Leverkusen Bayern vergibt Meister-Matchball - Robben sauer

Leverkusen. Arjen Robben stürmte nach dem vergebenen Matchball um die deutsche Meisterschaft sauer in die Kabine. «Wir wussten vor dem Spiel, dass wir vielleicht alles entscheiden können, wenn wir gewinnen», wetterte der Niederländer über das 1:1 von Bayern München bei Bayer 04 Leverkusen.
11.04.2010, 13:40
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Leverkusen. Arjen Robben stürmte nach dem vergebenen Matchball um die deutsche Meisterschaft sauer in die Kabine. «Wir wussten vor dem Spiel, dass wir vielleicht alles entscheiden können, wenn wir gewinnen», wetterte der Niederländer über das 1:1 von Bayern München bei Bayer 04 Leverkusen.

«Dann müssen wir nicht 100 Prozent, sondern 200 Prozent geben.» Gelassener akzeptierte Bayern-Trainer Louis van Gaal das Remis: «Nach sieben Spielen in drei Wochen bin ich zufrieden. Wir sind Tabellenführer, haben unsere Position um einen Punkt ausgebaut und liegen sechs Punkte vor Leverkusen. Wir haben es jetzt in der eigenen Hand.» Stunden später kokettierte er bei einem Triplegewinn in dieser Saison mit einem vorzeitigen Abschied aus München. «Dann gehe ich weg. Natürlich, dann kann ich nichts mehr verbessern», scherzte er im ZDF-Sportstudio mit einem Schmunzeln. «Aber wir werden das abwarten», fügte er an. Van Gaals Vertrag in München läuft bis zum 30. Juni 2011.

Allerdings hätte nicht viel gefehlt und der müde Rekordmeister wäre ohne Zählbares an die Isar zurückgereist. «Rubel-Robben», wie das Tor-Genie nach seinem wertvollen Treffer im Champions-League- Viertelfinale in Manchester genannte wurde, hatte per Foulelfmeter zwar das 1:0 (51. Minute) markiert, doch die Werkself hatte vor und nach dem Ausgleich durch Arturo Vidal (59.) mehrere Großchancen. So trafen Tranquillo Barnetta (38.) und Stefan Kießling (57.) nur den Pfosten. «Es wäre verdient gewesen, wenn wir die Partie gewonnen hätten», urteilte Bayer-Chefcoach Jupp Heynckes. Und sein Torjäger Kießling meinte: «Weinen tue ich nicht. Freuen können wir uns natürlich über unsere Leistung.»

Während der FC Bayern nach dem Patzer des Tabellenzweiten FC Schalke 04 (2:4 in Hannover) das 22. Meisterstück fest im Visier hat und vom Triple träumen kann, muss Leverkusen wieder Abschied vom Titel-Traum nehmen. «Ich denke, dass wir eher nach unten schauen müssen», bekannte Heynckes mit Blick auf den Sechs-Punkte-Rückstand auf Platz eins vor den letzten vier Saisonspielen. «Meine Mannschaft ist in der Lage, den dritten Platz zu verteidigen», meinte der 64- Jährige, baute aber vor: «Als Vierter oder Fünfter sind wir auch im internationalen Wettbewerb.» Denn Borussia Dortmund (zwei Punkte zurück) und Werder Bremen (drei) liegen auf der Lauer.

Neben dem vergebenen «Dreier» hat Bayer 04 endgültig auch den Kampf um die stark aufspielende Bayern-Leihgabe Toni Kroos verloren. «Da sind die Würfel gefallen», sagte Münchens Manager Christian Nerlinger nach einem Gipfeltreffen der Vereinsspitzen. «Das war ein Ausleihgeschäft. Leverkusen hat profitiert, Toni Kroos hat profitiert und Bayern München auch.» Der Nationalspieler hat seine lange zur Schau gestellte Abneigung, zurückzukehren, inzwischen aufgegeben. «Es hat Spaß gemacht, gegen die Bayern zu spielen. Es kann aber auch Spaß machen, mit ihnen zu spielen», sagte Kroos. Anfang der Woche hat er einen Termin mit Trainer von Gaal, der ihm eine tragende Rolle geben möchte: «Ich sehe ihn mehr als Nummer zehn als auf der linken Bahn.»

Mehr als diese Personalie beschäftigt den Bayern-Clan jedoch, wie die historische Chance der Vollendung der Titel-Trilogie (Meister, DFB-Pokal, Champions League) gelingen kann. «Ich hoffe, dass es jeder merkt. Allzu oft war das nicht der Fall in den letzten Jahren, dass man in allen Wettbewerben so gut dasteht», sagte Bastian Schweinsteiger. «Deshalb müssen wir die Chancen, die wir haben, auch nutzen.» Auskosten wollen die Bayern-Profis nach dem Dauerstress zwei genehmigte freie Tage und eine schöpferische Pause bis zum nächsten Liga-Spiel gegen Hannover 96. «Die freien Tage sind auch ein Risiko, weil wir die Spritzigkeit behalten wollen», meinte van Gaal, fügte aber scherzend hinzu: «Zwei Tage ohne van Gaal tut den Spieler gut - und mir auch.»

Vergessen wird dann auch sein, dass den Münchnern in der Nachspielzeit noch ein Elfmeter versagt wurde, als Bayer-Verteidiger Hans Sarpei den eingewechselten Thomas Müller am Arm zupfte und beim Schussversuch aus Nahdistanz aus der Balance brachte. «Es wäre wohl nicht verdient gewesen, noch einen Elfmeter zu bekommen», meinte van Gaal zurecht. Mit Hannover, Borussia Mönchengladbach, dem VfL Bochum und Hertha BSC hat der FC Bayern auf dem Papier ein relativ leichtes Restprogramm. «Wir haben gegen Frankfurt verloren, wir haben gegen Köln Punkte gelassen», warnte jedoch Nerlinger. «Deshalb müssen wir höchst konzentriert sein. Aber die Ausgangslage ist sehr gut.» (dpa)

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