Boateng Boateng-Brüder getrennt - Böser Bube Kevin-Prince

Sciacca. Eigentlich wollte er sein Böses-Buben-Image endlich ablegen, doch nach dem brutalen Tritt gegen Michael Ballack steht Kevin-Prince Boateng mehr denn je als Buhmann da.
16.05.2010, 15:52
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Sciacca. Eigentlich wollte er sein Böses-Buben-Image endlich ablegen, doch nach dem brutalen Tritt gegen Michael Ballack steht Kevin-Prince Boateng mehr denn je als Buhmann da.

Der 23 Jahre alte gebürtige Berliner, Halbbruder des deutschen Nationalspielers Jérome Boateng, ist seit seinen Jugendzeiten als großes Fußball- Talent, aber auch als großspuriger und disziplinloser Spieler bekannt. «Klar ist, dass dies ein brutales Foulspiel war», sagte Bundestrainer Joachim Löw, wollte Kevin-Prince Boateng aber keine Absicht unterstellen.

Erst kurz vor dem englischen Cup-Finale hatte Kevin-Prince über seinen Berater in der «Berliner Zeitung» mitteilen lassen: Das sei sein bisher größtes Spiel, die Zeiten in Tottenhams Reserve- Mannschaft mit Nachtclub-Besuchen seien längst vorbei. Für den Berliner Jungen, der sich lange Zeit vor allem an schnellen Autos und teuren Klamotten orientierte, sollte das Pokal-Endspiel mit dem FC Portsmouth gegen Ballacks FC Chelsea auch ein Stück Neuanfang sein.

Nicht nur in Sciacca an der sizilianischen Küste ging ein Aufschrei durch die Fernseh-Räume im Verdura Resort, als die Szene von Boatengs brutalem Tritt nochmals gezeigt wurde. «Normalerweise war es eine Rote Karte, da gibt es keine zwei Meinungen. Er hat überhaupt keine Chance, den Ball zu spielen», kommentierte Löw das Foul, das die Weltmeisterschaft für Ballack infrage stellt und ganz Fußball-Deutschland in Sorge stürzt.

Kevin-Prince Boateng hat sich vor kurzem sportlich für das Land seines Vaters entschieden: Den Pass Ghanas hat er schon, kürzlich gab auch der Weltverband FIFA grünes Licht für seine WM-Teilnahme. Am 23. Juni in Johannesburg könnte Kevin-Prince mit den Afrikanern in der Vorrunde auf Deutschland treffen.

Der Ex-Herthaner, der im Sommer 2007 für 7,9 Millionen Euro zu Tottenham gewechselt war, hatte zuvor über 40 Mal für Jugendteams des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gespielt. Für seinen Bruder Jérome, der derzeit mit dem DFB-Team im ersten WM-Trainingslager auf Sizilien dabei ist, kam ein Wechsel nie infrage: «Für mich war zeitig klar, dass ich für Deutschland spiele, ich habe nie an Ghana gedacht.»

Kevin-Prince und Jérome haben den selben Vater, aber verschiedene Mütter. Der jüngere Bruder Jérome (21) ist in Wilmersdorf aufgewachsen, einem gutbürgerlichen Stadtteil Berlins. Kevin wurde als eine Art Ghetto-Kind im Wedding groß, war mitten drin im sozialen Brennpunkt. Sein älterer Bruder George, früher ebenfalls ein großes Fußball-Talent, verschenkte seine Chance durch Schlägereien und Randale. Für Jérome, der jüngste der drei Boatengs, war Kevin immer eine Leitfigur: Sie haben viel zusammen unternommen, von Kino bis Basketball - und natürlich Fußball.

«Ich kenne Kevin-Prince zu wenig, kann mir kein Urteil erlauben», sagte Löw zum mittleren Boateng-Bruder, der zwischenzeitlich auch bei Borussia Dortmund sein Glück gesucht, aber nicht gefunden hatte. «Letzten Sommer hat es einige Disziplinlosigkeiten bei der U21 mit ihm gegeben», erinnerte sich der Bundestrainer. Prince-Kevin wurde aus einem Trainingslager sogar nach Hause geschickt. Dass Bruder Jérome in Sizilien irgendwie von dem rüde Foul seines Bruders beeinflusst werden könnte, glaubt Löw nicht: «Er hat es nicht mal gesehen, kann dazu auch nichts sagen.» (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+