EM in England EM als „Push“? DFB muss nicht nur um Fußball-Mädchen kämpfen

„Strategie Frauen im Fußball FF27“ heißt das Papier, das den Frauen- und Mädchenfußball voran bringen soll. Es geht für den DFB auch darum, international den Anschluss nicht zu verlieren.
03.07.2022, 20:57
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa

Der Deutsche Fußball-Bund erhofft sich von der Europameisterschaft in England einen Aufschwung für den weiblichen Fußball - wieder einmal.

Dass man nach der Heim-WM 2011 vieles hat schleifen lassen, zeigt unter anderem der Fakt, dass der Verband seit 2010 die Hälfte seiner Mädchen-Mannschaften verloren hat. In der Bundesliga und beim Nationalteam ist das Interesse weiter sehr überschaubar. Das soll sich nun bis 2027 ändern.

„Insgesamt müssen wir da besser werden. Da hoffe ich natürlich von den großen Turnieren, wie sie jetzt anstehen, dass das einen Push gibt in die Gesellschaft hinein und dass wir da vorankommen“, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf der Deutschen Presse-Agentur.

Wollen Vorbilder stellen

Joti Chatzialexiou, der Sportliche Leiter Nationalmannschaften, gehört zur deutschen Delegation, die am Sonntagabend im Teamhotel in London-Brentford abstieg. Er schaut bei dem Turnier natürlich ganz genau hin - und weit darüber hinaus. „Wenn wir sehr erfolgreich abschneiden, wenn wir ein gutes Turnier haben, wenn wir role models (Vorbilder) in England produzieren, dann werden wieder sehr viele Mädchen in die Vereine gehen und Fußball spielen“, sagte Chatzialexiou im Sky-Interview. „Das wird unter anderem auch eine Zielsetzung sein neben dem Turnier, das wir alle gewinnen wollen, aber auch für die Zukunft unserer Fußball-Mädchen etwas zu tun.“

Derweil hat über die Hälfte der Deutschen nicht vor, sich EM-Spiele im Fernsehen anzuschauen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervor. Demnach schalten 58 Prozent der Befragten nicht ein, wenn das EM-Turnier vom 6. bis 31. Juli mit Rekord-Europameister Deutschland läuft.

Bei der YouGov-Umfrage gaben 27 Prozent an, sich einige Partien anzusehen. Jeweils acht Prozent wollen alle Spiele der DFB-Frauen verfolgen oder wissen es noch nicht. Das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg trifft zum Auftakt am Freitag (21.00 MESZ/ZDF) in London auf Dänemark. ARD und ZDF übertragen alle 31 Spiele im Fernsehen oder im Livestream. Auch der Internet-Sportsender DAZN zeigt die Partien.

Mehr Sichtbarkeit

Mehr Sichtbarkeit ist eines der Ziele der „Strategie Frauen im Fußball FF27“, die der DFB am Montag publizierte. „Wir müssen jetzt richtig Gas geben“, sagte Doris Fitschen, Gesamtkoordinatorin und Leiterin des Projekts „Frauen im Fußball“. Das „FF“ in dem 34-seitigen Strategiepapier stehe auch für „Fast forward“ („Schnell vorwärts“), die 27 für das zeitliche Ziel zahlreicher Maßnahmen und die WM 2027. Dafür hat sich der DFB gemeinsam mit Belgien und den Niederlanden beworben.

Bis dahin will der DFB die Zahl der Fußballerinnen, Schiedsrichterinnen und Trainerinnen jeweils um 25 Prozent erhöhen. Die mediale Reichweite des Frauenfußballs soll sich über alle Plattformen hinweg verdoppeln. Der Verband setze nach Ansicht seiner Vizepräsidentin Sabine Mammitzsch mit dem Projekt „ein richtig fettes Ausrufezeichen“ rechtzeitig zum EM-Start.

Nachwuchsprobleme

Zuletzt hatte es der DFB verpasst, nach dem EM-Triumph 2013 und dem Olympiasieg 2016 der deutschen Frauen die Popularität der Bundesliga zu forcieren. Dort liegt der Zuschauerschnitt immer noch bei unter 1000 - während in den anderen europäischen Ligen das Interesse gewaltig gewachsen ist. Dazu kommen die Nachwuchsprobleme an der Basis und die Probleme des Nationalteams, das mit dem WM-Viertelfinal-Aus 2019 die Olympia-Teilnahme verspielte.

Laut Ex-Nationalspielerin Fitschen will man nun die Landesverbände auch unterstützen, „eigene Frauenfußball-Strategien zu entwickeln“. Beim Frauen- und Mädchenfußball, sagte der neue DFB-Boss Neuendorf, „muss man einfach sagen, dass wir da deutlich mehr Spielerinnen gebrauchen können. Deutlich mehr Mädchen vor allem, aber auch Schiedsrichterinnen und Trainerinnen.“

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