Werder gegen Wolfsburg Führungskräfte gesucht

Werders Profis wurden für das Spiel in Mainz viel gelobt, da sie als Einheit aufgetreten sind - Die Köpfe dieser Einheit, Clements Fritz und Thomas Delaney, werden dabei wohl beide gegen Wolfsburg fehlen.
22.02.2017, 00:00
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Führungskräfte gesucht
Von Nikolai Fritzsche

Werders Profis wurden für das Spiel in Mainz viel gelobt, da sie als Einheit aufgetreten sind - Die Köpfe dieser Einheit, Clements Fritz und Thomas Delaney, werden dabei wohl beide gegen Wolfsburg fehlen.

Clemens Fritz war am Wochenende nicht nur einer der Besten bei Werder, er war sogar einer der Besten der gesamten Bundesliga. Das fand jedenfalls die Redaktion der ARD-„Sportschau“, die den Bremer Kapitän in die Elf des Spieltags wählte. Fritz hatte bei seinem Comeback in der Startformation gleich wieder das Kommando im Mittelfeld übernommen und war in seinen insgesamt 30 Duellen äußerst zweikampfstark aufgetreten.

Ähnlich wichtig dafür, dass Werder defensiv so stabil war wie in kaum einem anderen Spiel in dieser Saison, war Thomas Delaney, der zudem auch noch das 2:0 erzielte. Gemeinsam führten Fritz und Delaney die Mannschaft an, die in Mainz gewann. Fritz, der Kapitän – und Delaney, der von sich selbst sagt, dass er wahrscheinlich mal Werders Kapitän wird, wenn er auch in einigen Jahren noch in Bremen spielt.

Fritz‘ Einstellung ist immer vorbildhaft

Fritz, den Verteidiger Niklas Moisander als „Legende hier in Bremen“ bezeichnet, ist nicht nur wegen seiner Erfahrung und seiner langen Vereinszugehörigkeit ein Führungsspieler. Selbst an Tagen, an denen ihm nicht alles gelingt, ist Fritz‘ Einstellung immer vorbildhaft. Der 36-Jährige lässt sich nicht hängen und will jeden Zweikampf unbedingt gewinnen. Nach Gegentoren ist Fritz oft derjenige, der als Erster in die Hände klatscht und seine Mitspieler anfeuert.

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Ganz ähnlich lässt sich auch Thomas Delaney beschreiben, den Werder als Fritz‘ Nachfolger verpflichtet hat. Delaney ist zwar erst 25 Jahre alt und hat erst fünf Spiele für Werder bestritten, doch gefühlt war er von seinem ersten Spiel an ein Anführer. Weil er extrem präsent ist, sich in jeden Zweikampf voll reinhaut, keinen Ball verloren gibt. Und weil er auf dem Platz viel redet, dabei auch mal laut wird.

Werders Profis sind auch deshalb viel für das Spiel in Mainz gelobt worden, weil sie als Einheit aufgetreten sind. Und das hatte viel damit zu tun, dass in Delaney und Fritz zwei Spieler in zentralen Positionen vorangingen. Am Freitag in Wolfsburg will Werder wieder als Einheit auftreten, wieder „in erster Linie über die Einstellung kommen und den Kampf annehmen“, wie Robert Bauer es formulierte.

Fritz und Delaney werden fehlen

Die Köpfe dieser Einheit, Fritz und Delaney, werden dabei wohl beide fehlen. Von Maximilian Eggestein und Milos Veljkovic, die sie voraussichtlich vertreten werden, darf man nicht erwarten, dass sie die beiden auch als Persönlichkeiten auf dem Platz ersetzen. Werder wird aber auch in Wolfsburg Spieler brauchen, die sich in Sachen Einstellung als Vorbilder für den Rest der Mannschaft eignen. Wer könnte das sein?

Werder hat nicht sehr viele, sondern eher einige wenige Führungsspieler im Kader. Zu den Persönlichkeiten, an denen andere sich orientieren können, zählen grundsätzlich noch Jaroslav Drobny und Claudio Pizarro. Als Führungsspieler sind beide aber nur bedingt geeignet, weil sie oft verletzt sind und nicht fest zur ersten Elf gehören. Abwehrchef Lamine Sané hat seinen Platz in der Startelf zwar sicher und sagt von sich selbst, dass er ein Führungsspieler sein will.

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Er weiß aber selbst, dass seine Leistungen dafür derzeit zu instabil sind. Sein Innenverteidiger-Kollege Niklas Moisander ist mit 31 Jahren ein erfahrener Spieler, er ist Kapitän der finnischen Nationalmannschaft. Aber ist er einer, der die Mitspieler so mitreißen kann, wie Fritz und Delaney es können? Moisander sagt: „Ich versuche immer, meine beste Leistung zu bringen und dadurch voranzugehen. Aber ich will mich nicht als Leader bezeichnen.“

Robert Bauer versucht immer voranzugehen

Einer, der die Führungsspieler-Frage deutlich anders beantwortet, ist Robert Bauer. „Ich versuche, immer voranzugehen, was die Einstellung angeht“, sagt der 21-Jährige. Vor dem Spiel in Mainz habe er sich vorgenommen, die Mannschaft "durch meine Einstellung und durch meine Zweikämpfe mitzuziehen“. Es gelang ihm eindrucksvoll: Bauer gehörte zu Werders Besten.

Bauer ist zwar erst seit dem Herbst Stammspieler bei Werder, aber er ist an guten Tagen wie in Mainz von allen Abwehrspielern bei Werder der mit der größten Präsenz. Weil er hartnäckiger im Zweikampf ist als viele seiner Kollegen, und weil er sich nicht scheut, auf dem Platz auch mal laut zu werden.

Auch Max Kruse ist einer, den Mitspieler aller Mannschaftsteile, auch der Verteidigung, sich zum Vorbild nehmen können. Der Angreifer verrichtet viel Defensivarbeit, indem er mit großem läuferischem Aufwand das gegnerische Aufbauspiel stört und Pässe abfängt.

Auch Kruse ist sehr aktiv

Kruse ist auch sehr aktiv, was die Rückmeldung an die Mitspieler auf dem Platz angeht. Konstruktiv wirkt das nicht immer: Kruse winkt auch mal ab, wenn etwas nicht funktioniert. Aber vielleicht ist es ja gar nicht schlecht, wenn es in einer Werder-Elf, die auch mancher im Verein insgesamt zu lieb findet, ein paar Typen gibt, die auch mal rummotzen.

Es gibt noch einen Spieler bei Werder, bei dem eine tadellose Einstellung und defensive Stabilität beinahe garantiert sind. Der fast immer zu den Stärksten seiner Mannschaft zählt, was die Hartnäckigkeit im Zweikampf und die Laufbereitschaft betrifft. Einer, dem man es zutrauen kann, den gesperrten Fritz nicht nur auf seiner Position zu ersetzen, sondern auch als Führungspersönlichkeit. Ob Philipp Bargfrede nach seiner langen Pause aber schon wieder für einen Einsatz in der Startelf bereit ist, ist fraglich.

Nach dem Spiel in Mainz forderte Frank Baumann: „So eine kämpferische Leistung, so viel Konzentration, so viel Aufwand müssen wir jede Woche zeigen.“ Eine Einstellung wie in Mainz muss bei Werder gerade jetzt, im Abstiegskampf, zur Standardeinstellung werden. Auch dann, wenn die Chefs nicht da sind, um sie vorzuleben.

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