Kommentar zu Thomas Schaaf Kein gewöhnlicher Trainerwechsel

Thomas Schaaf ist bei Eintracht Frankfurt nicht endgültig gescheitert. Aber es wirkt, als hatte er dort von Beginn an keine faire Chance. Ein Kommentar von Marc Hagedorn.
27.05.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Kein gewöhnlicher Trainerwechsel
Von Marc Hagedorn

Vor knapp zwei Wochen war Thomas Schaaf Fernsehgast beim Fußball-Talk „Doppelpass“. Es ging dort um die Bayern, um Schalke, um den HSV. Und es ging auch um ihn, um seine Rolle als Trainer bei Eintracht Frankfurt. Die Expertenrunde brachte einige Vorwürfe zur Sprache: Die Chemie zwischen ihm und der Mannschaft stimme nicht. Er habe kein Konzept entwickelt, um die vielen Gegentore zu vermeiden. Spieler würden sich bei Journalisten über ihn und das Spielsystem beschweren.

Zu fast allen Punkten äußerte sich Schaaf nicht, stattdessen lächelte er. Die Kritik, so schien es, prallte an ihm ab. Inzwischen weiß man es besser. Schaafs Lächeln muss ein süßsaures Lächeln gewesen sein. In Thomas Schaaf muss es gebrodelt haben.

Die Wut und Enttäuschung über den Umgang mit seiner Person gipfelte jetzt in seinem Rücktritt bei Eintracht Frankfurt und entlud sich in einer Presseerklärung, die es in sich hat. Wenn man weiß, wie sehr an Formulierungen in Presseerklärungen gedreht und gedrechselt wird, damit auch ja alle Beteiligten ihr Gesicht wahren können, dann kann man in Schaafs Fall nur sagen: Er hatte die Schnauze voll – und zwar gestrichen voll. Thomas Schaaf spricht von „unglaublichen und nicht nachvollziehbaren Anschuldigungen und Unterstellungen“. Das ist selbst im erwiesenermaßen harten Business Bundesliga-Fußball starker Tobak.

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Diese Trennung ist mehr als ein gewöhnlicher Trainerwechsel. Für Thomas Schaaf endet nach seinem Aus bei Werder nur zwei Jahre später auch die nächste Zusammenarbeit vorzeitig. Ist das der Beweis, dass der Trainer Schaaf nur Werder kann, dass er nur in Bremen funktioniert? Nein.

Es stimmt zwar, dass sich die Vorwürfe ähneln. Auch in Bremen schaffte es Schaaf nicht, eine Balance zwischen Offensiv- und Defensivspiel herzustellen. Auch in Bremen war immer wieder mal die Rede davon, dass Schaafs Kommunikation mit den Spielern verbesserungswürdig sei.

Aber man muss sehr deutlich zwischen damals und heute unterscheiden: In Bremen war Schaaf 14 Jahre im Amt. Dass sich mit der Zeit gewisse Verschleißerscheinungen einstellen, ist kein Wunder. Und dass nach 14 Jahren irgendwann einmal Schluss sein musste, war auch klar.

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In Frankfurt dagegen, so wirkt es heute mehr denn je, hatte Schaaf von Beginn an keine faire Chance. Die Eintracht schwebte zu keiner Zeit in Abstiegsgefahr. Sie sorgte für gute Unterhaltung auf dem Platz. Sie wurde Neunter. Schaaf hat aus den vorhandenen Mitteln vielleicht nicht das Optimum herausgeholt. Aber er hat ein anständiges Ergebnis abgeliefert.

Thomas Schaaf ist deshalb auch nicht endgültig gescheitert. Er hat eine neue Chance verdient. Die Frage ist nur, ob er selbst auf den Bundesliga-Zirkus überhaupt noch Lust hat.

marc.hagedorn@weser-kurier.de

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