Kommentar zu 1899 Hoffenheim Blamieren statt etablieren

Sinsheim. Permanente Trainerwechsel, ein katastrophales Krisenmanagement im Fall Tim Wiese und jetzt auch noch der drohende Abstieg: 1899 Hoffenheim hat sich blamiert statt etabliert. Ein Kommentar von Olaf Dorow.
03.04.2013, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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Blamieren statt etablieren
Von Olaf Dorow

Es ist gar nicht so einfach, einen Klub in der Fußball-Bundesliga zu etablieren. Nicht mal, wenn ein Milliardär wie Dietmar Hopp sich das vornimmt und 250 Millionen Euro in das Projekt pumpt. Oder 350 Millionen, die Schätzungen liegen da ein wenig auseinander. Hoffenheim spielt zwar noch in der ersten Liga. Aber erstens liegt die Betonung auf noch. Zweitens kann von Etablieren keine Rede sein. Blamieren – das ist das Verb, das zu diesem Klub derzeit am besten passt.

Erst tauscht die TSG gleich dreimal innerhalb einer Hinrunde den Trainer aus, um in der Winterpause überteuert und weitgehend sinnfrei auf dem Transfermarkt zuzuschlagen, im Fall des Torwarts Tim Wiese ein katastrophales Krisenmanagement hinzulegen – und nun mit Marco Kurz auch noch den vierten Trainer rauszuwerfen. Und den Manager Andreas Müller dazu. Mehr Murks geht kaum.

Vielleicht wollte Hopp einfach zu viel. Er wollte quasi eine Quadratur des Kreises. Einerseits aus dem Nichts einen prosperierenden Fußballklub erschaffen und andererseits einen, der sich selbst trägt. Der eine Seele bekommt, der seine Talente in seiner Jugend-Akademie selbst ausbildet. Der sich auch ohne Hopps Zuschüsse gute Spieler leisten kann. Der Spieler, Sponsoren und Fans anzieht. Den man mag. Oder den man nicht mag. Hauptsache keinen, der den Leuten außerhalb der Ortschaft Sinsheim ziemlich egal ist.

Um das alles anzugehen, wirkt die Verpflichtung von Markus Gisdol als Nachfolger des geschassten Marco Kurz wie ein durchdachter Schritt. Gisdol kommt aus der Nachwuchsarbeit, er kennt Hoffenheim gut, er steht nicht im Verdacht, nur Schaum zu schlagen.

Vor ihm liegt allerdings eine Herkulesaufgabe. Er muss aus einem herummurksenden Retortenklub einen funktionierenden Verein machen, wenn er nicht der nächste Hoffenheimer Trainer ohne Langzeitwirkung werden will. Solch einen Aufgabenberg hatte einst nicht mal der junge Thomas Schaaf vor sich, als er als Werder-Trainer loslegte. Der musste sich noch nicht mal mit nervösen Vorgesetzten herumschlagen.

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