Nächster Werder-Gegner

Inter Mailand hängt in den Seilen

Mailand. Werders nächster Gegner in der Champions-League ist Meister, Pokalsieger und Champions-League-Gewinner - doch davon ist zur Zeit wenig zu sehen. Überzeugende Leistungen boten die Nerazzurri kaum. Klubbesitzer Massimo Moratti versucht, die Gemüter zu beschwichtigen.
28.09.2010, 07:30
Lesedauer: 2 Min
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Von Tom Mustroph

Mailand. Werders nächster Gegner in der Champions-League ist italienischer Meister, Pokalsieger und Champions-League-Gewinner - doch davon ist zur Zeit nur wenig zu sehen. Der Champions League-Sieger ist nicht wiederzuerkennen, überzeugende Leistungen boten die Nerazzurri bislang kaum. Klubbesitzer Massimo Moratti versucht derweil, die Gemüter zu beschwichtigen.

Diego Milito sitzt mit gebrochenem Blick auf der Bank und winkt müde ab. Wesley Sneijder vertändelt den Ball. Der Einzige, der Leidenschaft bei Inter Mailand zeigt, ist Cristian Chivu. Der Verteidiger reißt sich den Kopfschutz vom Haupt herunter, den er seit einem überstandenen Schädelbruch in der letzten Saison trägt und schreit, mit den Armen aufs Spielfeld weisend, in Richtung Auswechselbank: 'Wenn die nicht laufen, dann gehe ich weg!' Der Rumäne war nach der 0:1-Niederlage gegen den AS Rom am Sonntag sichtlich angefressen wegen des mangelnden Engagements seiner Kollegen.

Es herrscht dicke Luft in Mailand. Der Champions League-Sieger ist nicht wiederzuerkennen. Das europäische Super-Cup-Fianle ging schon verloren. Zwar stimmen die übrigen Ergebnisse noch halbwegs. Drei Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage bedeuten die geteilte Tabellenführung in der Serie A. Mit dem Unentschieden bei Twente wurde in der Champions League zumindest der Fehlstart vermieden. 'Das Glas ist halbvoll. Wir brauchen nur etwas Geduld', versucht Klubbesitzer Massimo Moratti die Gemüter zu beschwichtigen.

Milito außer Form

Doch überzeugende Leistungen boten die Nerazzurri bislang kaum. WM-Held Wesley Sneijder hat seine südafrikanische Erschöpfung noch nicht abgestreift und vermag das Spiel nicht wie gewohnt zu lenken. Diego Milito ist gar nicht mehr wiederzuerkennen. Europas Fußballer des Jahres verspringen Bälle. Im Strafraum agiert er nervös. Und wenn er wegen einer Abseitsstellung zurückgepfiffen wird, schimpft er mit den Referees. Vor einigen Monaten hatte er Entscheidungen gegen sich noch gleichmütig hingenommen und sich ein weiteres Mal auf die Lauer gelegt. Jetzt ist ihm das Vertrauen in die eigene Stärke abhanden gekommen. 'Er hat nicht verwunden, dass ihn Maradona beim Turnier in Südamerika kalt gestellt hat', spekulieren italienische Medien über die erschreckende Verwandlung des einstigen Torjägers. Gegen Werder wird Milito möglicherweise gar nicht zum Einsatz kommen. Ihn plagen Muskelprobleme am Bein.

Nun ist es beileibe nicht so, dass Inter plötzlich das Fußballspielen verlernt hat. Aber es ist Sand ins Getriebe geraten. 'Der finale Pass kommt nicht mehr an', konstatiert die 'Gazzetta dello Sport'. 'Es fehlt uns an Intensität', gibt Trainer Rafael Benitez zu. Und tatsächlich mangelt es an jener zusätzlichen Prise Kraft und jenem Extramoment an Aufmerksamkeit, die der Motivationskünstler José Mourinho im entscheidenden Moment bei seinen Männern freisetzen konnte. Benitez ist ein Taktikfuchs. Alphamännchen-Gesten sind ihm eher suspekt. Doch die Mannschaft, die an Mourinhos aufpeitschende Art gewöhnt ist, kommt mit sachlichen Anweisungen allein nur schwer in Schwung. Möglicherweise hat Chivus Ausbruch nun die Nebenleute aufgeweckt.

Mit gutem Wille allein kehrt aber die tödliche Präzision, die die Maschine Inter im letzten Jahr so furchtbar machte, auch noch nicht zurück. 'Wir brauchen zu viele Chancen für ein Tor. Wir müssen herausbekommen, woran das liegt', hat Benitez am Sonntag als Aufgabe erkannt. Eine plötzliche Erleuchtung muss Werder aber nicht befürchten. An diesem Problem werkelt der spanische Trainer bereits seit Wochen recht folgenlos herum.

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