Kommentar über das WM-Finale 2018

Ein verdienter Nachfolger

20 Jahre hat Frankreich auf den zweiten WM-Titel warten müssen. Trainer Didier Deschamps schaffte, was Joachim Löw in diesem Sommer versagt blieb, schreibt Mathias Sonnenberg.
15.07.2018, 20:42
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Ein verdienter Nachfolger
Von Mathias Sonnenberg
Ein verdienter Nachfolger

Frankreich ist zum zweiten Mal Weltmeister.

Jorge Arciga/dpa

Jetzt also Frankreich. Ein wenig wehmütig blickte Philipp Lahm schon drein, als er am Sonntag als Weltmeister-Kapitän von 2014 den WM-Pokal im Luschniki-Stadion in Moskau herausrücken musste. Doch die Franzosen sind verdiente Nachfolger. Vor zwei Jahren noch Zweiter bei der EM, waren sie in Russland effektiv und ab und an auch spektakulär. Sechs Tore in einem WM-Finale, das gab es zuletzt 1966. Trainer Didier Deschamps schaffte, was Joachim Löw in diesem Sommer versagt blieb: Eine Mannschaft mit Individualisten und Egoisten auf den Platz zu bringen, die aber das große Ziel WM-Titel einte und dem sich alle unterordneten.

Dass der vielgerühmte Video-Beweis den Fußball allerdings nicht immer fairer macht, hat das Finale wieder mal eindrucksvoll belegt. Eine Schwalbe leitete (ohne Videobeweis) das 1:0 ein, das 2:1 wiederum fiel nur, weil der Videobeweis eingesetzt wurde. Für die Franzosen ein doppelter Glücksfall. Ganz ehrlich: Die alte Regel, dass Foul ist, wenn der Schiedsrichter pfeift, hat den Fußball auch nicht ungerechter gemacht.

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20 Jahre hat Frankreich auf den zweiten WM-Titel warten müssen. Und wer die Entwicklung derzeit beim Deutschen Fußball-Bund beobachtet, den beschleicht das Gefühl, dass es für Deutschland ähnlich lange dauern könnte. Das Sommermärchen 2018 hat jedenfalls Angelique Kerber geschrieben, die mit dem Sieg in Wimbledon einen historischen Triumph schaffte.

Es lohnt sich für die Entscheider beim DFB, Kerbers Entwicklung anzuschauen. 2016 Weltranglistenplatz 1, 2017 der Absturz. Kerber wechselte Trainer und Betreuer, hinterfragte alle Abläufe und erkannte, dass nur Veränderungen einen Neustart ermöglichen. Jetzt hat sie den Tennis-Olymp bestiegen. Das Aufräumen beim DFB hat gerade erst begonnen. Dass sich mit dem Bremer Fußball-Boss Björn Fecker ein hochrangiger Funktionär weniger Firlefanz rund um die Nationalelf wünscht, ist dabei ein gutes Zeichen.

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