Wolfsburg

Fast Tabellenführer - van Gaal dennoch sauer

Wolfsburg. Den achten Bundesligasieg in Serie erzielt, den deutschen Meister dominiert und den Spitzenreiter nach Punkten eingeholt - doch Bayern-Coach Louis van Gaal war überraschend sauer.
07.02.2010, 10:10
Lesedauer: 2 Min
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Wolfsburg. Den achten Bundesligasieg in Serie erzielt, den deutschen Meister dominiert und den Spitzenreiter nach Punkten eingeholt - doch Bayern-Coach Louis van Gaal war überraschend sauer.

«Heute haben wir nicht gut Fußball gespielt. Ich bin sehr böse, wir haben arrogant gespielt», urteilte der «General» nach dem souveränen 3:1 (2:0) beim Meister VfL Wolfsburg. Auch VfL-Trainer Lorenz-Günther Köstner spielte den strengen Befehlshaber und zählte seinen Regisseur Zvjezdan Misimovic an. «Ich erwarte eine Trotzreaktion auf dem Platz und nicht durch Rederei und Gequatsche», fauchte der 58-Jährige, auf die Auswechslung des Bosniers angesprochen. Der Ex-Münchner hatte seine Herausnahme nach 70 Minuten mit dem wütenden Wegwerfen seiner Handschuhe quittiert.

War das Grollen Köstners noch nachvollziehbar, da Misimovic wie so oft in den vergangenen Wochen sein Können so gut wie gar nicht offenbarte, so verwunderten die Worten van Gaals. «Wolfsburg hat einige Chancen gehabt, das hätten Tore sein könne», erläuterte der Niederländer. «Das war unnötig. Deswegen bin ich böse auf meine Spieler.» Dabei hatte sein Team beim VW-Club den ersten Sieg seit fünf Jahren geholt und die eindrucksvolle Erfolgsserie ausgebaut: Schon seit Woche beherrschen die Münchner ihre Gegner nach Belieben.

Durch den Punktverlust von Spitzenreiter Bayer Leverkusen beim VfL Bochum sind die Bayern bis auf zwei Tore an die Rheinländer heran gerückt. Zudem spielte Verfolger Schalke ebenfalls nur 0:0 in Freiburg. «Die Konkurrenz hat Punkte verloren, deshalb bin ich froh», zeigte sich van Gaal gnädig. Doch fast schien es, als hätte er den möglichen Spitzenrang nur widerwillig angenommen. «Ich denke nicht, dass es so wichtig ist, jetzt Tabellenführer zu sein.»

Bayerns wieder einmal auffälligster Akteur Arjen Robben, selbst Torschütze zum frühen 1:0 (2. Minute), schüttelte angesichts der Kritik seines Landsmannes nur den Kopf. «Arrogant - das kann ich nicht sagen. Damit bin ich nicht einverstanden», widersprach Robben. «Wir sind auch Menschen. Wenn du 3:1 in Wolfsburg gewinnst, dann kannst du dich nicht beschweren. Drei Tore pro Spiel sind gut, oder?»

Mark van Bommel äußerte sich etwas einsichtiger, ließ aber durchblicken, dass auch er die Kritik für überzogen hielt. «Wir haben nicht überragend gespielt, aber der Sieg war verdient. Es ist schon einige Zeit her, dass wir hier gewonnen haben», sagte der Kapitän des Rekordmeisters. «Vielleicht meint er, dass wir das Spiel nicht immer unter Kontrolle hatten. Es gibt eben immer etwas zu verbessern.»

Dabei hatte Wolfsburg, das auf den frühen Rückstand noch mit wütenden Angriffen reagiert hatte, nach dem 0:2 durch Daniel van Buyten (26.) resigniert. Spätestens mit dem Eigentor von Andrea Barzagli (57.) zum 0:3 war das Spiel entschieden. Entsprechend wenig konnte der VfL die Probleme der Bayern nachvollziehen. «Wir haben heute gegen einen Gegner gespielt, der viel zu stark für uns war», sagte VfL-Keeper André Lenz. «Die haben doch teilweise auf einem ganz anderen Level gespielt.»

Für Wolfsburg kam der späte Anschlusstreffer von Grafite (90.) zu spät. Köstner nahm den Brasilianer ausdrücklich in Schutz, obwohl der Torschützenkönig der Meistersaison einen Foulelfmeter Bayern-Torhüter Jörg Butt in dessen 350. Bundesligaspiel sanft in die Arme schob (66.) und etliche Chancen ungenutzt ließ. «Er ist diese Woche freiwillig länger auf dem Trainingsplatz geblieben», sagte Köstner und konnte sich einen weiteren Seitenhieb auf Misimovic nicht verkneifen. «Das erwarte ich auch von anderen.» (dpa)

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