Reinhard Grindel entschuldigt sich

DFB-Präsident zurückgetreten

Reinhard Grindel ist von seinem Amt als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zurückgetreten. Das gab Grindel am Dienstag in Frankfurt in einer persönlichen Erklärung in der Verbandszentrale bekannt.
02.04.2019, 13:14
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DFB-Präsident zurückgetreten

Reinhard Grindel ist als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zurückgetreten.

Boris Roessler/dpa

Jetzt ist es amtlich: Reinhard Grindel ist mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zurückgetreten.

Der 57 Jahre alte Grindel, der bei der Eröffnung der Hall of Fame im Fußballmuseum in Dortmund am Montag noch geschwiegen hatte, zog damit nach drei Jahren als DFB-Präsident die Konsequenzen aus den Anschuldigungen und der schweren Kritik gegen seine Person in den vergangenen Tagen ziehen.

Ligapräsident Reinhard Rauball und Vizepräsident Rainer Koch übernehmen vorerst die Geschäfte beim Deutschen Fußball-Bund. Dies gelte bis zum DFB-Bundestag im September, teilte der DFB am Dienstag mit.

Nach den vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" erhobenen Vorwürfen, dass er Zusatzeinkünfte über 78.000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB-Medien Verwaltungs-Gesellschaft in den Jahren 2016 und 2017 nicht publik gemacht habe, fand der einstige CDU-Berufspolitiker in den vergangenen Tagen kaum noch Rückhalt in der Verbandsspitze. Die DFB-Presseabteilung versicherte, dass Grindel bei seinem Amtsantritt korrekte Auskünfte über seine Einkünfte gemacht habe. Den gut dotierten Aufsichtsratsposten trat er drei Monate später an.

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In einer Erklärung entschuldigt sich Grindel für sein "wenig vorbildliches Handeln in Zusammenhang mit der Annahme einer Uhr". Er habe damit "Vorurteile gegenüber haupt- oder ehrenamtlich Tätigen im Fußball bestätigt".

Am Montagabend war die Kritik an Grindel bereits lauter geworden. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sagte: "Wenn man in solch einer Position ist und solche Dinge ans Licht kommen, sollte man zumindest Argumente haben, um sie so schnell wie möglich beiseite zu räumen. Beim DFB wird aber schon einmal gerne zu lange rumgeeiert."

Auch Andreas Rettig, Geschäftsführer beim Zweitligisten FC St. Pauli, ging verbal auf Distanz: "Einen Platz in der Hall of Fame würde Grindel heute sicher nicht bekommen. Das Erscheinungsbild des DFB ist schon seit längerer Zeit verbesserungswürdig."

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Gemeint sein dürfte vor allem das Jahr 2018, als auf das erstmalige WM-Vorrundenaus der deutschen Nationalmannschaft in Russland die Affäre um Mesut Özil folgte. Der 30-Jährige musste nach einem Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan den WM-Sommer über harsche Kritik einstecken und fühlte sich vom DFB nicht ausreichend beschützt.

Danach trat Özil mit einem via Social Media verbreiteten Rundumschlag aus der DFB-Elf zurück und übte dabei auch harsche Kritik an Präsident Grindel. Dieser räumte später ein: "Ich hätte mich angesichts der rassistischen Angriffe an der einen oder anderen Stelle deutlicher positionieren und vor Mesut Özil stellen müssen. Da hätte ich klare Worte finden sollen."

Die Präsidiumsmitglieder des DFB bedanken sich in einer Stellungnahme bei Grindel "für seine langjährige Arbeit als Präsident und zuvor als Schatzmeister des DFB" und sprechen ihm ihren Respekt für die persönliche Entscheidung aus. Die kommenden sechs Monate bis zur Wahl eines neuen Präsidenten würden genutzt, um einen Kandidaten zu finden, der sowohl vom DFB als auch von der DFL getragen werde. Man werde zudem daran arbeiten, die Strukturen im Verband weiterzuentwickeln und für die Zukunft zu optimieren.

Reinhard Grindel behält auch nach seinem Rücktritt als DFB-Präsident seine Posten bei UEFA und FIFA. Der 57-Jährige werde die Ämter im Exekutivkomitee des europäischen Dachverbands und im Council des Weltverbands "in enger Abstimmung mit dem DFB" fortführen, teilte der Deutsche Fußball-Bund am Dienstag weiter mit.

Die beiden Ämter im internationalen Fußball werden mit rund einer halben Million Euro pro Jahr entlohnt. Sie sind an die Person gebunden, nicht an das Amt beim DFB. Bei der UEFA ist Grindel bis 2021 gewählt. Ins Council des Weltverbandes wurde er gerade im Februar für vier weitere Jahre wiedergewählt. Offizieller Beginn des neuen Mandats bis 2023 ist allerdings erst beim FIFA-Kongress am 5. Juni in Paris.

Mit dieser geteilten Lösung zwischen den Ämtern beim DFB und bei den internationalen Verbänden gab es in der Vergangenheit eher schlechte Erfahrungen. Auch die Grindel-Vorgänger Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger waren noch lange in internationalen Funktionen, obwohl sie beim DFB schon keinen Posten mehr hatten. Grindel selbst hatte stets betont, dass er als DFB-Chef auch in den internationalen Gremien sitzen müsse, um Reibungsverluste zu vermeiden. (dpa/rab)

++ Dieser Artikel wurde um 15.48 Uhr aktualisiert ++

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