WM Der Mann ohne T: Ghana hat einen großen Torwart

Rustenburg. In seinem Verein war er der Ersatzmann des Reservetorwarts. Er galt als klassischer Wackelkeeper, doch nun steht Ghana auch dank der Paraden von Richard Kingson im WM-Viertelfinale.
30.06.2010, 12:22
Lesedauer: 2 Min
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Rustenburg. In seinem Verein war er der Ersatzmann des Reservetorwarts. Er galt als klassischer Wackelkeeper, doch nun steht Ghana auch dank der Paraden von Richard Kingson im WM-Viertelfinale.

Der Tormann trägt bei den «Black Stars» die 22 auf seinem Torwarttrikot, an seinem Status als Nummer 1 rüttelt längst keiner mehr. Auf den Mann aus Accra wird es auch am 4. Juli in Johannesburg ankommen, wenn sich Ghana mit Uruguay um einen Platz im Halbfinale streitet und Historisches anstrebt: Noch nie hat es ein afrikanisches Team unter die besten Vier der Fußball-Welt geschafft. Der ganze Kontinent zittert mit, aber diesmal nicht wegen des Torwarts.

Was war nicht alles gespottet und geschrieben worden über den 32 Jahre alten Keeper Ghanas. Er wurde als «Schwachpunkt» in einem ansonsten homogenen Team ausgemacht. Attribute wie flatterhaft, unsicher, anfällig beschrieben ihn ganz gut. In der englischen Premier League stand Kingson beim Mittelklasse-Club Wigan Athletic immer dann zwischen den Aluminiumstangen, wenn es um nichts mehr ging. Der 1, 83 Meter große Musikliebhaber war nur die Nummer drei hinter Serbiens Vladimir Stojkovic und dem Engländer Chris Kirkland.

Nun hat dieser Mann plötzlich eine Metamorphose durchlaufen und wird von vielen Experten als einer der besten Schlussmänner dieser Festspiele am Kap tituliert. Richard Kingson? Einer der Besten? Nach dem 2:1-Sieg im Achtelfinale gegen die USA sagte André Ayew: «Er hatte einen großartigen Tag. Er hat viele Bälle gehalten.»

Kingson warf sich in jeden Schuss, grätschte und faustete und wehrte (fast) alles ab, was auf sein Tor kam. «Ich glaube nicht, dass es das beste Spiel meiner Karriere war», sagte Kingson jedoch nach der Trainingseinheit im Mogwase Stadion bei Sun City. Kevin-Prince Boateng hatte sich die schwarze Baseballkappe tief ins Gesicht gezogen und wollte wieder einmal nicht reden.

Der freundliche Herr Kingson dagegen ging von einem Reporter zum nächsten. Die riesigen Kopfhörer um den Hals gehängt, sprach er in die Fernsehkamera eines türkischen Senders, grüßte im Gespräch mit einer attraktiven blonden jungen Dame all seine Freunde in Schweden und versicherte dem englischen Berichterstatter, dass er gerne in der Premier League weiterspielen wolle - trotz des schlimmen Wetters.

Kingson hat schon für zehn Vereine gespielt: Von 1995 bis 1998 bei Great Olympics in Ghana, von 1998 bis 2007 bei sechs verschiedenen Clubs in der Türkei. Dort nahm er neben der ghanaischen auch die türkische Staatsbürgerschaft an und nannte sich Faruk Gürsoy.

2007 folgte ein kurzes Gastspiel in Schweden, ehe er im selben Jahr auf die Insel wechselte, bei Birmingham City und schließlich bei Wigan landete. So richtig durchsetzen konnte er sich nie. Dennoch ist er mit mehr als 80 Einsätzen im Nationaltrikot Rekordspieler seines Landes. «Jeder hat gesehen, wie ich gespielt habe. Meine Leistung sollen andere beurteilen», sagte Kingson mit leiser Stimme.

Trainer Milovan Rajevac jedenfalls vertraute seinem Wandervogel auch nach Patzern wie im Testspiel gegen die Niederlande oder beim 1:1 gegen Australien in der Vorrunde. Kingson bedankte sich für das Vertrauen mit einer Leistung ohne Makel. «Ich glaube fest daran, dass wir es ins Halbfinale schaffen», sagte er jetzt. 2006 in Deutschland war im Achtelfinale Schluss. Aber da gab es ja auch Richard Kingson noch nicht. Im Tor stand ein gewisser Richard Kingston, doch wegen eines Schreibfehlers der FIFA war aus Kingston Kingson geworden - das gefiel dem Schlussmann Ghanas so gut, dass er den Namen behielt. (dpa)

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