Zum Start der neuen Saison Elf Wünsche für die Bundesliga

Bremen. Der Ball rollt wieder in der Bundesliga, eine spannende und ereignisreiche Saison hat begonnen. Für die neue Spielzeit hat der WESER-KURIER elf Wünsche aufgelistet, wie es weitergehen soll mit der Bundesliga. Um Missverständnissen vorzubeugen: Sie sind natürlich ernst gemeint.
21.08.2010, 12:20
Lesedauer: 6 Min
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Elf Wünsche für die Bundesliga
Von Olaf Dorow

Bremen. Einst erdachte einer der klügsten Männer, die der Fußball je hervorgebracht hat, einen wichtigen Satz. Es geht weiter, immer weiter. Oliver Kahn schenkte damit der Bundesliga jenen Satz, der ihr Wesen am besten von allen Sätzen traf. Für die nun wieder gestartete Saison sind im Folgenden elf Wünsche aufgelistet, wie es weitergehen soll mit der Bundesliga. Um Missverständnissen vorzubeugen: Sie sind natürlich ernst gemeint.

1. Die Bundesliga soll kein Seniorenheim werden.Raúl, van Nistelrooy, Ballack haben wirklich Großartiges geleistet, sie haben unfassbare Leistungen abgerufen. Sie haben sich verdient gemacht. Aber wir brauchen doch nicht drumherum zu reden. Sie sind jetzt doch eher in einem fußballerischen Alter, in dem man vorwiegend davon lebt, dass man mal der war, der man war. Die Bundesliga ist solch eine tolle Einrichtung, sie hat Raúl verdient - und nicht Raúl, der versucht, immer noch Raúl zu sein. Wo waren denn Raúl, van Nistelrooy, Ballack bei der WM? Sind sie dort Erster, Zweiter, Dritter geworden? Da haben wir's doch. Wenn das so weitergeht, kehrt nächstens noch Effenberg nach Wolfsburg zurück. Will man das?

2. Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen sollte abgeschafft werden.Das hätte in wirtschaftlicher und erst recht in sozialer Hinsicht eine hohe, ja kaum noch messbare Auswirkung. Endlich wäre die Bundesliga wieder wettbewerbsfähig im Vergleich zur englischen, spanischen, italienischen Liga. Weil sich ganz andere Milliarden-Beträge durch den Rechte-Verkauf erzielen ließen. Zweitens wäre der deutsche Nachbar gezwungen, hinauszugehen und sich mit anderen deutschen Nachbarn zu treffen, falls er nicht selbst einen Decoder erworben hat. Das wäre der Durchbruch für das schwierige deutsche Nachbarschaftswesen.

3. Marcel Reif soll keine Bayern-Spiele mehr kommentieren.Er hat mal in einem Bayern-Spiel den Satz gesagt: 'Und sie lassen ihn laufen, sie lassen ihn schießen.' Das war wirklich ein herausragender Satz und kam vor allem in Bremen wirklich bei vielen sehr sehr gut an. Er hat auch mal zu Recht den Grimme-Preis gewonnen, als er unter anderem anmerkte, dass dem Spiel, das leider immer noch nicht losgehen konnte, ein Tor gut tun würde. Doch zunehmend macht sich der Verdacht breit, dass Reif persönlich beleidigt ist, wenn es mal - ja, auch das gibt es - mal nicht so läuft für die Bayern. Für seine Bayern, muss man wohl sagen. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn er das persönlich Beleidigtsein nur mit seinen engsten Freunden besprechen würde. Er bespricht es aber mit uns allen. Das muss nicht sein.

4. Die Spieler sollen sich mal zusammenreißen.Dass sie andauernd den Daumen ans Nasenloch halten, oder auch den Zeigefinger, und dann...sagen wir mal: tief ausatmen, das ist schon okay. Dass sie aber andauernd Rudel bilden, dass sie Gelb fordern, sich theatralisch wälzen, andauernd herummosern, dass sie gar nichts gemacht hätten, nur den Ball gespielt hätten, das ist wirklich nicht mehr nett. Es gibt Spiele, da wird sich mehr auf dem Boden herumgewälzt, oft auch theatralisch, als dass gespielt wird. Das wird noch so weit kommen, dass nächstens beschlossen werden muss, dass die effektive Zeit genommen werden muss. Dann lohnt sich zwar die ganze Schauspielerei und Rudelbildung nicht mehr so richtig. Aber es würde dann auch so sein, dass ein Spiel nicht 90 Minuten dauert - und der Fußballtag gerade für die Familien überhaupt nicht mehr planbar ist. Ein Desaster für die deutschen Familien.

5. Die Fans sollen sich auch mal zusammenreißen.Dass jeder auf seinem Weg ins oder vom Stadion im Schnitt einmal irgendwo hingepinkelt hat, wo er nicht hinpinkeln sollte - das liegt nun mal am Urinstinkt des Mannes oder auch an den Umständen. Fans sollen laut sein und singen. Manche Fans könnten aber weniger prügelbereit sein. Manche könnten auch etwas kreativer sein, wenn sie nun mal der Meinung sind, sie müssten einen Spieler des Gegners beschimpfen oder besser gleich den Gegner als Ganzes. Fans sind wichtig im Fußball, aber es gibt Fans, die sich zu wichtig nehmen. Diese Fans sind nicht selten kleine Versager, die sich trotzdem kompetent genug fühlen, ein besserer Bundesliga-Trainer, ein besserer Bundesliga-Manager zu sein. Sind sie aber nicht.

6. Die Sommerpause sollte abgeschafft werden.Man könnte ja die Winterpause ausweiten, um genug Erholungspausen für die hochbelasteten Hochtalentierten zu schaffen. Es würde dann der Begriff Sommerfußball eine völlig neue Bedeutung gewinnen. Man müsste sich nicht mit Decken, Mützen, Handschuhen, langen Unterhosen hochrüsten, um das Spiel zu schauen. Die Spiele werden attraktiver, die Spieler hätten lockerere Muskeln. Viele Spieler kommen ja auch aus südlichen Ländern, auch sie müssten nicht mehr so frieren. Und die Journalisten? Müssten nicht wochenlang Kriegsberichten ähnelnde Berichte über halbgare Transfergerüchte schreiben. Sie könnten über Fußball schreiben und müssten nicht nur so tun.

7. Für Tattoos müsste ein Verbot erlassen werden.Der Trend geht ja hier eindeutig zum Ganzkörpertattoo. Das ist ein Trend, den man stoppen sollte. Dass die Tattoos früher eher verlacht wurden, ist natürlich nicht in Ordnung. Sie waren ja doch ein Hingucker. Sie wurden sporadisch eingesetzt, und man kann von ihnen sagen, dass sie sexy waren. Heute gilt in der Branche ein Profi ohne Tattoo fast schon als Langweiler und Weichei, das ist erst recht nicht in Ordnung. Ein bis in den letzten Winkel beklebter oder bestochener Arm deutete einst auf eine Knast-Vergangenheit hin. Tja, das ist längst vorbei.

8. Der Ball soll mal das sein, was er ist. Oder besser, wie er heißt.Er heißt ab der neuen Saison 'Torfabrik'. Wenn er seinem Namen auch nur den Hauch von Ehre macht, dann macht er sich mal ein bisschen häufiger als zuletzt auf den Weg in Richtung Tor. Das wäre ja wohl das Mindeste, was man von einem Markenprodukt, welches den Namen 'Torfabrik' trägt, erwarten darf. Vielleicht wird auch auf diesem Sektor jetzt endlich mal ein wirklich abtörnender Trend gestoppt. Es ist in den letzten Jahren ja der Eindruck entstanden, dass mit jedem neuen Ball, den die Marken-Riesen Adidas oder Nike auf den Markt warfen, die Flatterigkeit des Balls um ein Vielfaches zugenommen hat. Eigentlich müsste der Ball längst so eiern, dass nur Oliver Kahn oder jemand, der so gut ist wie Kahn, ihn noch aufhalten kann. Also praktisch niemand außer Kahn. Trotzdem sind gar nicht mehr Tore gefallen. Kahn würde sagen, dass das gespenstisch ist, irgendwie.

9. Der FC St. Pauli soll auf keinen Fall absteigen bitte.St. Pauli ist schon aus dem Pokal geflogen. Helmut Schulte, der Pauli-Manager, hat neulich gesagt, dass es zum Wesen des Pokals, erste Runde, gehört, dass einer der Depp ist. 'Diesmal haben wir uns zur Verfügung gestellt', hat Schulte gesagt. So cool sagt das nur einer von Pauli. Schulte war früher auf Schalke, da hat er noch nicht so cool geredet. Aber am Millerntor wird man automatisch so. Cool. Am Millerntor spielen sie 'Hells bells', wenn die Mannschaften einlaufen. Am Millerntor tanzt Holger Stanislawski Breakdance, wenn seine Elf aufsteigt, und seine Spieler parodieren die manchmal etwas sehr aufgeblasene Bundesliga, am Millerntor gibt es das noch: Selbstironie im Millionengeschäft Fußball. Aus Bremer Sicht muss man natürlich noch anfügen: Am Millerntor gab es auch mal ein fieses Schnee-Attentat auf Werder Bremen. Aber das lag wirklich nicht nur an St. Pauli.

10. Kaiserslautern soll nicht wieder Meister werden.Kaiserslautern hat, Entschuldigung, aber das muss doch mal gesagt werden, zumindest bei Heimspielen leider etliche sehr unentspannte Fans. Das ist nicht weiter schlimm, aber es kann doch jetzt wirklich nicht sein, dass schon wieder ein Aufsteiger kommt, zufällig wieder Kaiserslautern, und dann durchmarschiert zum Titel. Dann wäre ja das ganze schöne Geld, das die Bundesliga-Größen trotz einer gewissen Zurückhaltung wieder in ihre Kader gepumpt haben, nur noch schönes verlorenes Spielgeld. Dann wäre die Bundesliga ja als Vollblase enttarnt. Aber das wird schon nicht passieren. Es sei denn, Lautern holt am zweiten Spieltag Otto Rehhagel.

11. Werder soll ein bisschen weniger Werder sein.In einer Bremer Zeitung wird man sich ja wohl auch was über die Bremer Mannschaft wünschen dürfen. Wenn Werder ein bisschen, aber wirklich nur ein bisschen weniger wie Werder spielt, dann würde das bedeuten, dass nicht zu jedem Zeitpunkt des Spiels ein Tor für - aber leider auch gegen - Werder in der Luft liegt. Werder ist ja die Bundesliga-Mannschaft, für die der Name des Balles ein Auftrag ist, den sie vorbildlich umsetzt. Wenn Werder neben der Torfabrik auch nur ein wenig mehr eine Torverhinderungsfabrik wäre, dann würde es vom Jahr des letzten Meistertitels an gerechnet nicht das verflixte siebte Jahr werden. Es könnte dann ein Jahr werden, von dem Marcel Reif sagen müsste: 'Es geht ja alles.'

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