Kriminalität Hintergrund: Polizei in Südafrika oft überfordert

Hamburg. Über die hohe Gewaltkriminalität in Südafrika und die überforderten staatlichen Sicherheitskräfte wird viel berichtet. Besucher sollten unnötige Risiken vermeiden.
18.06.2010, 10:40
Lesedauer: 2 Min
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Hamburg. Über die hohe Gewaltkriminalität in Südafrika und die überforderten staatlichen Sicherheitskräfte wird viel berichtet. Besucher sollten unnötige Risiken vermeiden.

Was sind die Gründe für die hohe Kriminalität?

Südafrika hat ein extremes Sozialgefälle. Bitterarm und superreich wohnen hier oft Tür an Tür. Familienbande wurden zu Apartheidzeiten oft zerrissen, viele Kinder - Stichwort Aids - wachsen zudem auf der Straße auf. Die Bereitschaft zur Gewalt ist recht hoch: Menschenleben zählen wenig in einem Land, in dem viele Menschen schon recht jung sterben. Schwarze und Weiße sind gleichermaßen betroffen, Touristen allerdings eher selten. Das beweisen auch die stetig steigenden Besucherzahlen. Der Kap-Staat hat sich den steten Ausbau des Tourismus zum Ziel gesetzt. Die meisten Tourismuszentren werden oft besonders gesichert.

Was ist besonders gefährlich?

Besondere Vorsicht ist vor allem an abgelegenen Orten, in bitterarmen Gegenden wie den Slums der Vorstädte oder gar Konfliktzonen (Streiks, Demonstrationen) sowie nach Sonnenuntergang geboten. Wachsamkeit muss auch im Straßenverkehr gelten. PS-Starke-Boliden sind dort genauso zu finden wie fahrende Wracks. Viele Fahrer haben nicht einmal einen Führerschein. Für ihre wilden Fahrmanöver berüchtigt sind vor allem die Fahrer der Sammeltaxis. Neben Trickdiebstählen und Raubüberfällen nehmen auch in Südafrika Manipulationen von Geldautomaten und der Missbrauch von Kartendaten zu.

Wie sollte man sich verhalten?

Ankommen, sich Zeit lassen, den Ratschlägen der Ortsansässigen folgen und ohne Panik, aber mit wachen Sinnen entdecken, was machbar ist. Dass man in Armutsgebieten nicht mit Goldschmuck oder teuren Uhren Begehrlichkeiten weckt, dürfte eine Binsenweisheit sein. Reisen bei Dunkelheit sollten auf alle Fälle vermieden werden. Man sollte nichts sichtbar im Wagen lassen und mit verriegelten Türen fahren.

Sind die Sicherheitsstandards bei der WM mit denen in europäischen Ländern vergleichbar?

Eindeutig nein! In einem Land, in dem es doppelt so viele Mitarbeiter privater Wachfirmen wie Polizisten gibt, enden die Vergleiche. Die Polizei ist oft ebenso hoffnungslos überfordert im Kampf gegen die Kriminalität wie die Gerichte, und die Verurteilungsquote für schwere Verbrechen ist extrem gering. Daher hat Südafrika Schnellgerichte zur WM eingeführt. (dpa)

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