Berlin «Hertha lebt»: Doch jetzt muss ein Heimsieg her

Berlin. Ein Hauch von Hoffnung lag wieder in der Berliner Frühlingsluft, doch am Tag nach der Überraschung von Wolfsburg wollte bei Hertha von neuen Glücksgefühlen niemand etwas wissen.
22.03.2010, 13:10
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Berlin. Ein Hauch von Hoffnung lag wieder in der Berliner Frühlingsluft, doch am Tag nach der Überraschung von Wolfsburg wollte bei Hertha von neuen Glücksgefühlen niemand etwas wissen.

«Wir haben es 2010 noch nicht geschafft, nach einem Auswärtssieg nachzulegen. Das ist unsere Aufgabe gegen Dortmund, endlich ein Heimspiel zu gewinnen», richtete Manager Michael Preetz den Blick schon wieder auf die nächste Aufgabe gegen den BVB. Und auch Hertha-Chefcoach Friedhelm Funkel wollte sich nicht lange mit dem schier unglaublichen 5:1-Sieg beim Meister Wolfsburg aufhalten: «Wir haben bislang kein Heimspiel gewonnen - das ist desaströs. Diese Serie müssen wir jetzt durchbrechen.»

Kapitän Arne Friedrich, der nach der heftigen Kritik an Spielern und Trainer nach der Pleite gegen Nürnberg beim VfL 90 Minuten lang vornweg marschiert war, verwies auf die weiter schwierige Tabellen-Situation und den Rückstand auf Relegationsplatz 16: «Fünf Punkte sind noch immer unheimlich viel.» Zumindest aber haben die Berliner in Wolfsburg endlich auch auf dem Feld bewiesen, was sie sonst nur verbal verbreitet hatten. «In diesem Team steckt viel mehr Qualität, als es der Tabellenstand aussagt», kommentierte auch Ex-Manager Dieter Hoeneß das Berliner Lebenszeichen und das Debakel für seinen neuen Club.

«Hertha BSC lebt noch», bemerkte Preetz, der das Erbe von Hoeneß angetreten hat und dabei noch immer kurz vor einem großen Scherbenhaufen steht. Der unerwartete Auswärts-Triumph, die wiedergefundene Vollstrecker-Qualität des dreimaligen Torschützen Theofanis Gekas, die Abgeklärtheit von Adrian Ramos (zwei Treffer), die neue Lust der Brasilianer Cicero und Raffael sowie das Selbstbewusstsein von Friedrich und Fabian Lustenberger haben die Kampfeslust zu Hertha zurückgebracht. «Wir werden weiterhin unsere Chance nutzen. Die Qualität in der Mannschaft ist da. Ich hoffe, dass mit diesem Sieg der Knoten durchschlagen wurde», sagte Preetz.

Noch vor einer Woche war Endzeitstimmung bei der Hertha. Nach dem 1:2 gegen Nürnberg schienen der Abstieg und der Abschied von Chefcoach Funkel bereits besiegelt. Doch aus den Tränen ist Trotz geworden: «Wir haben viel Prügel kassiert, teilweise zu Recht. Teilweise wurde aber auch über das Ziel hinaus geschossen. Das war kriminell», sagte Funkel und bescheinigte seinem Personal eine hochprofessionelle Reaktion auf den Schock gegen Nürnberg. Zahlreiche Chaoten hatten mit der Rasen-Stürmung nach der Niederlage gegen den «Club» den Verein bundesweit in Misskredit gebracht.

Zu einem harten Kern der Ultras, der in Wolfsburg mit «Absteiger, Absteiger»-Rufen aufgefallen war, bleibt das Verhältnis gespannt. Die Profis verweigerten eine gemeinsame Feier in der Fankurve. «Wir haben die Antwort auf dem Platz gegeben», sagte der starke Lustenberger. Die Mehrzahl der Anhänger aber wird gegen Dortmund noch einmal alles geben - und genau das erwarten sie von den Spielern. «Es ist eine Schande, dass wir Letzter sind», sagte Kapitän Friedrich mit Hinweis auf die Leistung gegen Wolfsburg.

Auch der VfL ist in Mainz wieder zum Siegen verdammt, nachdem die Aufholjagd auf die Europapokalplätze jäh gestoppt wurde. «Das war heute eine desolate Vorstellung», bekannte Marcel Schäfer. Allzu kritisch wollten Trainer Lorenz-Günther Köstner und VfL-Manager Hoeneß jedoch nicht sein. «Ich bin weit davon entfernt, die Mannschaft zu kritisieren. Bei den vielen englischen Wochen ist es normal, dass die Konzentration mal etwas nachlässt», sagte Hoeneß. (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+