Björn Fecker über Sportwetten und Manipulationsvorwürfe Kampf gegen Windmühlen

Bremen. Der Bremer Amateurfußball verabschiedete sich mit einer nicht alltäglichen Spielabsage in die Winterpause. Die Bremen-Liga ist seitdem erneut dem Verdacht von Spielmanipulationen ausgesetzt.
12.01.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Der Bremer Amateurfußball verabschiedete sich mit einer nicht alltäglichen Spielabsage in die Winterpause: Weil Sportradar ungewöhnliche Wetteinsätze beobachtet hatte, wurde das Nachholspiel zwischen OT Bremen und Union 60 Mitte Dezember wieder abgesetzt. Die Bremen-Liga ist seitdem erneut dem Verdacht von Spielmanipulationen ausgesetzt. Stefan Freye sprach mit Björn Fecker, dem Präsidenten des Bremer Fußballverbandes, über die Situation.

Wie haben Sie den Manipulationsverdacht aufgenommen?

Björn Fecker: Der DFB hatte uns am Montag nach dem ursprünglichen Termin informiert, dass die Firma Wetterradar ungewöhnliche Bewegungen festgestellt hatte. Wenn man den Bericht dieser Firma liest, ist man erst mal platt. Die Überwacher kommen zu dem Ergebnis, der Verdacht läge nahe, dass auf das Ergebnis dieser Partie Einfluss genommen oder sogenanntes Insiderwissen genutzt werden sollte. Wobei Letzteres in Bremen natürlich nichts Ungewöhnliches wäre, da es in der Stadt viele Kontakte untereinander gibt.

Gibt es mittlerweile nähere Erkenntnisse zu diesem Spiel?

Nein. Zur Ehrlichkeit gehört auch, dass unsere Mittel begrenzt sind. Wir sind keine Ermittlungsbehörde und haben es hier mit einem weltweit agierenden System zu tun.

Konkret ging es allerdings um ungewöhnliche Wetteinsätze vor einem Bremen-Liga-Spiel.

Dies ist aber kein bremenspezifisches Problem. Es hat auch schon in anderen Ligen, bis hin zur Juniorenbundesliga, solche Anschuldigungen gegeben. Für uns gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung: Bewiesen ist zu diesem Zeitpunkt noch nichts.

Der BFV müsste allerdings ein vitales Interesse an solchen Beweisen haben. Was soll in dieser Hinsicht noch geschehen?

Wir als Verband können nicht auf staatliche Stellen zurückgreifen, denn wir sind kein Geschädigter. Ich will an dieser Stelle auch noch einmal klarstellen: Sportrechtlich ist die Sache klar. Aktive und Funktionäre dürfen, egal ob bei legalen oder illegalen Anbietern, keine Wetten auf ihre eigenen Spiele platzieren. Dies, wie auch die Präventionsmaßnahmen bis hin zu konkreten Ansprechpartnern, haben wir den Vereinen der Bremen-Liga auf einem gemeinsamen Workshop mit dem DFB zu Saisonbeginn dargelegt. Die wichtigere Frage ist aber eine ganz andere: Warum können in diesem Land eigentlich in jeder Frittenbude Sportwetten angeboten werden?

Und?

Es gibt einen Staatsvertrag, der die Anzahl der Sportwett-Anbieter auf 20 begrenzt. Bislang ist jedoch noch keine einzige Lizenz offiziell erteilt worden. Für mich ist damit jede Sportwette illegal, und der Staat schaut nur zu. Hier werden Millionenbeträge an der Steuer vorbei erwirtschaftet.

Sie meinen, durch die offizielle Vergabe der Sportwett-Lizenzen würden die Verbände sich den Einfluss sichern?

Lizenzen bedeutet: Es gäbe dann konkrete Ansprechpartner und Verantwortliche. Diese würde ich immer auffordern, die Amateurligen aus dem Wettangebot rauszulassen. Momentan haben wir aber keine solche Einflussmöglichkeit. Überdies könnte der Staat festlegen, welche Wetten angeboten werden.

Und woran liegt es, dass bislang keine Lizenzen vergeben wurden?

Weil das zuständige Bundesland Hessen das noch nicht getan hat.

Obwohl alle darauf warten?

Das zuständige Ministerium und die Wettanbieter sind unterschiedlicher Auffassung, wer von ihnen hierfür die Verantwortung trägt.

Wir sprechen jetzt allerdings ausschließlich über den vermeintlich legalen und überschaubaren Wettmarkt. Daneben wird ein Großteil des Geschäftes auf dem illegalen Markt abgewickelt, und der lässt sich mit offiziellen Lizenzen sicher nicht kontrollieren.

Stimmt. Wie bei jedem illegalen Geschäft muss der Staat dagegen vorgehen.

Und was wurde bisher von staatlicher Seite unternommen?

Momentan ruht der See still und starr. Wenn klar ist, wer illegal Wetten anbietet, könnte man zum Beispiel die Zahlungsströme zu diesen Firmen verfolgen und unterbinden.

Haben Sie eine Erklärung für diese allgemeine Passivität?

Dies ist zweifellos eine rechtlich schwierige Materie. Vieles findet in einem Graubereich statt. Vom Nichtstun wird es aber nicht besser.

Sie wirken ziemlich frustriert.

Es ist quasi ein Kampf gegen Windmühlen – und der Ruf von Tausenden Amateurfußballern, die Woche für Woche auf dem Sportplatz stehen, wird beschädigt.

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