Bundesliga Hertha zittert vor 2. Liga - Preetz «keine Frage»

Berlin. Die Vorbereitung war laut Friedhelm Funkel «ganz normal», das Spiel gegen Schalke 04 allerdings könnte für Hertha schon zum großen Knall werden.
23.04.2010, 12:40
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Berlin. Die Vorbereitung war laut Friedhelm Funkel «ganz normal», das Spiel gegen Schalke 04 allerdings könnte für Hertha schon zum großen Knall werden.

Kann das Tabellen-Schlusslicht aus Berlin auch gegen den Titel-Kandidaten im eigenen Stadion nicht gewinnen, wäre bei Siegen der Keller-Konkurrenz schon drei Spieltage vor Saisonende in der Fußball-Bundesliga der Abstieg besiegelt. Zuletzt hatte Hertha 1991 den Weg in die Zweitklassigkeit antreten müssen, erst sechs Jahre später gelang die Rückkehr.

Noch wehren sich die Verantwortlichen verbal mit allen Kräften: «Wir werden alles investieren, was in der Mannschaft steckt. Ich glaube daran, dass wir gewinnen können», kündigte Cheftrainer Funkel an. Doch angesichts von fünf Punkten Rückstand auf das rettende Ufer schweben die düsteren Prognosen längst über dem Olympiastadion, wo Hertha seit unglaublichen 259 Tagen auf einen Heimsieg wartet.

Die Partie gegen den Erzrivalen Schalke - seit Beginn der 70er Jahre verbindet vor allem die Fans beider Clubs in Auswirkung des damaligen Bundesliga-Skandals eine Feindschaft - weckt die Erinnerungen daran, wie der beispiellose Absturz der «Alten Dame» begann. Am vorletzten Spieltag der Vorsaison hatte Hertha noch als Tabellen-Dritter, Meister- und Champions-League-Kandidat «Königsblau» empfangen. Das 0:0 und das anschließende 0:4 bei Absteiger Karlsruher SC leitete bereits den bisher nicht zu stoppenden Niedergang ein.

14 Heimspiele nacheinander hat Hertha nicht gewonnen. Die schlechteste Bundesliga-Mannschaft der Geschichte, Tasmania Berlin, hält aus der Saison 1965/66 den Rekord von 15 Heimspielen in Serie ohne Sieg. Nun ist ausgerechnet Schalke für Hertha der allerletzte Rettungsstrohhalm. «Wir müssen an unsere Chance glauben. Wir werden das Spiel genauso vehement angehen wie die bisherige Rückrunde», kündigte Funkel an - und trichterte das auch seinem Personal ein.

Kapitän Arne Friedrich sprach klar von neun Punkten, die sein Team aus den letzten drei Spielen noch brauche: «Alles andere wäre Schönfärberei.» Die Mini-Mini-Hoffnung sieht so aus: Gegen Schalke gelingt der erste Heim-«Dreier» seit dem 8. August des Vorjahres, dann könnte Tabellenführer FC Bayern (derzeit zwei Punkte vor Schalke) schon am 33. Spieltag den Titel-Triumph perfekt machen. Und der dann schon feststehende Meister aus München könnte das Saison- Halali am 8. Mai bei Hertha schon als Einspielen auf das eine Woche später folgende Pokalfinale gegen Werder Bremen ansehen.

Die Gründe für das nun drohende Zweitliga-Szenario mit einem mindestens um die Hälfte reduziertem Etat (jetzt 75 Millionen Euro), einem Ausverkauf der Stars (höchstens 14 statt der aktuellen 30 Millionen Euro Personalkosten) und einem erheblichen Zuschauerschwund (gegen Schalke werden nochmals 60 000 erwartet) sind vielfältig. Fakt ist: Die vom einstigen Trainer Lucien Favre und Neu-Manager Michael Preetz zu verantwortende Zusammenstellung des Teams im vergangenen Sommer ging total daneben. Funkel schaffte zwar eine Stabilisierung, die fatale Heimschwäche aber konnte auch er nicht ausmerzen.

Für den im Abstiegsfall angepeilten sofortigen Wiederaufstieg gibt es noch viele Fragezeichen. Die Lizenzunterlagen muss Hertha bereits nachbessern. Die Trainerfrage ist offen, die soll Manager Preetz klären. An dessen Weiterbeschäftigung hat Club-Präsident Werner Gegenbauer seit Wochen keine Zweifel gelassen. «Die Frage, ob wir mit Michael Preetz weiter zusammenarbeiten, stellt sich für uns nicht. Er hat einen Dreijahresvertrag», sagte Gegenbauer jetzt nochmals. (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+