Freiburg

Beifall vom Gegner: Pauli mit Paukenschlag zurück

Freiburg. Als der Mannschaftsbus des FC St. Pauli den Parkplatz des Badenova-Stadions verließ, klatschten sogar einige Fans des SC Freiburg und winkten ihm hinterher.
22.08.2010, 10:40
Lesedauer: 2 Min
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Freiburg. Als der Mannschaftsbus des FC St. Pauli den Parkplatz des Badenova-Stadions verließ, klatschten sogar einige Fans des SC Freiburg und winkten ihm hinterher.

Die Hamburger hatten ihnen zwar gerade mit einem spektakulären 3:1-Auswärtssieg den Saisonstart verdorben, doch bei seiner Rückkehr in die Fußball-Bundesliga beeindruckte der Aufsteiger selbst den Gegner. Mit drei Toren in den letzten zehn Minuten drehte St. Pauli einen 0:1-Rückstand noch um. «Die Spieler glauben an sich. Heute ist alles aufgegangen», sagte Trainer Holger Stanislawski nach den Treffern von Fabian Boll (83.), Richard Sukuta Pasu (89.) und Fin Bartels (90.+1).

Hätte sich die Bundesliga nicht ohnehin schon über das Comeback des Kultclubs gefreut, wäre dies spätestens am Samstag der Fall gewesen. Rund 3000 mitgereiste Fans sangen nach dem Spiel ihre Hymne «You'll never walk alone» und feierten ihre Mannschaft mit «St. Pauli»-Rufen. Die Trainer und Ersatzspieler waren nach jedem der drei eigenen Treffer vor Freude auf den Platz gerannt. «Ich habe mich später bei einigen der Bilder nicht wiedererkannt. Das war, als ob ich selbst noch mitgespielt hätte», meinte Stanislawski. «Der FC St. Gaudi ist wieder da», schrieb die «Bild am Sonntag».

St. Pauli ist aber auch sportlich eine Bereicherung für die Liga, weil die Mannschaft genauso leidenschaftlich und energiegeladen spielt wie ihre Anhänger feiern. 17:9 Torschüsse und 61 Prozent gewonnene Zweikämpfe wies die Statistik den Hamburgern am Ende zu, sie waren in Freiburg schon vor der turbulenten Schlussphase das bessere Team mit den deutlich besseren Chancen gewesen.

Dem Aufsteiger kam dabei zugute, dass er eingespielt ist und kaum neue Spieler einzubauen hat. «Die Jungs glauben an ihre Spielweise», meinte Stanislawski. Genauso gut hätte er sagen können: Sie kennen den schnellen Kombinationsfußball in- und auswendig, den er sehen will.

2001 hatte Stanislawski als Spieler selbst miterlebt, wie viel zu viele Transfers nicht nur das Gesicht, sondern auch den Charakter der damaligen Aufstiegself veränderten. «Darauf haben wir in diesem Jahr bewusst verzichtet», sagte der 40-Jährige. Das neue St. Pauli zeigte in Freiburg viel Moral und Selbstvertrauen, als es nicht nur den Rückstand durch Papiss Cissé (78.) wegsteckte, sondern auch die eine Woche alte Pokal-Blamage in Chemnitz (0:1) sowie die Verletzungen von Neuzugang Gerald Asamoah und Spielmacher Charles Takyi. «Es war wichtig, dass wir auch in der Bundesliga als Mannschaft richtig gut funktionieren. Das hat jeder gesehen», meinte Stanislawski.

Beim SC Freiburg konnte davon keine Rede sein. Das schwache Spiel seiner Mannschaft erklärte Trainer Robin Dutt damit, dass sie zwei Wochen lang kaum vernünftig trainieren konnte. «Dafür haben uns zu viele Spieler gefehlt. Ich habe es fast befürchtet, dass die Mannschaft technisch, taktisch und körperlich noch nicht auf der Höhe ist, die ich mir zum Saisonstart vorgestellt hatte», meinte er. Cissé, Jan Rosenthal und Heiko Butscher waren erst kurzfristig fit geworden, bei Ömer Toprak, Johannes Flum und Igor Pamic ist daran noch nicht zu denken. Abhilfe soll auch ein neuer Stürmer schaffen. «Dass wir uns nach einem zusätzlichen Angreifer umschauen, ist kein Geheimnis», sagte Vereinschef Fritz Keller der «Badischen Zeitung». (dpa)

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