Ende der Transferperiode Eine Chance für Schnäppchenjäger

Bremen. Das Ende der sommelichen Transferperiode am Dienstag bedeutet für die Manager aller Fußball-Profiklubs, dass ein wochenlanges und zuletzt äußerst hektisches Tauziehen endlich endet. Einige Vereine haben ihre Teams auf den letzten Drücker noch einmal erheblich verstärkt.
31.08.2010, 11:02
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Otto

Bremen. Sein Urlaub ist längst gebucht. „Anfang September bin ich erst mal weg“, sagt Dieter Hoeneß, der fürchterlich müde wirkt und nach Erholung lechzt. Das heutige Ende der sommerlichen Transferperiode bedeutet für die Manager aller Fußball-Profiklubs, dass ein wochenlanges und zuletzt äußerst hektisches Tauziehen endlich endet.

Der SV Werder Bremen, Schalke 04 und vor allem der VfL Wolfsburg, bei dem Hoeneß als Vorsitzender der Geschäftsführung den Chefeinkäufer spielt, haben ihre Teams auf den letzten Drücker noch einmal erheblich verstärkt. Und das internationale Pokerspiel ist vor allem Managern wie Hoeneß sichtbar an den Nerv gegangen.

Der so genannte Sommerschlussverkauf hilft der Mehrheit Bundesligisten dabei, die eine oder andere Schwachstelle im Kader auszumerzen, die man sich im nationalen oder auch internationalen Vergleich nicht erlauben möchte. Viele Trainer freuen sich über frisches Personal, mancher stöhnt aber auch. „Im Grunde beginnt meine Arbeit jetzt wieder von vorne“, sagt Wolfsburgs Trainer Steve McClaren, der sein Spielsystem nicht mehr auf den Bosnier Zvjezdan Misimovic, sondern auf den am vergangenen Freitag verpflichteten Brasilianer Diego zuschneiden muss.

Was vorher über Wochen mühevoll einstudiert worden ist, muss von einem Tag auf den anderen über den Haufen geworfen werden. Im Fall einer Verstärkung wie Diego dürfte das ein Luxusproblem sein. Aber das späte Ende der Transferperiode stellt in der Bundesliga doch so manche Aufbauarbeit in Frage, die bei den Vereinen seit Anfang Juli geleistet wurde.

Wie kurios es ist, dass selbst nach dem 2. Bundesliga-Spieltag noch hochbezahlte Hauptdarsteller hin- und hergeschoben werden können, verdeutlicht ein Blick auf die Kundschaft. Wer als Fan ein Herz für den VfL Wolfsburg sowie Misimovic besaß und sich deshalb Anfang Mai eine Dauerkarte gekauft hat, wird sich jetzt mit Diego anfreunden müssen oder feststellen, dass er seine gewünschte und bereits bezahlte Ware gar nicht bekommt.

Dass in Deutschland noch so lange nach dem Saisonstart neues Personal ge- und verkauft wird, hat mit einem sehr komplexen Reglement zu tun, das den Bedürfnissen der wichtigsten europäischen Ligen gerecht wird. „Wir sind von den großen Nationen nun einmal der Frühstarter“, sagt Hans-Joachim Watzke.

Dem Geschäftsführer von Borussia Dortmund ist es schon seit Jahren ein Dorn im Auge, dass man sich von Italien und Spanien aus genüsslich den Saisonstart in der Bundesliga ansehen kann, während dort noch gar nicht gespielt und nach Personal gesucht wird. „Im Grunde müsste man die Transferfrist, die ein internationales Problem darstellt, in der Bundesliga abkürzen. Aus deutscher Sicht müsste sie schon am 1. Spieltag enden“, findet Watzke.

Was den Einen ärgert, kann für den Anderen eine Chance sein – vor allem für Vereine, die finanziell eher bescheidene Möglichkeiten haben und auf Schnäppchen warten müssen. „Wer spät einkauft, kann auch Dinge neu beurteilen, die er sich vorher nur am Schreibtisch ausgedacht hat“, gesteht Jörg Schmadtke, der Sportdirektor von Hannover 96.

Bei den Niedersachsen wurde in den vergangenen beiden Wochen Stück für Stück an einer Mannschaft nachgebessert, deren Bundesliga-Tauglichkeit bis vor kurzem noch zweifelhaft war. Mit DaMarcus Beasley hat Schmadtke gestern einen weiteren Neuzugang aus dem Hut gezaubert. Der 93-fache US-Nationalspieler, zuletzt im Einsatz für den schottischen Meister Glasgow Rangers, ersetzt den Portugiesen Carlitos, der sich im ersten Saisonspiel nach 35 Sekunden einen Kreuzbandriss zugezogen hatte.

Es bleibt die Aufgabe der Trainer, das nachträglich verpflichtete Personal so schnell wie möglich zu integrieren. Zu Leidtragenden werden dann nicht mehr erwünschte Profis, die einen neuen Arbeitgeber suchen. Hannover 96 hat dem früheren Nationalspieler Jan Schlaudraff gerade nahegelegt, sich beruflich neu zu orientieren.

Für schwer vermittelbare Fälle wie den 27-Jährigen, der einen hoch dotierten Vertrag bis zum Sommer 2012 besitzt, ist die Wechselfrist plötzlich viel zu kurz. Der bei 96 unerwünschte Schlaudraff findet auf die Schnelle keinen Klub mehr, der ihn als Schnäppchen empfindet oder überhaupt bezahlen kann.

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