Kommentar Die WM wird ein Fest

Santo Andre. Am Donnerstag beginnt die Fußball-WM in Brasilien und die brasilianische Bevölkerung taumelt zwischen riesiger Vorfreude und grenzenloser Empörung ob der Korruption und Bereicherung der FIFA. Dabei bleibt eine Tasache auf der Strecke.
12.06.2014, 00:00
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Die WM wird ein Fest
Von Marc Hagedorn

Santo Andre. Am Donnerstag beginnt die Fußball-WM in Brasilien und die brasilianische Bevölkerung taumelt zwischen riesiger Vorfreude und grenzenloser Empörung ob der Korruption und Bereicherung der FIFA. Dabei bleibt eine Tasache auf der Strecke.

Was war das für eine Freude am 30. Oktober 2007, als feststand, dass die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien stattfinden würde. Welcher Ort wäre besser dafür geeinigt, als die Heimat von Pele, Zico und Ronaldo. Brasilien, die Heimat des „Joga bonito“, des schönen Spiels.

Und heute? Jetzt, wo es endlich los gehen soll, liegen die Dinge komplizierter. Das brasilianische Volk protestiert, weil das viele Geld, das in teils überflüssige Stadionneubauten gesteckt worden ist, viel sinnvoller für neue Schulen und bessere Krankenhäuser ausgegeben worden wäre. Viele Fußballfans verlieren langsam, aber sicher die Freude an ihrem Sport, weil beinahe täglich neue Enthüllungen zu Korruption und Machtmissbrauch beim Weltverband FIFA öffentlich werden. Es gab Zwangsräumungen und Zwangsumsiedlungen in nahezu allen WM-Städten, um Platz zu schaffen für die globale und glitzernde Scheinwelt, zu der das Fußball-Business über die Jahre geworden ist.

Darf man sich vor diesem Hintergrund überhaupt darauf freuen, dass es heute mit dem Spiel Brasilien gegen Kroatien los geht? Ja, man darf. Wer die Menschen hier in Brasilien erlebt, der erlebt trotz vieler Sorgen eine große Lebensfreude und Zuversicht, die man in Deutschland kaum mehr findet. Kinder tragen das gelbe Trikot der Seleção, der Nationalmannschaft, mit Stolz. Jedes noch so kleine Dorf ist geschmückt in den Farben der teilnehmenden Länder. Die Bars und Cafes werden herausgeputzt für die anstehenden Fernsehübertragungen.

Die WM in Brasilien wird die Stimmungslage im Land ziemlich präzise abbilden: Brasilien, wie es taumelt zwischen Protest und Party, zwischen Freude und Kritik. Verdorben sind die Politiker und die Funktionäre. Der Fußball, dieses schöne Spiel, ist nur ihre Bühne. Er kann nichts dafür.

marc.hagedorn@weser-kurier.de

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