Fußball «Kleine» trumpfen groß auf - Bayer verliert 3:6

Düsseldorf. Verkehrte Welt in der Bundesliga: In Kaiserslautern, Mainz und Hannover gelang drei Teams ein überraschender Traumstart in die Saison. Dagegen gingen Spitzenteams wie Schalke und Wolfsburg bisher leer aus. Die Außenseiter mischen die Liga auf.
29.08.2010, 20:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste

Düsseldorf. Verkehrte Welt in der Bundesliga: In Kaiserslautern, Mainz und Hannover gelang drei Teams ein überraschender Traumstart in die Saison. Dagegen gingen Spitzenteams wie Schalke und Wolfsburg bisher leer aus. Die Außenseiter mischen die Liga auf.

Nicht die Topclubs der vergangenen Saison aus München und Gelsenkirchen, sondern die Überraschungsteams aus Kaiserslautern, Mainz und Hannover begeistern die Fußball-Fans. Mit einer optimalen Ausbeute von sechs Punkten gehören sie zur Spitzengruppe des Fußball-Oberhauses. «Jetzt können wir die zweiwöchige Länderspielpause genießen», schwärmte Hannovers Coach Mirko Slomka nach dem 2:1 an seiner alten Wirkungsstätte beim FC Schalke. Ähnlich euphorisch kommentierte Trainerkollege Marco Kurz das umjubelte 2:0 des Aufsteigers aus Kaiserslautern über den FC Bayern: «Wir werden das aufsaugen.»

Dabei sorgten vor allem die Auswärtsmannschaften für Furore. Erstmals in der Geschichte der Fußball-Bundesliga gab es an einem Spieltag sieben Gastsiege. Von den insgesamt 39 Treffern gingen 23 aus das Konto der Auswärtsteams.

Auch Bayer Leverkusen verpatzte seine Heimpremiere in einem denkwürdigen Spiel. Die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes unterlag Borussia Mönchengladbach in einer völlig verrückten Partie mit 3:6 (1:3). Die Treffer von Patrick Herrmann (2), Roel Brouwers, Juan Arango, Mohamadou Idrissou und Marco Reus bescherten den Gladbachern den ersten Bundesligasieg gegen Leverkusen seit mehr als 16 Jahren. Für Bayer trafen Eren Derdiyok, Arturo Vidal (Foulelfmeter) und Stefan Kießling.

Im zweiten Sonntagspiel erlebte auch der VfB Stuttgart sein Desaster. Der Europa-League-Teilnehmer unterlag Borussia Dortmund mit 1:3 (0:3) und fiel nach der zweiten Niederlage in Serie auf den letzten Platz zurück. Die Treffer für den BVB erzielten Marcel Schmelzer, Lucas Barrios und Mario Götze. Cacau traf für den VfB.

Die Kleinen stahlen den Großen erneut die Show. Das bekam vor allem der ambitionierte VfL Wolfsburg in einer denkwürdigen Partie gegen die selbstbewussten Mainzer zu spüren. Die Freude über die frühe 3:0-Führung und das Debüt des gefeierten Neuzugangs Diego verleitete zu Leichtsinn. Spätestens nach dem 4:3-Siegtreffer der Gäste in der 85. Minute schlug die Ekstase in Entsetzen um. «So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt - weder als Spieler, noch als Trainer», klagte «Wölfe»-Coach Steve McClaren.

Das Kunststück, einen 0:3-Rückstand nach nur einer halben Stunde in einen 4:3-Erfolg zu verwandeln, war in der Bundesliga zuletzt dem VfL Bochum im Mai 1991 bei Fortuna Düsseldorf gelungen.

Eine überraschende Heimschlappe musste auch der FC Schalke verkraften. Der schlechteste Saisonstart seit 23 Jahren entfachte beim Revierclub eine Diskussion, ob die ambitionierten Umbauarbeiten von Trainer Felix Magath nicht zu weit gegangen sind. Vor allem die Deckung offenbarte bedenkliche Schwächen. «Wir haben einen Fehlstart hingelegt» bekannte Magath. Mit weiteren Zukäufen bis zum Ende des Sommerschlussverkaufs am Dienstag will er den Negativtrend stoppen: «Ich kann jetzt nicht untätig sein. Für uns gibt es auf dem Transfermarkt noch einiges zu tun.» Als Kandidaten werden Klaas-Jan Huntelaar (AC Mailand), Rafael van der Vaart (Real Madrid) und José Manuel Jurado (Atletico Madrid) gehandelt.

Von einem Stürmer wie Ruud van Nistelrooy kann Magath derzeit nur träumen. Der einstige Mannschaftskollege des erneut schwachen Schalker Neuzugangs Raúl bei Real Madrid entpuppt sich für den Hamburger SV mehr und mehr als Erfolgsgarant. Der 34 Jahre alte Niederländer steuerte zum 3:1 in Frankfurt seinen bereits dritten Saisontreffer bei. «Träumen kannst Du immer. Du musst nur deinen Traum versuchen zu leben», sagte van Nistelrooy.

Fünftes Team im Kreis der bisher verlustpunktfreien Überflieger ist 1899 Hoffenheim. Eine Woche nach dem 4:1-Kantersieg gegen Bremen hielten sich die Profis von Trainer Ralf Rangnick auch beim 1:0 gegen Aufsteiger St. Pauli schadlos und führen zusammen mit Kaiserslautern die Tabelle an. Der glückliche Sieg in Hamburg verstellte jedoch nicht den Blick auf die Realitäten. «Man kann nicht erwarten, dass wir ganz vorne stehen», sagte Verteidiger Andreas Beck.

Dagegen finden sich vermeintliche Spitzenteams wie Schalke und Wolfsburg ohne Punktgewinn im Tabellenkeller wieder. Noch schlechter sind nur Eintracht Frankfurt, der 1. FC Köln sowie der VfB Stuttgart in die Saison gestartet. (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+