Bundesliga

Hamburger SV schließt das Kapitel Labbadia

Hamburg. Der Hamburger SV hat sich von Trainer Bruno Labbadia getrennt. Dies teilte der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann drei Tage vor dem Halbfinal-Rückspiel in der Europa League gegen den FC Fulham mit.
26.04.2010, 10:41
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Hamburger SV schließt das Kapitel Labbadia

Vorzeitiges Aus für Bruno Labbadia beim Hamburger SV.

dpa

Hamburg. Nach dem 1:5-Offenbarungseid von Hoffenheim war der sechste Trainerwechsel in sieben Jahren nicht mehr zu verhindern: Mit der Beurlaubung von Bruno Labbadia will der Hamburger SV retten, was noch zu retten ist. Statt des glücklosen Hessen soll Techniktrainer Ricardo Moniz das in der Liga abgestürzte Team am Donnerstag beim FC Fulham ins Finale der Europa League führen.

Bei einer improvisierten Pressekonferenz in der Buseinfahrt des Fußball-Bundesligisten verkündete der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann am Montag Labbadias Aus nach nur zehn Monaten: "Die Trennung ist uns sehr schwer gefallen, so ein Tag ist schmerzlich. Wir wollten mit Bruno Labbadia den Kreislauf durchbrechen, etwas aufbauen." Seine Spieler informierte Labbadia, der beim HSV einen Vertrag bis 2012 unterzeichnet hatte, in der Kabine selbst über seinen Abschied.

Moniz soll im besten Fall die Hanseaten am 12. Mai zum Europapokalerfolg im eigenen Stadion führen. "Das Einzige, was uns jetzt interessiert, ist die Leistung auf dem Platz. Jetzt steht die Mannschaft im Fokus", sagte Hoffmann und betonte, die Entscheidung sei einstimmig im dreiköpfigen Vorstand gefallen. Der neue Sportdirektor Urs Siegenthaler sei informiert worden. Moniz genießt im Gegensatz zu Labbadia in der Mannschaft des Bundesliga-Siebten hohen Respekt. "Es ist ein dramatischer Tag", sagte der Niederländer, der seine internationale Trainerlizenz in England erworben hat.

"Ich habe mit Bruno gesprochen. Er hatte kein Problem damit. Das war mir sehr wichtig. Bruno Labbadia ist ein fantastischer Trainer und Mensch", sagte Moniz, der alleinverantwortlich bisher nur die U 19 des PSV Eindhoven trainiert hat und mit Labbadia-Vorgänger Martin Jol an die Elbe gekommen war.

"Moniz hat eine klare und deutliche Ansprache, es war schwer, jemanden zu finden, der mehr hundertprozentiger HSVer ist", sagte Hoffmann, der damit Zé Roberto und Co. das Alibi nehmen will, dass der Trainer für die schlechten Leistungen verantwortlich sei. "Alles, was uns jetzt interessiert, sind die hoffentlich nächsten 16 Tage. Wir können immer noch Europapokalsieger werden", betonte der Clubchef, dem viele vorwerfen, Labbadia keinen Sportdirektor an die Seite gestellt und ihn nicht früher in der Öffentlichkeit gestärkt zu haben. Nun musste er sich Fragen gefallen lassen, warum er nicht schon nach der desolaten Nullnummer an Ostern gegen Hannover die Reißleine gezogen hat. "Wir haben bis zum Schluss gehofft", sagte Hoffmann.

Labbadia schien zuletzt überfordert und hatte es sich vor allem mit den Führungspersönlichkeiten verdorben. Zé Roberto, Mladen Petric, Frank Rost und der erst im Winter verpflichtete Ruud van Nistelrooy hatten die Achtung vor dem Coach verloren. Immer lauter wurde Kritik - zuletzt hatte Petric kaum noch ein Blatt vor den Mund genommen. Nicht einverstanden waren die Profis mit dem Training und der Ansprache - zudem fehlte ihnen der Spaß. "Die Entscheidung ist nun gefallen, ich will das nicht kommentieren", sagte Piotr Trochowski nach dem Vormittagstraining unter Leitung von Moniz. "Wir müssen die Vergangenheit nun abhaken und am Donnerstag ein gutes Spiel abliefern."

Das Bundesliga-Gründungsmitglied läuft allerhöchste Gefahr, in der nächsten Saison ohne internationalen Startplatz dazustehen, wenn das Halbfinal-Rückspiel nach dem 0:0 in Hamburg nicht erfolgreich bestritten wird. "Natürlich hätte das wirtschaftliche Konsequenzen, aber keineswegs in der Form, dass wir am Spielerkader kürzen müssten", betonte Hoffmann, der dann auch selbst in der Kritik stünde. Der Aufsichtsratsvorsitzende Horst Becker stärkte ihm allerdings sogleich den Rücken: "Eine Diskussion über den Vorstand oder Herrn Hoffmann werde ich nicht führen", sagte er der "Welt" (Dienstag). "Der Vorstand hat über Jahre hinweg erstklassige Arbeit geleistet." Dennoch werde sich Hoffmann in der nächsten Aufsichtsratssitzung am 10. Mai kritische Fragen gefallen lassen müssen. "Aber an der Befähigung der Führung gibt es keine Zweifel."

Kritik an der Vereinsführung übte indes HSV-Legende Manfred Kaltz. "Vor einem Vierteljahr hieß es noch, Labbadia sei der fleißigste Trainer, und jetzt ist er entlassen. Das finde ich nicht gut." Die nächste Hiobsbotschaft kam drei Tage vor dem wichtigsten Saisonspiel in London: Stürmer Tunay Torun riss sich das Kreuzband. Die angeschlagenen Zé Roberto, van Nistelrooy und Guy Demel können möglicherweise beim FC Fulham eingesetzt werden. (dpa)

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