Fußball-Regionalliga Nord FC Oberneuland ist insolvent

Hamburg/Bremen. Seit Monaten wehren sich die Fußballer des FC Oberneuland gegen den Abstieg aus der Regionalliga Nord. Kurz vor dem Ziel werden sie nun offenbar vom eigenen Verein ausgebremst.
16.05.2013, 13:46
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye

Bremen. Es muss eine wirklich merkwürdige Reise nach Wilhelmshaven gewesen sein. Kurz bevor die Fußballer des FC Oberneuland am vergangenen Mittwoch in der Jadestadt ankamen, erreichte sie die Nachricht vom Insolvenzverfahren gegen ihren Verein. Zunächst wollte man dieser Information wenig Glauben schenken. Was soll man auch machen, so kurz vor einem wichtigen Spiel? Ein Anruf bei Karen Micheli, der 2. Vorsitzenden, sorgte wenigstens für etwas Beruhigung. Man wisse nichts von einem solchen Verfahren, so Micheli, der Verein habe jedenfalls keinen entsprechenden Antrag gestellt.

Doch irritiert waren die Spieler schon. Am vergangenen Freitag, vor dem Heimspiel gegen den SV Meppen (2:2), hatten die FCO-Kicker bereits erfahren, dass der FCO vorerst keine Lizenz für die kommende Saison erhalten würde und nachbessern muss, um eine Spielberechtigung zu erhalten. Am Mittwoch dann die Kunde von einem Insolvenzverfahren. Ob sie es nun glauben wollten oder nicht – diese Info hatte es in sich. „Natürlich steckte sie in den Köpfen der Spieler“, sagt Firat Aktas, der Berater des Vereins. Mit bemerkenswertem Einsatz hatten die Kicker sich in den vergangenen Monaten gegen den drohenden Abstieg gewehrt, ganz ohne in der vereinbarten Form entlohnt zu werden.

Man spricht davon, dass der FCO derzeit mit drei Monaten im Verzug ist. In Wilhelmshaven passierte dann, was zu erwarten war: Der FCO verlor mit 1:2 und verspielte endgültig seine gute Ausgangsposition im Abstiegskampf. Dass der Verein in der kommenden Saison noch in der vierten Liga antritt, ist nun aus gleich drei Gründen sehr fraglich: Es könnte doch noch an der sportlichen Qualifikation scheitern, denn der FCO belegt wieder einen Abstiegsplatz. Oder die Lizenz könnte ausbleiben. Oder der Verein muss gleich zwangsweise raus aus der Liga. Denn mittlerweile steht fest, was die Beteiligten vom FC Oberneuland am Mittwoch noch nicht wahrhaben wollten: Der Verein befindet sich im Insolvenzverfahren.

Tatsächlich hatte eine Krankenkasse bereits Mitte März den Antrag auf ein Insolvenzverfahren gegen den FC Oberneuland gestellt, und ein solches Vorgehen ist nicht unüblich. Gerade Krankenkassen nutzen einen Insolvenzantrag, um nach einem ergebnislosen Vollstreckungsbescheid weiteren Druck auf ihre Schuldner auszuüben. Der FC Oberneuland wurde daraufhin schriftlich angehört, äußerte sich nach Darstellung des Amtsgerichts allerdings nicht zum Sachverhalt. Daraufhin beauftragte das Gericht einen Sachverständigen, mit dessen Hilfe der Antrag inhaltlich geprüft wurde. Schließlich setzt ein Insolvenzverfahren ja entweder die Zahlungsunfähigkeit oder eine Überschuldung des Schuldners voraus. Der Sachverständige, Gerrit Hölzle, nahm daraufhin telefonischen Kontakt zu FCO-Präsident Holger Micheli auf. Man kannte sich. Bereits im vergangenen Jahr hatte Hölzle den FCO im Rahmen eines Insolvenzverfahrens „betreut“. Damals hatte der FCO die Eröffnung des Verfahrens – ebenfalls eingeleitet durch eine Krankenkasse – durch Zahlung seiner Schulden allerdings noch abwenden können. Diesmal nicht.

Nachdem Gerrit Hölzle mit dem Präsidenten gesprochen hatte, fertigte er ein Gutachten an, das die Zahlungsunfähigkeit des Vereins bestätigte. Dieses Testat soll danach auch an den Verein gegangen sein, was „atypisch“ ist, wie Hölzle betont. Man habe jedoch alle Möglichkeiten ausschöpfen wollen, um dem FCO die Gelegenheit zur Bereinigung der Situation zu geben. Erst nachdem die Oberneulander Verantwortlichen erneut nicht auf das Gutachten reagiert hätten, sei das Insolvenzverfahren am vergangenen Dienstag eröffnet worden. Bereits heute trifft sich Gerrit Hölzle, mittlerweile zum Insolvenzverwalter bestimmt, mit den Verantwortlichen des Klubs: „Wir suchen nach Lösungen zum Erhalt des Vereins und zur Fortsetzung des Spielbetriebs, in welcher Liga auch immer.“

Natürlich weiß Hölzle mittlerweile auch, was die Spielordnung der Regionalliga im Fall einer Insolvenz vorsieht: Den zwangsweisen Abstieg des betroffenen Klubs aus der Spielklasse. Einen solchen Fall gab es schließlich schon mal in dieser Spielzeit. Beim VfB Lübeck. Der Verein hatte im vergangenen Jahr den Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt, das zur Jahreswende eröffnet worden war. Damit wurde der VfB automatisch zum Absteiger. Er ziert seitdem mit null Punkten das Tabellenende der Liga und absolviert nur noch sogenannte Pflichtfreundschaftsspiele. Auch Gerrit Hölzle ist dafür, dass der FC Oberneuland die Saison über die Bühne bringt. „Wir setzen den Spielbetrieb einstweilen fort“, sagt der Insolvenzverwalter. Am heutigen Mittag wird sich nun der Norddeutsche Fußballverband zur Thematik äußern. Er teilte gestern mit, man wolle erst die rechtliche Prüfung der Vorgänge abwarten.

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