Furioser Sieg beim BVB Aufsteiger VfB Stuttgart verzückt die Fachwelt

Fünf Tore in Dortmund schafften zuletzt nur die Bayern vor über elf Jahren. Am Samstag wiederholte der VfB Stuttgart dieses Kunststück. Der furiose Auftritt beim vermeintlichen Titelanwärter ist eine weitere Bestätigung für exzellente Arbeit.
13.12.2020, 12:19
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Jürgen Klopp hatte sich nicht direkt gemeldet. Am Vormittag nach dem wohl größten Moment seit dem Wiederaufstieg des VfB Stuttgart hatten Sportdirektor Sven Mislintat zumindest noch keine Glückwünsche seines ehemaligen Dortmunder Kollegen erreicht.

Während Nachrichten über eine Ablösung von BVB-Trainer Lucien Favre die Runde machten, wollte sich der 48-Jährige nicht zu ausschweifend mit Gratulanten und zu großer Euphorie beschäftigen. Zwar versetzte der 5:1-Coup bei Borussia Dortmund den VfB in Hochstimmung, schnell aber richtete Mislintat den Blick auf die nächste Aufgabe schon am Dienstag gegen Union Berlin - und blieb bescheiden.

„Wenn du so ein Spiel machst, darfst du mit einem Lächeln aufwachen. Du darfst auch Selbstbewusstsein daraus ziehen“, sagte Mislintat - und stellte zugleich warnend klar: „Wir beschäftigen uns nicht mit Europa, sondern mit Union Berlin.“ Das Ziel des Aufsteigers bleibe der Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga, wiederholte der frühere BVB-Chefscout unmissverständlich.

Die Stuttgarter scheinen jedoch auf gutem Weg, eine neue Attraktion der Liga zu werden. Von den zeitweise ziemlich zähen Auftritten der vergangenen Spielzeit ist nicht mehr viel übrig geblieben, Abstiegssorgen sind für die junge Truppe von Trainer Pellegrino Matarazzo als Siebter momentan kein Thema. Doch auch Vorstandschef Thomas Hitzlsperger demonstrierte Bodenständigkeit und erinnerte am Sonntag auch an bittere Momente aus der vergangenen Zweitliga-Saison.

Nur wenige Minuten nach dem Abpfiff hatte sich der 38-Jährige noch ungewöhnlich euphorisch geäußert. „Ich könnt Konfetti kotzen, so happy bin ich über das, was ich gerade sehen durfte“, kommentierte der Vorstandschef via Twitter. Dass der Underdog dem hohen Favoriten aus dem Revier ausgerechnet in dessen Paradedisziplin Tempofußball eine Lehrstunde erteilte, erfüllte auch Matarazzo mit Stolz. „Wir haben brutal als Einheit funktioniert und mit Dominanz und Überzeugung gespielt“, schwärmte der VfB-Coach.

Mit viel Spielwitz, höchstem Tempo und imposanter Zweikampfführung sorgten die Schwaben für die höchste Heimniederlage des BVB seit September 2009. Matarazzo blieb in seinen ersten sechs Bundesliga-Auswärtsspielen ohne Niederlage. Das schafften vor ihm nur sechs andere Fußball-Lehrer, darunter auch Joachim Löw in der Saison 1996/97 ebenfalls mit Stuttgart.

© dpa-infocom, dpa:201213-99-674978/3 (dpa)

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