Kamerun Kamerun raus: Spieler am Boden, Le Guen vor Ende

Pretoria. Samuel Eto'o schlurfte völlig niedergeschlagen aus dem Stadion, Rigobert Song zermalmte vor Frust fast seine Wangenknochen - Trainer Paul Le Guen gab sich trotzig. Der Franzose dachte überhaupt nicht an einen Rücktritt als Coach der «Unzähmbaren Löwen».
20.06.2010, 13:42
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Pretoria. Samuel Eto'o schlurfte völlig niedergeschlagen aus dem Stadion, Rigobert Song zermalmte vor Frust fast seine Wangenknochen - Trainer Paul Le Guen gab sich trotzig. Der Franzose dachte überhaupt nicht an einen Rücktritt als Coach der «Unzähmbaren Löwen».

«Ich werde nicht aufgeben», antwortete der Trainer von Kamerun auf die Frage eines Journalisten, bekleidet mit einem Nationaltrikot der Afrikaner. «Ich fürchte nichts», betonte Le Guen, der sich schier unbeugsam gab. «Aber ich bin unglücklich und traurig für die kamerunische Nation», räumte er ein. Nach dem 1:2 (1:1) gegen Dänemark waren ausgerechnet für ein afrikanisches Team bei der WM-Premiere auf dem Heim-Kontinent als erstes alle Chancen auf das Achtelfinale dahin.

Als Champions-League-Sieger mit Inter Mailand war Eto'o zur WM gereist, das frühzeitige Ende nagte sichtbar am Stürmerstar. Mit leerem Blick ließ er den nicht enden wollenden Interviewreigen über sich ergehen. Vermutlich hätte sich der 29-Jährige lieber die übergroßen Kopfhörer übergezogen, die er in der Hand hielt. Aber geduldig beantwortete der Torschütze zum 1:0 (10. Minute) letztlich die bohrenden Fragen, warum der WM-Beutezug der «Löwen» schon vorbei ist.

«Wir hatten so viel Hoffnung», meinte der Stürmer, der vor der Partie mit einigen Mitspielern den Aufstand geprobt hatte. Zumindest von der Formation her erfolgreich; Le Guen hatte wie von Herrn Eto'o gewünscht die Mannschaft aufgestellt. Aber ohne Happy End. «Ich möchte mich bei den Menschen in Kamerun bedanken», meinte der Angreifer. «Sie haben uns in schweren Momenten unterstützt. Ich weiß, dass es jetzt auch für sie schwer ist.»

Dabei hatte Kamerun gar nicht schlecht gespielt. Mit Willen und Einsatz waren Eto'o & Co. zur Sache gegangen - und Chancen hatten sie zur Genüge. Auch weil sich die aufopferungsvoll kämpfenden Dänen einen Schnitzer nach dem anderen leisteten. «Wir haben viele elementare Fehler gemacht», sagte deren Coach Morten Olsen. Dass es dennoch klappte, hatte er Nicklas Bendtner (33.) und Dennis Rommedahl (61.) zu verdanken. «Wenn wir weiterkommen wollen, haben wir viel, an dem wir arbeiten müssen.» Ein wenig antiquiert wirkte das Auftreten der dänischen Routiniers in einer WM vieler Ordnungsfanatiker schon. «Aber wir haben heldenhaft verteidigt», betonte Olsen.

Die Dänen dürfen sich also weiter steigern und auf eine erfolgreiche WM hoffen, Kamerun spielt gegen Holland um die Ehre. Als erstes afrikanisches Team sind sie raus. Südafrika, Algerien, Nigeria, Ghana und die Elfenbeinküste könnten folgen. «Das wäre auf jeden Fall sehr schade für den Kontinent», sagte Bundesliga-Profi Maxim Choupo-Moting. «Vielleicht hat es nicht sollen sein für einige afrikanische Teams, aber es geht voran.»

Der Nürnberger Angreifer war wohl einer der Leidtragenden der Revolte um Rädelsführer Eto'o, von dem der 21-Jährige einst ein Poster im Kinderzimmer hängen hatte. «Es gab Konflikte zwischen Spielern und Trainern, aber die genauen Probleme haben sie untereinander besprochen», sagte Choupo-Moting, der nicht ausschloss, dass Kamerun ohne den internen Ärger besser abgeschnitten hätte. «Ist möglich», meinte er.

Als die Kameruner schon lange aus dem Stadion raus waren, kam die dänische Truppe vergnügt, aber selbstkritisch aus den Katakomben. «Leidenschaft war auf jeden Fall da», sagte Dänemarks WM-Maskottchen Ebbe Sand, der «viele Fehler» einräumte. «Für einige ist es vermutlich das letzte Turnier, deswegen geben sie Gas ohne Ende.» (dpa)

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