Wolfsburg Disco-Streit: Lenz Not-OP - zähe VfL-Trainersuche

Wolfsburg. Ein blutiger Disco-Streit hat den Saisonausklang bei Ex-Meister VfL Wolfsburg überschattet. Torwart André Lenz wurde bei dem Zwischenfall schwer verletzt.
09.05.2010, 22:01
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Wolfsburg. Ein blutiger Disco-Streit hat den Saisonausklang bei Ex-Meister VfL Wolfsburg überschattet. Torwart André Lenz wurde bei dem Zwischenfall schwer verletzt.

Der 36-Jährige musste notoperiert werden, Lebensgefahr bestand nach Angaben der Polizei aber nicht. Auch sportlich fiel die Bilanz trotz des versöhnlichen 3:1 (3:0) gegen Eintracht Frankfurt nicht positiv aus. «Platz acht ist nicht berauschend. Wir haben zu Hause zu viele Punkte liegen lassen», stellte der umjubelte Bundesliga- Torschützenkönig Edin Dzeko fest.

Mit seinem 22. Saisontor wurde der Bosnier Nachfolger seines Teamkollegen Grafite. Doch Dzekos ungewisse Zukunft, die offene Trainerfrage, die verpasste Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb und der ungeklärte Vorfall in einer Innenstadt-Diskothek trübten das Bild erheblich. Routinier Lenz, der zu den ruhigsten Profis im VfL-Kader zählt, erlitt bei der Auseinandersetzung mehrere Stich- und Schnittwunden und verlor viel Blut.

Der Ersatzkeeper hatte mit einem Großteil der Mannschaft in dem Lokal gefeiert. Nach ersten Ermittlungen eskalierte ein Streit - es flogen Gläser und Flaschen. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar. «Wir müssen die Zeugenbefragungen und Angaben der Verletzten abwarten», betonte ein Polizeisprecher am Sonntag. Neben Lenz wurden drei andere Disco-Besucher im Alter zwischen 24 und 35 Jahren schwer verletzt.

«Als wir hörten dass André Lenz schwer verletzt worden ist, waren wir sehr betroffen. André ist in der Mannschaft ein sehr angesehener Spieler. Wir sind natürlich froh, dass es ihm genau wie den drei anderen Verletzten den Umständen entsprechend gut geht. Es hätte auch schlimmer ausgehen können, sagte Dieter Hoeneß, der Vorsitzende der Geschäftsführung des VfL Wolfsburg, über den Ersatzkeeper.

Interimscoach Lorenz-Günther Köstner wurde am Vortag bei seinem Abschiedsspiel gefeiert und konnte sich auf seine Fußball-Profis verlassen. «Die Mannschaft hat noch einmal Gas gegeben», sagte Manager Dieter Hoeneß nach den Toren von Zvjezdan Misimovic (21. Minute), Sascha Riether (31.) und Dzeko (34.). Für die ersatzgeschwächten Frankfurter, die mit 46 Zählern Zehnter wurden und im Soll blieben, markierte Halil Altintop (86.) den Treffer.

Direkt nach dem Abpfiff ließen sich zunächst Köstner und Dzeko vor der Fan-Tribüne feiern, erst danach kam der Rest des Teams dazu. Das könnte ein Indiz sein, dass auch der Top-Stürmer die Wolfsburger verlässt. Doch bisher gibt es keinen Verein, der erklärt hat, dass er die festgeschriebene Ablösesumme von 40 Millionen Euro zahlen will. «Ich wünsche mir, dass er bleibt. Wir wollen in der nächsten Saison wieder angreifen», erklärte Hoeneß. Mit Grafite und Dzeko gewannen erstmals zwei Spieler eines Clubs nacheinander die Torjägerkanone. «Das ist super und spricht für die Klasse der beiden Profis», sagte Hoeneß zu dem Bundesliga-Novum.

Das Rätsel um den neuen VfL-Trainer konnte der Manager direkt nach dem Frankfurt-Spiel nicht lösen. «Wenn es nur an uns liegt, gibt es eine schnelle Entscheidung», sagte Hoeneß. Als Favorit bei der zähen Trainersuche gilt in Wolfsburg der Engländer Steve McClaren. Er führte Twente Enschede erstmals zur Meisterschaft in den Niederlanden und soll - wenn er es denn wird - die Wolfsburger wieder unter die Top Fünf führen. Das schaffte Köstner trotz einiger Erfolge nicht. «Er hat einen guten Job gemacht», sagte Hoeneß.

Das lässt sich saisonübergreifend auch über Frankfurts Coach Michael Skibbe sagen. In Wolfsburg deutete die Eintracht ihr Potenzial an. Ein nicht anerkanntes Kopfballtor von Marcel Heller (2.) und zwei Pfostenschüsse verhinderten ein besseres Resultat. Nur der 25-Minuten-Blackout vor der Pause missfiel dem Trainer. «Da habe ich meiner Enttäuschung in der Kabine Luft verschafft», sagte Skibbe. «Es war schwer, den Ausfall von vier Spielern gegen Profis wie Dzeko und Misimovic zu verkraften», erklärte Torschütze Altintop. Ob er bleibt, ist offen. «So viel ich weiß, gibt es ein oder zwei lukrative Angebote für mich», sagte der türkische Nationalspieler. (dpa)

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