Fußball Die WM vergessen: Saisonstart in Frankreich

Paris. Der spektakulärste Transfer tat sich auf dem Trainermarkt. Wenn am 7. August nach dem WM-Desaster in Südafrika die heimische Liga startet, blickt Frankreich vor allem auf Jean Tigana. Der Fußball-Europameister von 1984 wird bei Girondins Bordeaux Nachfolger von Laurent Blanc.
06.08.2010, 14:33
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Paris. Der spektakulärste Transfer tat sich auf dem Trainermarkt. Wenn am 7. August nach dem WM-Desaster in Südafrika die heimische Liga startet, blickt Frankreich vor allem auf Jean Tigana. Der Fußball-Europameister von 1984 wird bei Girondins Bordeaux Nachfolger von Laurent Blanc.

Für geschätzte 1,5 Millionen Euro wurde Blanc aus seinem noch ein Jahr laufenden Vertrag herausgekauft, um als Nationalcoach Raymond Domenech zu beerben und die abgestürzte «Grande Nation» wieder aufzurichten. Obwohl das Gros der Skandalkicker nicht in der Ligue 1 seiner Arbeit nachgeht, sehen sich (fast) alle Franzosen in der Verantwortung, den desaströsen Eindruck von der WM vergessen zu machen. Auch Tigana hat Großes vor mit seinem neuen Club.

«Ich will in die Champions League», sagt der 54-Jährige vor dem ersten Saisonspiel bei HSC Montpellier. Angst davor, dass die Fußstapfen zu groß sind? «Ach, man ist immer Nachfolger von irgendeinem. In Monaco war es Arsene Wenger. Und trotzdem habe ich auch als Trainer Titel gewonnen», sagt Tigana.

Sieben in vier Vereinen, wenn man großzügig zählt. Keinen mit Olympique Lyon (1993 - 1995), Meister und Supercup 1997 mit AS Monaco (1995 - 2000), Zweitliga-Meister 2001 und Intertoto-Cup 2002 mit Fulham (2000 - 2003), Pokalsieger 2006 und 2007 sowie Supercup- Gewinner 2006 mit Besiktas Istanbul (2005 - 2007).

Und jetzt also wieder Bordeaux, wo er vor 21 Jahren als begnadeter Mittelfeldspieler aufhörte. Auf die Frage, ob die Verpflichtung von Tigana trotz aller Meriten nicht doch ein Risiko sei für einen Verein, der wieder hoch hinaus will, antwortet Präsident Jean-Louis Triaud: «Auf keinen Fall. Er war unser erster Ansprechpartner, und die Verhandlungen haben nur zwei, drei Minuten gedauert.»

Girondins' Hauptkonkurrent ist Meister Marseille. Olympique- Trainer Didier Deschamps, Weltmeister von 1998, setzt auch auf bewährte Kräfte. Er darf bis Ende August investieren - aber, so Madame Louis-Dreyfus, Witwe des verstorbenen Mäzens, in einem «ausgewogenen Verhältnis». Auch Olympique Lyon, einziger börsennotierter Verein Frankreichs und von 2002 bis 2008 durchgehend Meister, will endlich wieder ganz nach vorn.

Traditionsverein AS St. Etienne hat seine Abwehr verstärkt, um nicht wieder 45 und 56 Gegentore wie in den vergangenen Jahren zu kassieren. Das von den Vereinsbossen formulierte Ziel, 2011 um die Champions-League-Plätze mitzuspielen, ist aber unwahrscheinlich. Gerade erst ist eine amerikanische Investitionsgesellschaft, die 20 Millionen Euro in den Verein pumpen wollte, abgesprungen. Grund: Das Bild des französischen Fußballs sei nach der WM eine Katastrophe.

Ob AJ Auxerre wieder den erfolgreichen Außenseiter mimen kann, ist offen. Nach dem überraschenden dritten Platz wartet nun die Zusatzbelastung in einem der beiden Europapokale. Das 1:3 beim Bundesliga-Aufsteiger Kaiserslautern offenbarte, dass noch viel Arbeit auf Trainer Jean Fernandez wartet. Der hat als Ziel den Klassenverbleib ausgegeben. (dpa)

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