Bundesliga Fanprojekte: Undifferenzierte Strafen kontraproduktiv

Frankfurt/Main. Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) hat die Vorfälle beim Fußball-Bundesliga-Spiel Hertha BSC gegen 1. FC Nürnberg verurteilt, sich zugleich aber nicht überrascht gezeigt.
15.03.2010, 15:21
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Frankfurt/Main. Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) hat die Vorfälle beim Fußball-Bundesliga-Spiel Hertha BSC gegen 1. FC Nürnberg verurteilt, sich zugleich aber nicht überrascht gezeigt.

«Völlig unerwartet kam das nicht. Es wurde auf einer Entwicklungsleiter aber die nächste Schwelle überschritten», sagte Gabriel der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Neu war, dass es für alle sichtbar im Stadion passiert ist und mit dem Stürmen des Feldes und dem Attackieren der eigenen Spieler quasi das Heiligste im Fußball überhaupt angegriffen wurde», sagte Gabriel.

Solche Drohgebärden, die überwiegend aus der Ultra-Szene stammen, habe es zuvor bereits auf den Trainingsgeländen einzelner Clubs gegeben. In Bochum hatten Anhänger versucht, mit dem Slogan «Zerreißt euch, sonst tun wir es» Druck auf die Profis auszuüben. In Dresden wurden in der Vergangenheit symbolische Gräber ausgehoben, um die Spieler einzuschüchtern. Die Dimension in Berlin sei aber eine neue, die auch Nachahmer auf den Plan rufen könne. «Diese Gefahr sehe ich schon», gestand Gabriel.

Trotz der sich zuletzt wieder häufenden Vorfälle in der Bundesliga warnt die KOS aber davor, jetzt mit «undifferenzierten Strafen» zu reagieren. «Das wäre kontraproduktiv, weil man dann auch noch die anderen Gruppierungen innerhalb der Fanszene gegen sich aufbringen würde.» Ein generelles Reiseverbot für Auswärtsfans oder strikte Auflagen würden besonders jene Anhänger treffen, die friedlich zu den Spielen ihrer Teams fahren würden.

Gabriel sieht aber genau bei den verantwortlichen Kräften der Fanszene eine große Verantwortung, mit den Ultras für eine gewaltfreie Fankultur zu streiten. «Es muss und wird jetzt Diskussionen in den einzelnen Fanszenen geben. Und diese müssen von den Vereinen auch dauerhaft unterstützt werden», forderte Gabriel.

Nur so sei zu erreichen, dass innerhalb der Ultrabewegungen jene Fans, die den eigentlichen Geist dieser Fangruppierung ausmachen, nämlich das bedingungslose Unterstützen der eigenen Mannschaft, wieder die Oberhand gewinnen. (dpa)

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