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«Erfahrungsschatz» im Fußball - Schäfer wird 60

Hamburg . Mit dem Karlsruher SC stürmte er durch Europa, mit der Nationalelf Kameruns eroberte er Afrika. Dann verschlug es ihn an den Persischen Golf. Winfried Schäfer hat in der Fußball-Welt schon viel erlebt - besonders, seit er die deutsche Kicker-Landschaft verlassen hat.
10.01.2010, 10:53
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«Erfahrungsschatz» im Fußball - Schäfer wird 60

Weltenbummler

dpa

Hamburg . Mit dem Karlsruher SC stürmte er durch Europa, mit der Nationalelf Kameruns eroberte er Afrika. Dann verschlug es ihn an den Persischen Golf. Winfried Schäfer hat in der Fußball-Welt schon viel erlebt - besonders, seit er die deutsche Kicker-Landschaft verlassen hat.

Denn erstklassige Angebote aus Deutschland blieben in den letzten Jahren aus. Der Trainer lernte dafür die Begeisterung der Afrikaner für ihr Land kennen und holte mit einem Club in Dubai den ersten Meistertitel seit mehr als 20 Jahren. «Den Erfahrungsschatz, den ich gesammelt habe - das kann man nicht durch ein Buch lernen», sagte Winfried Schäfer der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Seit Anfang Dezember ist der frühere Bundesliga-Coach ohne Job. Der Club Al Ain aus Abu Dhabi trennte sich von ihm, weil es im Verein nicht mehr passte. Sein Wissen will Winfried Schäfer bald wieder nutzen. Doch am 10. Januar feiert er erstmal seinen 60. Geburtstag - im engsten Kreis in seiner Heimat in Ettlingen bei Karlsruhe. «Fünf Jahre war ich viel unterwegs. Ich hatte wenig Gelegenheit, mit der Familie Zeit zu verbringen. Da freue ich mich jetzt drauf», sagte das einstige Mittelfeld-Ass von Borussia Mönchengladbach, Kickers Offenbach und des KSC.

Doch Familie hin oder her - von Ruhestand will er wirklich nichts wissen. «Um Gottes Willen», sagte der Weltenbummler prompt. «Das ist ein ideales Alter für einen Trainer, man hat die Ruhe, man hat die Autorität, die Kenntnisse», erklärte er und sprach von den jüngsten Erfolgen von Jupp Heynckes (64 Jahre) bei Bundesliga-Herbstmeister Bayer Leverkusen und Griechenlands Nationalcoach Otto Rehhagel (71).

Da wäre ein neues Angebot doch ein passendes Geburtstagsgeschenk. «Es wäre schon interessant, wenn ich jetzt angerufen würde.» Es müssten nicht wieder die Vereinigten Arabischen Emirate sein, er habe sich einen guten Ruf aufgebaut. «Das kann auch drumherum sein. Da kommen die Angebote, das weiß ich», sagte der Badener von sich selbst überzeugt. Und: «Die Bundesliga ist im Moment kein Thema.»

Der deutsche Fußball prägte «Winnie» Schäfer mehr als 30 Jahre. Erst als Spieler, dann als Coach. Die meisten Fans werden sich an seine langen und erfolgreichen Jahre beim KSC (1986-1998) erinnern. Wie er mit seiner rotblonden Mähne manchmal etwas wild an der Seitenlinie herumtobte. Er entdeckte die späteren Nationalspieler Oliver Kahn, Jens Nowotny und Mehmet Scholl. Den badischen Club führte er aus der 2. in die 1. Liga und dann sogar bis ins Halbfinale des UEFA-Cup-Wettbewerbs.

«Natürlich war das mit dem KSC eine besondere Aufgabe», meinte der Ex-Profi, «so was glaube ich kommt nicht mehr wieder in Karlsruhe.» Doch der Erfolg blieb nicht. Nach seinem Aus beim KSC scheiterte er beim VfB Stuttgart und bei Tennis Borussia Berlin. Schäfer flog zu Beginn des Jahrzehnts aus dem deutschen Trainer-Karussell.

Dann wandelte er sich zum Globetrotter: Drei Jahre trainierte er Kamerun (2001-2004), gewann mit der Nationalmannschaft die Afrika- Meisterschaft und nahm 2002 an der Weltmeisterschaft teil. Es folgten zwei Vereine in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Arbeit im Ausland macht Schäfer Spaß - was ihn ein wenig selbst überraschte: «Das ist eigentlich nicht mein Naturell.»

Ein Fußball-Abenteurer sei er aber nicht geworden. «Ein Abenteurer ist einer, der von den Fidschi-Inseln nach Jakarta zieht und ein halbes Jahr später wieder weiter», sagte Winfried Schäfer. Und ergänzte: «Ich bin ein seriöser Arbeiter.» (dpa)

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