St. Pauli

Hoffenheim trotz «Zecken»-Attacke Spitzenreiter

Hamburg. Glanzloser Bundesliga-Spitzenreiter, gefeierte Verlierer und singende «Zecken»: 1899 Hoffenheim hat bei der Verteidigung der Tabellenspitze gegen Gute-Laune-Aufsteiger FC St. Pauli das Glück zwingen müssen.
29.08.2010, 10:20
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Hamburg. Glanzloser Bundesliga-Spitzenreiter, gefeierte Verlierer und singende «Zecken»: 1899 Hoffenheim hat bei der Verteidigung der Tabellenspitze gegen Gute-Laune-Aufsteiger FC St. Pauli das Glück zwingen müssen.

Dass es da oben, wo sich sonst Bayern München oder Schalke 04 tummeln, keineswegs wie geschmiert läuft, gestand Hoffenheim-Trainer Ralf Rangnick nach dem schmeichelhaften 1:0 durch Isaac Vorsahs Tor in der 87. Minute: «Der Sieg war glücklich. Wir können besser spielen.» Für Andreas Beck ist Platz eins nicht mehr als eine Momentaufnahme. «Man kann nicht erwarten, dass wir in der Tabelle ganz vorne stehen», befand der Verteidiger.

Im Tollhaus St. Pauli, wo nach Fertigstellung der zweiten modernen Tribüne «das einzige Diagonalstadion» des deutschen Profi-Fußballs (Sportchef Helmut Schulte) den Betrieb aufgenommen hat, wurde im ersten Bundesliga-Heimspiel nach mehr als acht Jahren ein Feiertag à la Kiez zelebriert. Da singt nicht nur eine Fan-Kurve, wie anderswo üblich, da singt das ganze Stadion; da werden Verlierer mit rauschendem Beifall und dem markigen «You'll never walk alone»-Song getröstet; da bilden die Spieler nach der Niederlage einen Kreis in enger Umarmung und rufen sich gegenseitig Mut zu - mittenmang der Trainer.

Zwischendurch hüpft die Südtribüne. Die Ultras, wie sich die Hardcore-Fans nennen, nehmen sich dabei selbst auf die Schippe und bekennen lauthals singend, asoziale Zecken zu sein, die unter Brücken oder in der Bahnhofsmission schlafen. St. Pauli ist irgendwie anders.

Auch Tabellenführer Hoffenheim, der schon Erfahrungen in 80 000-Mann-Stadien gesammelt hat, beeindruckte das Flair in der halbfertigen 24 000-Zuschauer-Arena. «Das Publikum ist sensationell. So eine Atmosphäre erlebt man in Deutschland selten, das hat schon englische Züge», meinte Rangnick anerkennend. So fanden auch die St. Paulianer schnell Trost. «Wir können mit Mannschaften wie Hoffenheim mithalten. Wir trauern zwei Tage, dann richten wir den Blick wieder nach vorn», versicherte Mittelfeldspieler Fabian Boll.

Nach dem gelungenen Start mit zwei Saisonsiegen haben die Hoffenheimer offensichtlich Blut geleckt. Nun kommen die angeschlagenen Schalker in den Kraichgau. «Das wird schwer genug, die haben jetzt zweimal verloren», sagte Josip Simunic nachdenklich, um dann alle Bedenken über Bord zu werfen: «Wir wollen das Maximum herauszuholen.» Das trifft auch Torwart Tom Starkes Befindlichkeit: «Die Siege gegen Bremen und St. Pauli haben uns viel Selbstvertrauen gegeben. Wir gehen mit breiter Brust in das Spiel.»

Zuvor wollen die Hoffenheimer ihr Team noch aufrüsten. «Wir sind schon noch am Schauen, können noch ein, zwei gebrauchen», erklärte Rangnick. «Bis Dienstag sollten wir einiges erledigt haben», bestätigte Manager Ernst Tanner. Mit rund 20 Millionen Euro in der Kasse nach dem Wechsel von Carlos Eduardo zu Russlands Meister Rubin Kasan ist ausreichend Lockstoff vorhanden. Bei St. Pauli ist man nüchterner. «Die Planungen sind abgeschlossen», sagte Schulte. Wie auch sonst, wenn kein Geld in der Kasse ist. (dpa)

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