WM-Tagebuch vom 15. Juni Daumen hoch

In seinem WM-Tagebuch berichtet WESER-KURIER-Sportchef Marc Hagedorn täglich von der Endrunde in Brasilien. Heute geht es um die Lieblingsgeste der Brasilianer und andere seltsame Fingerzeichen.
15.06.2014, 14:28
Lesedauer: 1 Min
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Daumen hoch
Von Marc Hagedorn

In seinem WM-Tagebuch berichtet WESER-KURIER-Sportchef Marc Hagedorn täglich von der Endrunde in Brasilien. Heute geht es um die Lieblingsgeste der Brasilianer und seltsame Fingerzeichen.

Wir Deutschen und die Brasilianer, wir sind schon echte Sprachtalente. Wir sprechen mindestens drei Sprachen: Deutsch, Englisch und Portugiesisch. Leider aber keine davon gemeinsam. Das hindert beide Seiten aber zum Glück nicht daran, bei jeder Gelegenheit eine angeregte Konversation zu… versuchen, ist wohl das richtige Wort. Man hat ja Hände, Finger und Füße. Und wer sich auskennt in der Welt, der weiß ja sowieso: Jedes Land hat dazu noch seine eigene Zeichensprache.

Dem Engländer etwa, vor allem wenn er ein Hooligan ist, reicht ein Finger. Wichtig ist nur, dass es der Mittelfinger ist. Am besten im dauerhaft ausgestreckten Zustand. So kommt man durchs Leben. Fußballprofis brauchen dagegen zwingend beide Hände und alle zehn Finger, um neuerdings Herzen zu formen, vornehmlich, wenn sie gerade ein Tor geschossen haben. An wen der Gruß geht? Keine Ahnung. Die Frau? Die Geliebte? Den Berater? Den Investmentbanker? Ich weiß es nicht.

Was ich weiß, ist, dass Brasilien eine unangefochene Nummer eins in der Hitliste der Gesten hat: den erhobenen Daumen. Das Gute: Man kann ihn zu jeder Gelegenheit einsetzen und erntet immer noch ein Lächeln. Den Gegenüber nicht verstanden? Daumen hoch. Die Fähre knapp verpasst? Daumen hoch. Der Kellner bringt Wasser statt der bestellten Cola? Daumen hoch. Beim Überqueren der Straße von einem Motopeca – in Deutschland würde man mit viel gutem Willen Motorrad dazu sagen – also beim Überqueren der Straße fast von einem Motopeca überfahren? Daumen hoch.

Ich glaube, wenn wir hier in vier Wochen das Land wieder verlassen, dann werde ich ein halber Brasilianer sein. Ein bisschen merke ich das jetzt schon: Ihnen hat dieser Text nicht gefallen hat? Hey, mir doch egal. Daumen hoch. marc.hagedorn@weser-kurier.de

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