Bundesliga Hertha trotzig: Doppel-Party gegen 245-Tage-Fluch

Berlin. Party statt Strafe: Hertha leidet unter den Auflagen des DFB, doch die Berliner Fans demonstrieren den Profis immer neuen Optimismus.
09.04.2010, 11:11
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Berlin. Party statt Strafe: Hertha leidet unter den Auflagen des DFB, doch die Berliner Fans demonstrieren den Profis immer neuen Optimismus.

Obwohl 6000 der treuesten Anhänger nach den Ausschreitungen weniger Chaoten den Abstiegskampf des Hauptstadtclubs gegen den VfB Stuttgart nur auf einer 100 Quadratmeter großen Videowand beobachten dürfen, haben die Herthaner keine Angst vor dem Strafspiel. «Es werden immer noch wesentlich mehr Berliner als Stuttgarter Fans im Stadion sein», betonte Hertha-Manager Michael Preetz vor einem der kuriosesten Auftritte in der Geschichte der Fußball-Bundesliga: «Es ist insofern eine außergewöhnliche Situation, weil wir uns quasi auf zwei Veranstaltungen vorbereiten.»

Nach den Auflagen des DFB-Sportgerichts, das nach der Rasen- Stürmung von 100 bis 150 Chaoten nach dem Spiel am 13. März gegen Nürnberg für die Partie gegen Stuttgart die komplette Ostkurve sperrte und nur 25 000 Berliner Fans zulässt, organisiert Hertha in der legendären Waldbühne nur einen Steinwurf vom Olympiastadion entfernt ein großes Public Viewing. «Wir hoffen, dass viele davon Gebrauch machen», bemerkte Preetz, der die aufwendige Doppel- Veranstaltung vor allem als kleine Entschädigung für die vielen Ostkurven-Fans sieht, die ohne Schuld nicht ins Stadion dürfen. Bis zu 22 000 Zuschauer passen in die Waldbühne.

An der Stätte vieler legendärer Konzerte - nach einem nur kurzen Auftritt der Rolling Stones im September 1965 hatten Rockfans aus Verärgerung die Freilichtbühne zerlegt - und Boxkämpfe wollen nun die Hertha-Anhänger weitere Hoffnung auf das «Wunder von Berlin» schöpfen. «Wir haben uns wieder einigen Respekt erspielt und sind weitaus stabiler als in der Vorrunde - und da haben wir ein Unentschieden in Stuttgart erreicht», unterstrich Kapitän Arne Friedrich das neue Berliner Selbstbewusstsein.

«Der Nachteil ist natürlich da», betonte Preetz und verwies auf mehr als 60 000 Fans, die ohne Strafe gegen Stuttgart wohl im Olympiastadion gewesen wären. Das bringt Hertha einschließlich der 50 000-Euro-Geldstrafe des DFB nicht nur mehr als eine halbe Million Euro Schaden, dem Tabellenletzten fehlt vor allem lautstarke Unterstützung. Über TV-Bilder sollen beide Schauplätze öffentlich vernetzt werden. «Wir müssen die Gegebenheiten so hinnehmen», erklärte Trainer Friedhelm Funkel mit Hinweis auf die vielen vorangegangenen Nackenschläge, die sein Team in dieser Saison schon einstecken musste. «Und wir haben nach wie vor die Möglichkeit, das bisherige Ergebnis noch zu korrigieren», ergänzte Funkel.

Bis auf drei Zähler ist Hertha nach zuletzt sieben Punkten aus drei Spielen wieder dran an Rang 16, der am Saisonende noch die Rettung über die Relegation gegen den Dritten der 2. Liga bringen kann. Trotz der besten Rückrunden-Mannschaft VfB Stuttgart und der DFB-Auflagen will Hertha den «deutlichen Aufwärtstrend 2010» (Preetz) fortsetzen und nach 245 Tagen endlich den Heimfluch brechen. So lange hat Hertha zu Hause nicht mehr gewonnen. «Wir sind sehr gut vorbereitet», so Funkel, der seit Donnerstag alle Trainingseinheiten streng geheim abhielt. Die Doppel-Party kann beginnen. (dpa)

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