München Bayern-Falle Übermut - Ribéry wertvoll wie Robben

München. Nur kein Übermut! Nach dem Torfestival gegen Sparringspartner Hannover 96 warnt Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Irrglauben an einen Münchner Selbstläufer gegen Olympique Lyon.
19.04.2010, 17:21
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München. Nur kein Übermut! Nach dem Torfestival gegen Sparringspartner Hannover 96 warnt Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Irrglauben an einen Münchner Selbstläufer gegen Olympique Lyon.

«Es ist nicht gut, zu euphorisch zu werden», mahnte der Vorstandschef vor dem Halbfinal-Hinspiel in der Champions League in der ausverkauften Münchner Arena.

Zumindest bei den Fußball-Profis scheint die Aufforderung zum Realismus anzukommen. «Für Mittwoch bedeutet das 7:0 gegen Hannover gar nichts», erklärte Philipp Lahm. Und Nationalelf-Kollege Bastian Schweinsteiger stellte fest: «Lyon wird ein ganz anderes Spiel. Lyon hat Real Madrid und auch Girondins Bordeaux ausgeschaltet, gegen die wir zweimal in der Gruppenphase verloren haben.» Auch Bundestrainer Joachim Löw erwartet ein «interessantes» und «enges Spiel», in dem er den Bundesliga-Spitzenreiter als «leichten Favoriten» sieht.

In der Vorbereitung müssen die Bayern teilweise ohne Chefcoach Louis van Gaal auskommen. Der Holländer nimmt in seiner Heimat an der Beerdigung seiner Schwiegermutter teil. Sein Assistent Andries Jonker wird ihn darum unter anderem bei der internationalen Pressekonferenz vertreten. Nach dem Schützenfest gegen Hannover wünscht sich van Gaal vor allem eines, ein Heimspiel zu Null: «Ein 0:0 oder 1:0 ist besser als 2:1. Klingt komisch, ist aber so.»

Ein wenig Schadenfreude können die Bayern darüber empfinden, dass der Gegner wegen der Vulkanasche aus Island bei der Anreise eine strapaziöse Bustour verkraften muss. In Minivans machte sich die OL-Delegation auf die lange Anreise aus Südfrankreich. Ein wenig ausgleichende Gerechtigkeit dafür, dass Lyon nach dem Hinspiel eine Woche lang Kraft schöpfen kann für die alles entscheidende zweite Partie, weil das nationale Punktspiel gegen AS Monaco von Samstag in den Mai verschoben wurde. «Sie reisen in zwei Tagen an, ich denke nicht, dass das ein Nachteil ist», kommentierte van Gaal.

Der Coach muss das Handicap verkraften, dass Kapitän Mark van Bommel im Heimspiel wegen Gelb-Sperre fehlt. «Er ist mein Kapitän und ein Verlust», sagte der Holländer. Der Kroate Danijel Pranjic soll den Holländer im zentralen Mittelfeld ersetzen. Diego Contento wird hinten links den ebenfalls gesperrten Holger Badstuber vertreten.

Für Wirbel sorgt einmal mehr Franck Ribéry. Kein großes Problem stellt die Muskelverhärtung des Franzosen dar, der auch zu Wochenbeginn nicht mit der Mannschaft trainierte. Van Gaal rechnet fest mit einem «fitten» Ribéry - und einem absolut konzentrierten dazu. Dass der Sex-Skandal um die französische Nationalmannschaft, bei dem auch Ribéry vernommen wurde, den Flügelflitzer belasten könnte, glaubt der Bayern-Coach nicht: «Ich habe nicht den Eindruck. Er ist nur Zeuge.»

Van Gaal vermied einen weiteren Kommentar zur Affäre. «Bei uns in Holland sagt man: Während einer Untersuchung müssen wir immer unseren Mund halten», sagte er. Der Trainer erwartet von seinem Star: «Ich glaube, dass er mehr beschäftigt ist mit Olympique Lyon.»

Denn Ribéry will gegen seine Landsleute auftrumpfen und auch mal wieder aus dem Schatten des derzeit so umjubelten Teamkollegen Robben treten. Wobei Ribéry für van Gaal genauso wertvoll wie Robben ist: «Ribéry steigert sich jedes Spiel und ist immer entscheidend. Er hat Tore gemacht, bereitet Tore vor - und immer die wichtigsten.»

Einzelkönner wie Robben und Ribéry «können den Unterschied machen», betont van Gaal immer wieder. Aber entscheidend sei das Team, das sich unter dem knorrigen Fußballlehrer enorm entwickelt hat - taktisch, spielerisch und mental. «Es ist die stärkste Mannschaft vom Charakter her, in der ich gespielt habe», sagte Schweinsteiger. (dpa)

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