Champions League Jetzt oder nie: Hält Bayern-Serie in Old Trafford?

Manchester. Mit dem Selbstvertrauen aus dem Hinspiel und der zurückeroberten Tabellenführung in der Bundesliga will der FC Bayern auch in Europa wieder in die Spitze vorstoßen - aber alle warnen trotz des 2:1-Vorsprungs vor dem ohne Rooney auflaufenden Team von Manchester United.
06.04.2010, 20:54
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Manchester. Mit dem Selbstvertrauen aus dem Hinspiel und der zurückeroberten Tabellenführung in der Bundesliga will der FC Bayern auch in Europa wieder in die Spitze vorstoßen - aber alle warnen trotz des 2:1-Vorsprungs unisono vor dem ohne Rooney auflaufenden Team von Manchester United.

«Sie haben ein Auswärtstor gemacht, spielen zu Hause, sind eine Spitzenmannschaft, haben viel Erfahrung und Unterstützung vom Publikum», sagte Bayern-Coach Louis van Gaal nach der Ankunft im noblen Mariott-Hotel Worsley Park in Manchester und beantwortete die Frage, ob ManU Favorit sei, knapp und deutlich: «Ja».

Dennoch wollen die Münchner erstmals seit dem Titelgewinn vor neun Jahren wieder das Halbfinale der Königsklasse erreichen. Einen Tag vor dem Viertelfinal-Rückspiel der Champions League meldete sich Turbo-Mann Arjen Robben fit («Ich bin bereit»). Und Abwehrchef Daniel van Buyten befand sich auch auf dem Weg der Besserung. «Ich hoffe, dass Daniel spielen kann. Und auch Arjen, damit die Flügelzange ein bis zwei Messerstiche setzen kann, die dann wehtun», sagte ein betont zurückhaltender Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandschef warnte vor zu viel Euphorie, aber auch vor zu viel Ehrfurcht. «Sich nur hinten reinzustellen ist sicherlich das falsche Rezept.»

Ein Unentschieden reicht nach dem 2:1 vor einer Woche aber im Old- Trafford-Stadion, in dem der FC Bayern in drei Spielen noch nie verloren hat. 0:0, 1:1, 1:0, - die Möglichkeit auf den erstmaligen Halbfinal-Einzug seit dem Titelgewinn 2001 ist so groß wie schon lange nicht mehr. «Wir haben eine kleine Chance, das haben wir zuerst ja nicht für möglich gehalten», meinte Rummenigge trotz breiter Bayern-Brust nach den Erfolgen gegen ManU und auf Schalke. «Manchester United hat die etwas besseren Karten.» Kapitän Mark van Bommel & Co. pflichtete bei, wenngleich Robben betonte: «Sie sind immer noch Favorit, aber nicht mehr 80:20, sondern 60:40.»

Viermal Viertelfinale, zweimal Achtelfinale, einmal in der Vorrunde - immer wieder war seit dem Titelgewinn im Jahr 2001 vorzeitig Schluss in Europas Eliteliga. Und auch diesmal wird es trotz des jüngsten Rückenwindes alles andere als leicht. Denn im heimischen Fußball-Tempel sei Manchester United zu außergewöhnlichen Leistungen fähig, wie Sportdirektor Christian Nerlinger betonte. Außergewöhnlich ist auch die Stimmung in der Traditions-Spielstätte. «Das ist ein tolles Erlebnis, das auf die Mannschaft wartet», sagte Rummenigge, der die Knister-Atmosphäre im bewölkten Manchester als «sehr motivierend» einstufte.

Wayne Rooneys Blitz-Comeback war schon einen Tag vor dem Spiel geplatzt. «Aber Manchester United ist nicht nur Wayne Rooney, auch wenn er ein super Spieler ist», warnte van Bommel. Viel besser sieht es bei Robben aus. «Ich bin froh, dass ich wieder dabei bin. Es hat länger gedauert, als ich gehofft habe», sagte der Niederländer nach seiner Wadenblessur voller Tatendrang und Erfolgshunger. «Wir haben immer noch die Chancen auf drei Titel.» Abwehrchef van Buyten zwickte das lädierte Knie noch bei der Reise. Er sei erst bei 75 Prozent, meinte der Belgier, über dessen Einsatz ebenso wie über den von Turbo-Robben erst in Manchester kurzfristig entschieden werden sollte. Immerhin konnten beide am Dienstagabend beim Abschlusstraining mitmachen.

Robben rückt also zumindest in den Kader - und auf der anderen Seite scheint der lange verletzte und auf der Formsuche befindliche Franck Ribéry in den «Tod oder Gladiolen»-Spielen, wie Trainer Louis van Gaal die Alles-oder-nichts-Partien gerne nennt, endlich in Schwung zu kommen. Beide zusammen könnten dann die von Rummenigge erhofften Messerstiche setzen. «Ich gehe mit einer gewissen Neugier in das Spiel, aber ich habe auch großes Vertrauen in die Mannschaft und den Trainer», stellte Rummenigge vor dem Vier-Millionen-Spiel fest. Denn so viel bekommt jeder im Halbfinale, in dem Lyon oder Bordeaux auf die Bayern warten würden, allein an UEFA-Prämie.

München gewann auch dank Ribérys Treffer sein Spitzenspiel gegen Schalke, Manchester verlor ohne Rooney seines gegen Michael Ballacks FC Chelsea. «Wir vertrauen auf unseren Heimvorteil und unsere großartige Bilanz in Old Trafford in europäischen Wettbewerben», sagte Kapitän Gary Neville.

Der letzte Auftritt der Bayern in Old Trafford liegt mittlerweile acht Jahre zurück. Kein Spieler aus dem aktuellen Kader war damals dabei, mit anderen Clubs gab es für Philipp Lahm (Stuttgart), van Buyten (Manchester City) und Mark van Bommel (PSV Eindhoven) nicht viel zu holen. Ein Unentschieden gelang immerhin dem Ex-Leverkusener Jörg Butt: Hält er in Manchster ein «zu Null», wäre Bayern weiter.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Manchester United: Van der Sar - Neville, Ferdinand, Vidic, Evra - Fletcher, Scholes - Valencia, Nani - Park - Berbatow

FC Bayern München: Butt - Lahm, Demichelis, van Buyten, Badstuber - Altintop, van Bommel, Schweinsteiger, Ribéry - Müller, Olic

Schiedsrichter: Rizzoli (Italien) (dpa)

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