

Das Trainingsquartier selbst ist tip-top. Kein Wunder, es wurde extra für den DFB gebaut. 3,5 Millionen Euro hat das Gesamtprojekt gekostet. Erstklassiger grüner Rasen, sogar Flutlicht für spätabendliche Trainingseinheiten, wenn es in Santo Andre nicht mehr ganz so drückend heiß ist wie jetzt, Ortszeit 9.30 Uhr.

Heute ist die Trainingsanlage so eine Art Rummelplatz, ein Tag der offenen Tür. Der DFB lässt öffentlich trainieren, was er sonst nie tut. Einmal pro Turnier schreibt die FIFA das aber vor. Also drängen sich gut 500 brasilianische Zuschauer und über 100 meist deutsche Journalisten am Spielfeldrand, die es mit ihren Eintrittskarten und Akkreditierungen vorbei an Polizisten und Militärs in Kampfmontur geschafft haben.

Für die Sicherheit der Mannschaft im 800-Einwohner-Dorf Santo Andre ist in den nächsten Wochen gesorgt. Das wird in Brasilien auch kritisch gesehen. Die Zeitung „Folha de Sao Paulo“, zweitgrößtes Blatt des Landes, titelte am Montag: „Deutschland baut Berliner Mauer in Bahia“. Für den DFB-Tross um Bundestrainer Joachim Löw hat die Abschottung einen hilfreichen Effekt: Hier können sich die Spieler voll und ganz auf das Wesentliche konzentrieren. Den Fußball. Vom Montagstraining gibt es gute Nachrichten. Manuel Neuer scheint fit zu sein. Während Roman Weidenfeller und Ron-Robert Zieler beim Mini-Turnier mit drei Mannschaften á sieben Spielern im Tor stehen, lässt sich der Bayern-Torwart von Andreas Köpke etwas abseits die Bälle zuschießen. Neuer fängt, faustet und hechtet. Einmal dehnt er die verletzte und nun offenbar wieder funktionstüchtige rechte Schulter, die ihn knapp drei Wochen lang zu einer Pause gezwungen hatte. Auf dem Spielfeld schießen derweil Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos die ersten Tore. Immer wieder werden zwischendurch Getränke gereicht. Die Kühlboxen des DFB sind gut gefüllt.

Gesänge auf dem Parkplatz

Die Spieler tragen Trikots, auf denen steht in Portugiesisch: Schön, hier zu sein. Obregado Brasil, Danke Brasilien, prangt auf dem Rücken. Der DFB gibt sich an diesem Tag alle Mühe, Nähe zu demonstrieren. Dazu zählt auch, dass eine Abordnung des Pataxó-Stammes empfangen wird. Die Indianer reden mit Manager Oliver Bierhoff, posieren für ein paar Fotos und stimmen auf dem Parkplatz traditionelle Gesänge an. Nach dem Training führt die Gruppe einen Glückstanz auf. Dann müssen auch die Indianer gehen. Ab sofort ist der DFB in Santo Andre wieder für sich.

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